Neuer Vorstoß zu europäischem Intradaymarkt

Der IT-Dienstleister für einen gesamteuropäischen Intraday-Strommarkt soll ausgeschrieben werden.

Der Börsenrat der Pariser Energiebörse Epex Spot, einer Beteiligung der Leipziger EEX, begrüßte nach einer Mitteilung von gestern einen entsprechenden gemeinsamen Vorschlag der im Verband Europex zusammengeschlossenen Energiebörsen. Jener wird auch von der EU-Energieregulierer-Agentur Acer unterstützt.

Damit kommt neue Bewegung in das zum Stillstand gekommene Vorhaben, bis 2014 im Zuge des EU-Energiebinnenmarktes auch ein gesamteuropäisches Zielmodell für den Intraday-Markt umzusetzen. Der Epex-Spot-Börsenrat hatte noch im Juni Bedenken gegen eine Migration des Pariser Intraday-Systems Comxerv auf eine künftige Version des skandinavischen Börsensystems Elbas geäußert, wie es Europex 2011 vorgeschlagen hatte. Durch den neuen Konsens über eine Ausschreibung des IT-Dienstleisters fällt diese Vorfestlegung weg – womit Epex Spot offenbar gut leben kann.

Im Intraday-Strommarkt als Teil des Spotmarktes werden Standardprodukte zur Lieferung an den Reststunden und Restviertelstunden des Handelstages gehandelt. Bei Epex Spot gibt es in diesem Segment die Marktgebiete Deutschland (im Gegensatz zum Day-ahead-Markt ohne Österreich) sowie Frankreich. Das Intraday-Marktgebiet Österreich soll – zunächst separat von Deutschland – im Oktober hinzukommen.

In dem Marktsegment können Stromgroßhändler und -beschaffer ihre Strom-Bilanzkreise zeitnah glattstellen, um Ausgleichsenergie-Strafgelder zu vermeiden oder um auf unvorhergesehene, oft auch temperaturbedingte Nachfrageschwankungen zu reagieren.

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, die den mit EEG-Fixsätzen vergüteten Teil des deutschen Stroms aus Erneuerbaren an der Epex Spot verkaufen, nutzen deren Intraday-Markt dagegen laut EEG-Umlagekonto seit Februar überhaupt nicht mehr. Jedenfalls erzielen sie seitdem per Saldo keine Einnahmen mehr daraus. (geo)