Die Hauptverwaltung der Enervie Südwestfalen Energie und Wasser AG in Hagen. Bild: Enervie

Remondis will rasch in den Enervie-Aufsichtsrat

Der Hagener Kommunalversorger Enervie lässt Remondis-Vertreter in seinen Aufsichtsrat wählen und verhandelt über eine große Netzgesellschaft.

Der Aufsichtsrat der Enervie Südwestfalen Energie und Wasser AG aus Hagen hat eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und empfiehlt die Hereinwahl von zwei Vertretern des neuen Minderheitsaktionärs Remondis. Damit setzt das private Abfall- und Wasserunternehmen Remondis aus der Rethmann-Gruppe weiter seine Absicht um, in Hagen als strategischer Investor zu agieren. Dies berichtet das Nachrichtenportal www.derwesten.de.

Nach Angaben von Enervie gegenüber der ZfK stehen die Geschäftsführer von Remondis-Spartengesellschaften, Markus Schmidt (Energie & Services) und Andreas Bankamp (Wasser) zur Wahl. Sie würden Ende der Woche auf der außerordentlichen Hauptversammlung die bisherigen RWE-Vertreter ersetzen. Eine Woche später folgt die ordentliche Aktionärsversammlung.

RWE hatte im Sommer seinen Anteil an Enervie von 19,06 % im Rahmen seines Desinvestitionsprogramms für 60 Mio. € an Remondis verkauft, nachdem keiner der fast ein Dutzend kommunalen Aktionäre sein Vorkaufsrecht gezogen hatte. Damit wurde Remondis drittgrößter Anteilseigner nach der Stadt Hagen (42,7 %) und der Stadt Lüdenscheid (24,1 %). Neun weitere Kommunen aus Südwestfalen halten kleinere Anteile von insgesamt rd. 14 %.

Für Remondis bietet der Einstieg bei Enervie Berührungspunkte bei der Wasserversorgung sowie in einer Klärschlammverbrennungsanlage (Wirbelschichtfeuerung), die Enervie zusammen mit dem Wasserversorger Ruhrverband in Werdohl im Märkischen Kreis betreibt. Konkrete Absichten sind aber noch nicht veröffentlicht worden. Enervie ist durch seinen Kraftwerkspark finanziell schwer belastet, der durch eine vorläufige Einigung mit der Bundesnetzagentur (BNetzA) nur noch im Reservebetrieb weiterläuft, finanziert über die Verteilnetzentgelte. Die Hagener sind der Ansicht, dass der vorgelagerte Übertragungsnetzbetreiber Amprion mehr für die Stabilität ihres Inselnetzes tun müsste und haben daher bei der BNetzA ein Missbrauchsverfahren gegen ihn beantragt.

Derweil plant Enervie, ihren Netzbetrieb von einer sog. kleinen Netzgesellschaft mit wenig eigenem Personal und rein gepachteten Netzen der Mark-E in Hagen und der Stadtwerke Lüdenscheid bis Jahresende in eine große Netzgesellschaft umzugestalten. Dies soll steuerlich günstiger sein. In der Kommunalpolitik beider Städte gibt es nach Enervie-Angaben nun eine Debatte über Mitspracherechte und die Zukunft des Wassernetzes nach der von Enervie gewünschten Einbringung der Netze. Dies sei ein normaler Vorgang um Details, hieß es gegenüber der ZfK. Es als "Streit" zu bezeichnen, wie es derwesten.de tut, sei überzogen. Auch der Name "Enervie Asset Networks" steht zur Disposition, um Anforderungen der Netzentflechtung zu genügen. (geo)