Nach einer fast dreijährigen Verzögerung nimmt das Gemeinschaftskraftwerk Bremen in Kürze den kommerziellen Betrieb auf. Bild: @ SWB

Gemeinschaftskraftwerk Bremen vor dem Start

Das GuD wird Ende nächster Woche in Betrieb genommen. Eine Teilstilllegung ist laut SWB-Chef Thorsten Köhne vom Tisch.

Das Investitionsvolumen liegt bei 450 Mio. Euro, die installierte Leistung der Anlage bei 445 MW: Am kommenden Donnerstag wird in Bremen-Mittelsbüren das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk nach mehrjährigen Bauverzögerungen offiziell in Betrieb gehen. Die Erlösperspektiven des GKB bezeichnet SWB-Chef Dr. Thorsten Köhne ungeachtet der aktuell niedrigen Strompreise als intakt. "Wir sehen das Gemeinschaftskraftwerk perspektivisch in einer guten Marktposition", so Köhne auf Anfrage der ZfK. Eine Teilstilllegung sei nicht im Gespräch. Gesellschafter des Kraftwerks sind die SWB (51,7 Prozent), Mainova (25,1 Prozent), 15 Stadtwerke aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen über die Tobi Gaskraftwerksbeteiligungsgesellschaft (16,2 Prozent), die Ovag (4,95 Prozent) und die Deutsche Bahn (zwei Prozent).

Anfang des Jahres hatte die SWB in verschiedenen Medien noch erwogen, nach Abnahme der Anlage einen Antrag zur Stilllegung nicht benötigter Kapazitäten bei der Bundesnetzagentur zu stellen. Dies in der Hoffnung, dass die Behörde die Kapazitäten als systemrelevant einstuft. Als Folge hätten die Betreiber für das Aufrechterhalten der Betriebsbereitschaft eine Entschädigung erhalten. Mittlerweile verzeichnen zahlreiche Gaskraftwerke in Deutschland etwas längere Einsatzzeiten (ZfK 11/16, Seite 6). "Die Entwicklung der Clean Spark Spreads zeigt, dass sich der Einsatz von Gaskraftwerken künftig möglicherweise wieder lohnen könnte", schreibt Niels Schulz, Herausgeber von "Kraftwerke Invest" auf Anfrage. Steigende Preise für CO2 und Kohle sowie gleichzeitig niedrige Preise für Erdgas seien normalerweise ein gutes Umfeld für Gaskraftwerke, so Schulz. Zudem gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass sich die Erlössituation von Gaskraftwerken weiter verbessern wird, wenn bis 2022 die letzten Atomkraftwerke stillgelegt sind.

200 MW der Leistung des Bremer Gemeinschaftskraftwerks sind bereits langfristig verkauft. Bis 2038 werden die SWB die Deutsche Bahn mit Bahnstrom versorgen, das sieht ein entsprechender Liefervertrag vor. Eine Fernwärme-Auskopplung der hochflexiblen, erdgasbefeuerten Anlage ist nicht vorgesehen, das Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von über 58 Prozent kann aber nachgerüstet werden. "Aktuell sind wir bereits in der Vermarktung der Kapazitäten und haben auch bereits Mengen platziert", erklärt SWB-Chef Köhne. Ein erstes Fazit über die Auslastung sollte man aber erst Ende kommenden Jahres ziehen. Bremen sei ein bedeutender Einspeisepunkt für die Deutsche Bahn Netz. Welche Anteile des Stroms dabei aus dem Kraftwerk und welche über die Börse kommen, werden die SWB nach Marktlage entscheiden. (hoe)