Das Verwaltungsgebäude der MVV Energie in Mannheim.
Bild: © MVV Energie

MVV erwartet leichten Ergebnisrückgang im laufenden Geschäftsjahr

Der warme Winter und ein schwächeres Windaufkommen schlagen sich in den Halbjahreszahlen nieder. Im zweiten Halbjahr könnte auch ein Turbinenschaden im Biomassekraftwerk im englischen Ridham Dock das Ergebnis belasten.

Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie hat in den ersten sechs Monaten seines bis 30. September 2019 laufenden Geschäftsjahres deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Das Adjusted Ebit sank im Zeitraum vom 1. Oktober 2018 bis zum 31. März 2019 um 28 Prozent auf 161 Mio. Euro, der bereinigte Periodenüberschuss nach Fremdanteilen ging um 34 Prozent zurück auf 78 Mio. Euro. Negativ auf das Ergebnis wirkte sich unter anderem der witterungsbedingt deutlich geringere Wärmebedarf aus. Ein schwächeres Windaufkommen ließ zudem die Stromerzeugung in den eigenen Windkraftanlagen zurückgehen.

Hinzu kommen Nachlaufkosten für das Anfang April außer Betrieb genommene Gemeinschaftskraftwerk in Kiel (GKK) sowie positive Einmaleffekte aus Verkaufserlösen in der Vorjahresperiode, die im laufenden Geschäftsjahr naturgemäß nicht wiederholbar waren. Der Umsatz fiel mit 1,91 Mrd. Euro um zehn Prozent niedriger aus. Dies hängt vor allem mit einer Änderung der Rechnungslegungsvorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) zusammen.

Laut MVV Energie verlief die Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal im Rahmen der Erwartungen, der Rückstand aus dem ersten Quartal habe aber nicht aufgeholt werden können. Im ersten Vierteljahr hatte sich insbesondere das operative Ergebnis im Berichtssegment "Neue Energien" im Bereich zum Vorjahresquartal deutlich reduziert. MVV Energie führt dies vor allem auf den "infolge der verfehlten Privilegierung bei den Windkraftausschreibungen in den Jahren 2016 und 2017 ins Stocken geratenen Erneuerbaren-Ausbau " zurück.

Positiver Ausblick für Projektentwicklung

Seitdem die Privilegierungen ausgesetzt sind, hätten die beiden MVV-Projektentwicklungsgesellschaften Juwi und Windwärts in den folgenden Ausschreibungsrunden und unter fairen Wettbewerbsbedingungen wieder zahlreiche Zuschläge für Windprojekte an Land und PV-Freiflächenanlagen in Deutschland erhalten, heißt es. Juwi hatte im Frühjahr mit dem Bau des 1000sten Windrades der Unternehmensgeschichte begonnen. Auch das internationale Geschäft des Projektentwicklers hat deutlich angezogen, erst vor kurzem sicherte sich Juwi den Auftrag für sein bisher größtes USA-Projekt – den Bau einer 123 MW-Photovoltaikanlage. Für den weiteren Jahresverlauf geht MVV von einer positiven Entwicklung im Projektentwicklungsgeschäft aus.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2019 erwartet MVV, dass sowohl der Umsatz als auch das operative Ergebnis leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Belastend auf das Ergebnis im zweiten Halbjahr wird sich nach Angaben von MVV auch ein Ende März aufgetretener Turbinenschaden im Biomassekraftwerk im englischen Ridham Dock auswirken, der eine geringere Anlagenverfügbarkeit nach sich zieht. Die Wachstumsinvestitionen hat die Mannheimer Unternehmensgruppe in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres um rund ein Drittel auf 86 Mio. Euro gesteigert, für das Gesamtjahr ist eine deutliche Erhöhung der Wachstums- und Instandhaltungs- sowie Modernsierungsinvestitionen geplant. Insgesamt will MVV in den nächsten Jahren rund drei Mrd. Euro investieren. (hoe)