Gas-Querflüsse: Marktgebiete schließen Vergleich

Die beiden deutschen Gas-Marktgebiete haben ihren Streit über die Behandlung von Querflüssen beigelegt.

Die deutschen Marktgebiete haben eine gasbilanzielle und finanzielle Altlast geregelt, die zurückreicht bis zur Heizperiode 2013/14. Sowohl John Usemann von Gaspool als auch die Geschäftsführer von NCG, Torsten Frank und Dr. Thomas Becker, bestätigten der ZfK eine außergerichtliche Einigung. Sie sei Ende des vorigen Jahres geschlossen worden.

Wie viel Geld dem Gas hinterherströmte, das teilen die Betreiber nicht mit. Sie haben Stillschweigen vereinbart. Aber es ging um die finanzielle Behandlung von Terawattstunden. Und NCG hatte in seiner Bilanz 2015 Rückstellungen von 71 Mio. Euro stehen, "für drohende und laufende Rechtstreitigkeiten, die gaswirtschaftliche Sachverhalte betreffen". Das nun ohne Richter geregelte Problem der Gas-Querflüsse war eindeutig eines dieser großen Risiken. Es ging also nicht um Bagatellbeträge. Die Rückstellung deutet auch darauf hin, dass NCG kürzlich der Zahler war. Rückschlüsse auf die Höhe und die Zahlungsrichtung dürften die künftigen Regelenergiekonten-Veröffentlichungen geben.

Unkontrolliert in TWh-Höhe

Worum ging es? Im Winter 2013/14 strömte über Verteilnetze, die an beide Marktgebiete gleichermaßen angeschlossen sind, unkontrolliert Gas in TWh-Höhe aus Gaspool heraus. Das veranlasste den Marktgebietsbetreiber zum Einkauf von Regelenergie, um seine Fernnetze stabil zu halten. Diesen Regelenergieeinsatz, der in der gesamten Heizperiode – aus verschiedenen Gründen – hunderte Millionen von Euro kostete, stellte Gaspool zunächst regulatorisch konform seinen Bilanzkreis- und Netzkonteninhabern mit Bilanzungleichgewichten in Rechnung.

Das Marktgebiet verhandelte auch mit NCG über Schadenersatz. Ohne es zu wollen, hatte sich NCG mit dem quer geströmten Gas nach Bürgerlichem Gesetzbuch "ungerechtfertigt bereichert". Oder doch nicht, denn das Gas gehörte NCG ja nie? Jedenfalls hatte NCG gespiegelt Regelenergieeinsatz gespart. Aber war es 1:1 oder weniger oder mehr? In welchem Ausmaß waren die unkontrollierten Gaszuflüsse der Grund oder die üblichen Ursachen? Das versuchten die Marktgebiete bald nach jenem Winter herauszukriegen, zusammen mit den marktgebietsüberlappenden Verteilnetzbetreibern. Denen war zunächst die Schuld an den Querflüssen gegeben worden. Dieser Vorwurf wurde später relativiert.

Risiko ist jetzt minimiert

Die Neuregelungen zur Marktgebietsüberlappung in den Kooperationsvereinbarungen der Gasnetzbetreiber (KoV) verhindern seitdem unkontrollierte Querflüsse in dieser Größenordnung. Davon ist zumindest die NCG-Geschäftsführung überzeugt. Die Nachjustierung in den KoV habe sich bewährt, sagten Torsten Frank und Thomas Becker der ZfK. (geo)