Gazprom wirkt bei LNG in Rostock entschlossen

Gazprom Germania lässt in einem Interview keinen Zweifel daran, in Rostock eine Flüssigerdgas-Anlandestation zu bauen.

Gazprom-Germania-"Hauptgeschäftsführer" Wjatscheslaw Krupenkow hat in einem Interview mit der "Super-Illu", auf das die Berliner Tochter des russischen Produzenten auf Twitter hinweist, die im Juli geäußerte Absicht bekräftigt, gemeinsam mit dem Hafen Rostock ein Flüssigerdgas(LNG)-Terminal zu bauen. Krupenkow sagte der Ost-Illustrierten auf die Frage nach der Anlandestation: "Mit diesem Projekt … bekennt sich Gazprom ausdrücklich zum deutschen Markt und zur Sicherheit der europäischen Gasversorgung." Die Dimensionen des Terminals im Rostocker Osthafen sind noch nicht klar; eine Machbarkeitsstudie zusammen mit der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) läuft noch bis Mitte nächsten Jahres.

Dennoch dürfte klar sein, dass es im Gegensatz etwa zu den Terminals in Rotterdam, Zeebrugge, Swinemünde (Polen) oder Memel (Litauen) um sog. Small-scale LNG geht, Flüssigerdgas zur Verteilung an relative Kleinverbraucher wie Schiffe und Lkw. Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg sprach bei einem Ortstermin mit Verkehrsminister Dobrindt im Juli von langfristig bis zu 70 000 m3 LNG-Kapazität, so der NDR damals.

Hintergrund: Vom 1. Jan. 15 an dürfen Ostseeschiffe nur noch Treibstoff mit maximal 0,1 % statt 1,0 % Schwefelgehalt verwenden. Damit fällt der traditionelle Schwerölantrieb fürs Baltikum weg. In der Machbarkeitsstudie geht es auch um die Nachfrage und die Verteilungskapazitäten ab Rostock. Der viertgrößte Hafen ist als größter Universalhafen Umschlagplatz etwa für Schüttgüter, Container, Fährverkehr und Kreuzfahrtschiffe und hat wegen der zweispurig ausgebauten Güterbahn und der noch lückenhaften Autobahnverbindung nach Berlin auch für die Hauptstadtregion große Bedeutung.

Von der Bundespolitik ist wohl keine Gegnerschaft zu dem Projekt im Zusammenhang mit den Spannungen zu Russland zu erwarten: Verkehrsminister Dobrindt äußerte sich bei dem Ortstermin im Juli, bei dem es um den Ausbau des Hafens und seine Hinterland-Anbindung ging, nicht negativ zu dem LNG-Aspekt. Wenn es um Small-scale-LNG geht, steht auch insoweit keine marktbeherrschende Stellung Gazproms im Raum. Schweden etwa baut mehrere solcher Terminals. Ein flächendeckendes Netz solcher Terminals ist auch im Sinne Gazproms: "Je mehr LNG-Terminals und -Tankstellen entstehen, desto stärker wird die Nachfrage wachsen. Schon heute ist die Nachfrage größer als das Angebot", sagte Gazprom-Mann Krupenkow zur "Super-Illu". Die Schiffsflotten, die auf LNG umstellen, müssen es nicht nur in Rostock tanken können, sondern auch in anderen Anlandehäfen. (geo)