Gasimporte im Sommer wie im Winter

Deutschland hat auch im August Gasmengen eingeführt, die man früher von der Heizperiode her kannte. Die Talfahrt bei den Preisen ist überraschend gestoppt.

Deutsche Gasimporteure haben im August 98 Mrd. kWh eingeführt und mussten dafür im Schnitt erstmals seit Juni wieder mehr bezahlen: 20,57 €/MWh frei Bundesgrenze, also zuzüglich innerdeutscher Netzentgelte. Dies meldete gestern (20. Okt. 15) das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit der üblichen Verzögerung.

Die gewendete Talfahrt der Importpreise kommt überraschend: Im Juli war der Grenzübergangspreis (GÜP) Gas erstmals seit mindestens 2012 unter 20 €/MWh gerutscht, und die ZfK prognostizierte in ihrer gedruckten Oktoberausgabe auf Basis des Beratungs- und Analyseunternehmens Freitag Energie, dass der Preisverfall mindestens bis Oktober anhalten würde und der GÜP wenigstens bis März 2016 weiter eine 19 vor dem Komma aufweisen würde. Für August etwa waren 19,80 €/MWh vorhergesagt gewesen.

Mit 98 Mrd. kWh hat Deutschland im Sommermonat August eine Gasmenge eingeführt, die früher bereits in Wintermonaten rekordverdächtig gewesen wäre. Die hohen Importraten mit deutlich über 90 Mrd. kWh halten seit Oktober 2014 an; diesen Mai und Juli waren sogar die 100 Mrd. kWh übertroffen worden.

Dazu trug vor allem Norwegen bei: Sein Mengenanteil lag – bei stabiler Menge – im August bei 34,9 % und damit höher als der des traditionellen Hauptexporteurs Russland (34,7 %). Russlands Quote landete im August am unteren Ende außerhalb der diesjährigen Heizperiode. Während des Winters, im Januar und Februar, hatte das Land aber sogar weniger als 30 % zum deutschen Importgas beigesteuert. Hollands Beitrag blieb mit knapp 27 % oder 26 Mrd. kWh erstaunlich stabil – ungeachtet der angeordneten Produktionskürzungen im Feld Groningen. Da hatte man während des Sommers 2014 schon niederländische Exportmengen bis hinunter auf 12 Mrd. kWh pro Monat gesehen. (geo)