Eine Mittelspannungs-Freileitung mit einer Kapazität von 20 kV. Diese Spannungsebene gehört zum Verteilnetz. Bild: ZfK-Hi

Netzausbau: VKU fordert höhere EK-Verzinsung

VKU und BDEW wehren sich gegen die geplante Absenkung der Eigenkapitalverzinsung für Investitionen ins Stromnetz durch die BNetzA.

Der VKU hat heute in einer Stellungnahme von der Bundesnetzagentur (BNetzA) Nachbesserungen bei der geplanten Absenkung der Eigenkapitalzinssätze für Investitionen in das Strom- und Gasnetz gefordert. Bisher konnten Stromnetzbetreiber für ihre Neuinvestitionen mit einer Eigenkapitalverzinsung von 9,05 Prozent kalkulieren, die BNetzA plant für die 2019 beginnende Regulierungsperiode eine deutliche Absenkung auf 6,91 Prozent. Im September soll der endgültige Entscheid darüber fallen. "Jeder Prozentpunkt weniger Eigenkapitalzins macht Investitionen für Netzbetreiber weniger interessanrt. Wir fordern einen um mindestens ein Prozent höheren Wert", schreibt der VKU in seiner Stellungnahme.

Im ersten Augenblick und gemessen an den derzeitigen Kapitalmarktzinsen klinge die vorgeschlagene Eigenkapitalverzinsung der BNetzA von 6,91 Prozent hoch. Doch dieser Wert sei an sich nur eine kalkulatorische Größe auf dem Papier, so der VKU weiter. "Nach Abzug der Steuern, des Solidaritätsbeitrags und weil dieser Wert nur auf einen sehr geringen Teil des eingesetzten Kapitals angewendet wird, verbleiben den Netzbetreibern durchschnittlich gerade einmal rund drei Prozent an Eigenkapitalverzinsung", heißt es in der Stellungnahme. Die individuellen Auswirkungen des Effizienzvergleiches reduzierten die tatsächlich realisierbare Verzinsung zusätzlich. Die Verteilnetze seien aber die Schlüsselinfrastruktur zur Integration der erneuerbaren Energien, ihr Ausbau erfordere Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe. "Diese Investitionen werden nur erfolgen, wenn die Eigenkapitalzinssätze angemessen sind und die Investitionen auch tatsächlich zurückverdient werden können", stellt der VKU klar.

Auch der BDEW fordert eine Anhebung des Eigenkapitalzinses um mindestens ein Prozent. Der Vorschlag der BNetzA würde zu einer Senkung des Eigenkapitalzinssatzes von 25 Prozent führen, heißt es in einer gestrigen Medienmitteilung des BDEW. „Der daraus resultierende Zinssatz von 5,64 Prozent nach Steuern würde zu den niedrigsten in ganz Europa gehören – und das obwohl Deutschland zu den Staaten mit dem größten Ausbaubedarf zählt“, sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Der reale Zinssatz für Netzinvestitionen betrage heute bereits nur 3,8 Prozent. „Das würde Investitionen in die Netze für Kapitalgeber im Vergleich zu Investitionsmöglichkeiten in anderen Branchen unattraktiver machen“, so Kapferer.  Die Verbraucher würden zudem von der geplanten Senkung der Zinssätze kaum profitieren, so der Branchenverband. Nach Berechnungen des BDEW würde ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh lediglich 5,30 Euro pro Jahr weniger an Netzentgelten zahlen.

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern berücksichtige die BNetzA bei ihren Berechnungen weiterhin nicht, dass die Finanzierungsrisiken infolge der Finanzmarktkrise deutlich gestiegen seien, in Frankreich, Großbritannien oder Italien beispielsweise werde das in die Berechnung der Zinssätze miteinbezogen. Der vorgeschlagene Eigenkapitalansatz der BNetzA würde die Investitionsanreize für deutsche Strom- und Gasnetze im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten verschlechtern.Der BDEW kritisiert zudem, dass die Aufsichtsbehörde die gestiegenen Finanzierungsrisiken in einem vergleichbaren Sektor, der Telekommunikation, sehr wohl berücksichtigt habe undhier mit zweierlei Maß messe. (hoe)