Die Stadtwerke Gießen setzen verstärkt auf den Vertrieb von Dienstleistungen.
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Stadtwerke Gießen nehmen Herausforderung an

Die Stadtwerke Gießen AG (SWG) bekommen den härteren Wettbewerb um Geschäftskunden zu spüren. Nun setzen die Mittelhessen verstärkt auf Dienstleistungen.

Für das Geschäftsjahr 2017 wird beim größten Energieversorger Mittelhessens mit einem Rückgang der Erlöse um rund 50 Millionen Euro gerechnet. Und das, obwohl in den letzten 15 Jahren speziell der Stromverkauf stets zugenommen hat: für diesen Zeitraum steht eine gute Verdopplung von 700 Millionen auf 1,5 Milliarden Kilowattstunden zu Buche. Diese gegenläufige Entwicklung hatte für Aufmerksamkeit gesorgt, ja, sogar über einen Einstellungsstopp bei den SWG war schon spekuliert worden.

Ina Weller, Unternehmenssprecherin der Stadtwerke Gießen AG, bestätigt, dass der Großteil Einnahmenrückgänge dem immer umkämpfteren Stromhandel geschuldet ist. Immerhin handelt es sich angesichts eines Konzernumsatzes von 450 Millionen Euro um einen Rückgang von mehr als zehn Prozent, und auch im Geschäftsjahr 2016 sind die Erlöse bereits um 12,5 Millionen gefallen. Trotzdem sind die aktuellen Zahlen für Weller keine Überraschung: "Der Rückgang der Erlöse vor allem beim Strom ist im Wesentlichen auf einen Rückgang der Absatzmengen im Segment der bundesweiten Stromlieferung an Geschäftskunden zurückzuführen. Hier herrscht seit einigen Jahren verschärfter Wettbewerb, den wir auch in unserer bundesweiten Akquisetätigkeit bemerken."

Stadtwerke verkaufen vermehrt Dienstleistungen

Die Margen, die sich im Strommarkt erzielen lassen, sind für alle Stadtwerke begrenzt, dies aber vor allem, weil in den erzielten Strompreisen bei einem durchschnittlichen Haushalt mehr als 70 Prozent auf Steuern und Abgaben entfallen. Daher haben die SWG ihre Konzepte an die veränderten Marktgegebenheiten angepasst, wie Weller berichtet: "Deshalb haben wir bereits vor Jahren schon vermehrt auf den Vertrieb von Dienstleistungen gesetzt. Das bringt uns bereits heute soviel, als würden wir in diesem Segment 200 Millionen Kilowattstunden verkaufen."

Die Gießener Stadtwerke stellen sich also neu auf, und auch der Rückgang der Stromerlöse ist für sie keine Katastrophe. Bei genauer Betrachtung handelt es sich um einen verschärften Wettbewerb um Geschäftskunden, die die Stadtwerke seit der Marktliberalisierung vor knapp 20 Jahren außerhalb ihres mittelhessischen Kerngebiets hinzugewonnen hatten. Zwar muss der Giessener Kämmerer aktuell mit geringeren Ausschüttungen an den städtischen Haushalt rechnen – von einem Fehlbetrag von 2,5 Millionen ist hier die Rede –, aber ernsthafte Sorgen gibt es weder bei den Stadtwerken selbst noch Gießener Rathaus. Und auch die Beschäftigten können aufatmen: Die Meldung vom Einstellungsstopp war, so ist zu hören, eine Ente. (sig)