Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper erwartet hohe Nachzahlungen aus Großbritannien
Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Grünes Licht für britischen Kapazitätsmarkt hilft Uniper

Der Stromproduzent kann dank einer Entscheidung der EU-Kommission seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2019 anheben.

In den ersten neun Monaten sank das operative Ergebnis beim Düsseldorfer Energiekonzern wegen des Wegfalls positiver Einmaleffekte und geringerer Produktionsmengen einzelner Kraftwerke. Dennoch gibt es gute Nachrichten: Die EU-Kommission hatte Ende Oktober entschieden, dass der britische Kapazitätsmarkt doch mit europäischem Recht vereinbar sei. Dabei geht es um staatliche Beihilfen für Stromproduzenten, die Erzeugungskapazitäten für Stromengpässe bereithalten. An der Rechtmäßigkeit gab es zuvor Zweifel. Die EU hatte deswegen Ende vergangenen Jahres das System vorübergehend ausgesetzt. Jetzt rechnet Uniper mit hohen Rückzahlungen, die im vierten Quartal rund 150 Mio. Euro zum operativen Gewinn beitragen könnten. Vor diesem Hintergrund hatte der Energiekonzern bereits am Montagabend seine Prognose für das laufende Jahr angehoben.

Neben den Nachzahlungen aus Großbritannien erwartet der MDax-Konzern auch, dass sich die positiven Entwicklungen in den Wasser- und Kernkraftwerken weiter fortsetzen. Diese hatten wegen gestiegener Strompreise und höherer Produktionsmengen im dritten Quartal positiv zum bereinigten operativen Gewinn (Ebit) beigetragen.

Nettoverschuldung hat sich erhöht

Das dritte Quartal sei traditionell das schwächste, erklärte Finanzvorstand Sascha Bibert in einer Telefonkonferenz am Dienstag. Das liege daran, dass im Sommer mehr Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar sei. In dieser Zeit führe Uniper dann mehr Wartungen an seinen Kraftwerken durch. Dazu habe sich zwischen Juli und September die Nettoverschuldung erhöht. Einer der Gründe dafür seien gestiegene Rückstellungen für Pensionen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus.

Der Konzernumsatz ging im dritten Quartal leicht um ein Prozent auf 52,8 Mrd. Euro zurück. Das Ebit sank im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf 203 Mio. Euro. Unter dem Strich erzielte Uniper einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro. Dieser hohe Gewinn resultiert allerdings nur aus einem positiven Effekt aus Termingeschäften mit Rohstoffen, mit denen Uniper das Strom- und Gasgeschäft gegen Preisschwankungen absichert.

Internationale Stromerzeugung entwickelt sich positiv

Bereits am Montagabend hatte der Konzern die Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr erhöht. Das Unternehmen, bei dem der finnische Konzern Fortum die Mehrheit anstrebt, rechnet im laufenden Jahr jetzt mit einem Ebit zwischen 750 und 950 (2018: 865) Mio. Euro. Bisher hatte die Prognose bei 550 bis 850 Mio. Euro gelegen.

Von den drei Sparten des Energiekonzerns entwickelte sich nur der operative Gewinn aus der internationalen Stromerzeugung positiv. In Russland konnte sich Uniper über höhere Strompreise und gestiegene Erzeugermengen freuen. Die europäische Stromerzeugung und vor allem der Globale Handel verloren deutlich. Während beim europäischen Handel eine Verbesserung im vierten Quartal in Sicht ist, lässt sich zum volatilen Stromhandel kaum eine Vorhersage treffen.

300-MW-Gaskraftwerk ab 2022 in Irsching

Am Standort Scholven schreite die Transformation von Kohle auf Gas voran, sagte Finanzvorstand Bibert. Geplant ist dort der Bau einer kombinierten Kraft-Wärme-Anlage mit zwei Gasturbinen und einem Dampfkessel. "Mit Sener und MMEC Mannesmann haben wir nun zwei Partner an Bord, die wichtige Komponenten wie die Gasturbinen und den Dampfkessel liefern werden. Zudem sind sie für den Einbau und die Inbetriebnahme der Komponenten zuständig. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für Uniper und für die langfristige Standortsicherung in Scholven", erklärte Bibert.

Nach dem Zuschlag für den Bau und den Betrieb eines Gaskraftwerks am Standort Irsching bei Ingolstadt als "besonderes netztechnisches Betriebsmittel" im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Tennet werden auch dort die Planungen vorangetrieben. Der Kraftwerksbauer Ansaldo sei als Partner gewonnen worden. Das 300-Megawatt-Kraftwerk solle ab 2022 als "Sicherheitspuffer" der Stromversorgung dienen, um die Netzstabilität aufrecht zu erhalten. (dpa/hil)