RWE prüft Kauf weiterer Kohlekraftwerke

Der Essener Energiekonzern RWE bekräftigt sein Interesse am Kauf von Kraftwerken und sieht Chancen in Süddeutschland aber auch im übrigen Europa.

"Die Branche konsolidiert sich, und dabei will RWE als Kostenführer eine aktive Rolle spielen. Wir halten Ausschau nach attraktiven Kraftwerken, die zum Kauf stehen. Wir sehen uns alles an", sagte Matthias Hartung, Chef der Kraftwerkstochter RWE Generation, der "Rheinischen Post.

Bei der Ausweitung des konventionellen Kraftwerksparks haben die Essener offenbar vor allem Projekte südlich der Mainlinie im Blick, Verhandlungen mit dem Karlsruher Energiekonzern EnBW über bei den Baden-Württembergern zur Disposition stehenden Erzeugungsanlagen wollte der Manager aber nicht bestätigen. "Ich werde mich nicht zu einzelnen Kraftwerken äußern. Aber gerade in Süddeutschland sind Kraftwerke interessant, weil dort der Wegfall des Atomstroms besonders spürbar wird. Deshalb planen wir dort eigene Kraftwerksprojekte", betonte Hartung.

EnBW betreibt noch acht Kohlekraftwerke

EnBW will sich mittelfristig auf erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb konzentrieren und prüft deshalb offenbar, wie sich der Versorger aus der konventionellen Erzeugung und dabei speziell aus der Kohlekraft zurückziehen kann. "Wir gehen davon aus, dass die Kohlekraftwerke auf das politisch gewollte Ende zusteuern", hatte das "Handelsblatt" vor wenigen Wochen aus einem vertraulichen Strategiepapier zitiert, in dem EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux die neue Marschrichtung des Unternehmens beschreibt. Aktuell betreibt EnBW noch acht Kohlekraftwerke, zwei Kernkraftwerke sowie zwei Gaskraftwerke.

RWE dagegen sieht in der Kohlekraft offenbar weiterhin sowohl in Deutschland wie auch europaweit ein attraktives ökonomisches Potenzial und vertraut dabei nicht zuletzt darauf, dass sich ein Kapazitätsmarkt durchsetzen wird. Denn auf die Frage, was RWE denn mit immer mehr Kraftwerken wolle, wo Länder wie Großbritannien aus der Kohle aussteigen, betonte RWE-Generation-Chef Hartung: "Und genau darin sehen wir für uns eine Chance. Mit erneuerbaren Energien allein gibt es keine sichere Stromversorgung. Die Gesellschaft dürfte daher bereit sein, einen Preis für die Versorgungssicherheit zu zahlen." (hil)