Innovatives Niedrigtemperaturnetz für Tegel-Nachnutzung

So in etwa soll Berlin TXL in Zukunft aussehen: mit Schumacher Quartier und dem Gewerbeareal, The Urban Republic. Bild: © Tegel Projekt GmbH

Auf dem Areal des derzeitigen Berliner Flughafens Tegel soll nach der Schließung ein Wohnquartier, das Schumacher-Quartier, und ein Gewerbeareal, The Urban Republic, entstehen. Bild: © Tim Dinter

Der Berliner Flughafen ist noch voll in Betrieb und schon wird die Entwicklung des ab 2021 zur Verfügung stehenden Areals festgeklopft. Eines ist sicher: Die Berliner Stadtwerke und Eon werden gemeinsam das Energiekonzept realisieren.

Im Oktober 2020 soll der neue Berliner Flughafen BER eröffnen. Ein halbes Jahr später wird der bisherige Hauptflughafen Tegel seine Pforten schließen. Das Konzept für die Nachnutzung des riesigen Areals steht fest: In Berlin TXL entstehen ein Forschungs- und Industriepark, die „Urban Tech Republic“, und ein nachhaltiges Wohngebiet, das „Schumacher Quartier“. Am Montag (5. November) hat nun die Berlin Tegel GmbH, die Projektgesellschaft für die Nachnutzung des zentralen Flughafens, die Unternehmen bekannt gegeben, die das Energiekonzept umsetzen werden: Es sind die Berliner Stadtwerke und Eon.

„Berlin will bis 2050 eine klimaneutrale Metropole werden“, sagt Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe, deren Tochterunternehmen die Berliner Stadtwerke sind. Das zukunftsweisende Energiekonzept in Tegel XL habe Leuchtturmcharakter. Schließlich werde die Wärmeversorgung der Zukunft vorgestellt.

Low-Ex-Netz mit Temperaturen von 40 Grad Celsius

Die Versorgung des neuen Areals erfolgt über ein neuartiges Niedrigtemperaturnetz. Dieses sogenannte Low-Ex-Netz (Low-Exergie-Netz) wird mit Temperaturen bis 40 Grad Celsius betrieben; im Sommer reichen Werte von 20 Grad Celsius. Durch die im Vergleich zu einem klassischen Fernwärmenetz (90 bis 130 Grad Celsius) niedrigere Betriebstemperatur können Wärmeverluste reduziert werden, heißt es. Weiter können bei den Verbrauchern installierte Wärmepumpen bei Bedarf höhere Temperaturen sowie auch Kühlenergie erzeugen.

Für die Erzeugung dieses warmen Wassers nutzen die Berliner Stadtwerke und Eon einen Mix aus Energieträgern, von Blockheizkraftwerken, Solaranlagen, Geothermie und Abwasserwärme. Das Netz fungiert dabei als Energie-Tauschplatz. Es wird – und das ist für ein Nahwärmenetz von etwa 10 Kilometern Länge ein Novum – viele Einspeiser geben. Von daher bedarf es für das Netz Übergabe-Stationen und auch eine umfassende IT, die alle Prozesse steuert. All dies ist derzeit noch nicht in der Endreife vorhanden, wird aber entwickelt, so Eon-Vorstandsmitglied Karsten Wildberger. 

Moderne Gebäude mit höchsten Effizienzkriterien 

Die neu zu errichtenden Gebäude müssen alle nach modernsten Effizienzkriterien erstellt werden. Zwingend ist das Vorhandensein von Flächenheizungen wie beispielsweise Boden- oder Wandheizungen. Eine große Herausforderung für das Projekt sei der Parallelbetrieb zweier Systeme, des alten und des neuen. So bleibt das Hauptgebäude des Flughafens bestehen, wird aber nach modernsten Effizienzkriterien saniert. Weiterhin genutzt – für die Übergangszeit – wird auch die Heizzentrale mit Brennern. 

Ziel ist die Erstellung einer der umweltfreundlichsten Wärmeversorgungen in Metropolen. „Bis 2050 werden wir eine CO2-Reduzierung von nahe 100 Prozent haben“, ist sich Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, sicher. Kein anderes Wärmekonzept könne diesen Ansatz unterschreiten. Sollte ein Gebäudeeigner ein besseres Wärmekonzept vorweisen, könne er aus dem Anschlusszwang entbunden werden.

Die Kosten liegen bei rund 60 Mio. Euro

Die Ausschreibung für das Energiekonzept erfolgte 2016. Der Wettbewerb war groß, hieß es, am Ende bekam die Partnerschaft von Berliner Stadtwerken und Eon den Zuschlag. Die Kosten liegen bei etwa 60 Mio. Euro. Einen einstelligen Millionen-Betrag werden jeweils die Unternehmen zusteuern. Der Rest solle über Förderungen finanziert werden. Die Beteiligten sind sehr zuversichtlich, dass man alle Fördertöpfe, also Landes-, Bundes- und EU-Mittel, nutzen könne und das Projekt stemmen werde. Schließlich sei es hochinnovativ. (al)