Referent Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, bei der Stadtwerke-Tagung 2016. Bild: ZfK/hoe

Mieterstrom als Chance begreifen

Viele Stadtwerke stehen dem Thema Mieterstrom skeptisch gegenüber. In zwei Bundesländern denkt man über eine Förderung nach.

Produkte vom Kunden her denken – das war gestern eines der Schwerpunktthemen am zweiten Tag des Stadtwerkekongresses von Euroforum in Berlin. Eine Möglichkeit, perspektivisch einen Zukunftsmarkt zu besetzen, sind dabei laut Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, Mieterstrommodelle.

Die Stadtwerke Schwäbisch-Hall planen in verbundenen Unternehmen mit einem urbanen Umfeld, wie den Stadtwerken Sindelfingen, die Einführung entsprechender Lösungen. Gleichzeitig bietet das kommunale Unternehmen der Stadtwerke-Branche entsprechende EDV- und Prozessdienstleistungen für die Einführung und den Betrieb derartiger Modelle an. Hier erlebe er aber noch eine große Zurückhaltung bei vielen Stadtwerken, so Pfitzer. Zum einen handle es sich um ein sehr beratungsintensives Produkt, weiterhin bestünden keine einheitlichen und verbindlichen Prozesse und die Margen seien oftmals niedrig. Als Vorteile stellte Pfitzer die hohe Kundenbindung, die Möglichkeit echter Smart-Meter-Anwendungen und die Chance, ein Geschäftsfeld vor möglichen Wettbewerbern zu besetzen, heraus. Gemäß Pfitzer denken aktuell zwei Bundesländer konkret über Fördermaßnahmen für Mieterstrommodelle nach, darunter Nordrhein-Westfalen.

Wie man Kunden als Ideengeber und Innovationsmotor nutzen kann, hatte zuvor
Dr. Robert Thomann, Innovationsmanager der Mannheimer MVV Energie AG an Hand des Projektes Strombank illustriert. Bei diesem Projekt wird in einem Mannheimer Quartier Stromspeicherkapazität in einer Cloud angeboten. Die Prosumer sind dabei mit ihren PV-Anlagen und BHKW über die Strombank verbunden und können sich mittels einer App über den Stand ihres Energiekontos informieren.

Dass Geschwindigkeit und Prozesse entscheidend sind, um wettbewerbsfähige Innovationen zu entwickeln, zeigte Dr. Steffen Frischat, Geschäftsbereichsleiter Energieeffizienz und Lösungen bei der Entega AG, auf. Die Stadtwerke könnten dabei einiges vom Online-Heizungsanbieter Thermondo lernen, so Frischat. Thermondo nehme in der Regel drei Minuten nach einer Online-Anfrage eines Kunden telefonisch Kontakt zu diesem auf. Wie man schnell und erfolgreich Produkte in einem crossmedialen Team weiter entwickelt, veranschaulichte Frischat dann anhand eines Relaunches des Produktes "Wärme komplett".

Wie man die Verbraucher und Produzenten von Ökostrom aus der gleichen Region zusammenbringt, verdeutlichte abschließend Dr. Christian Chudoba, Geschäftsführer der Lumenaza GmbH an Hand der Strommarke Fichtelgebirgsstrom. Lumenaza hat eine Plattform entwickelt, die die volle Transparenz über die Stromherkunft ermöglicht. Ziel ist es, dass der regional erzeugte Ökostrom dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird und dass die Zahl der Produzenten weiter wächst. (hoe)