Räumt bei den Stadtwerken Pforzheim gründlich auf: Herbert Marquard Bild: @ SWP

Stadtwerke Pforzheim: Marquard steuert neuen Kurs

Vermehrtes Augenmerk auf das Stromgeschäft, ein neues Risikomanagement: Pforzheims Stadtwerke-Chef Marquard setzt neue Akzente. Bis zu 50 Mitarbeiter müssen ihre bisherigen Schreibtische verlassen.

Bei den Stadtwerken Pforzheim (SWP) haben die massiven Gewinneinbrüche im vergangenen Jahr Konsequenzen. Verträge, die durch Telefon-Marketing gewonnen worden waren, hatten sich als Verlustbringer herausgestellt, doch diese Schieflage war über einen längeren Zeitraum hinweg nicht gemeldet worden. Als Folge des Gewinneinbruchs mussten die Hauptgesellschafter, die Thüga AG und die Stadt Pforzheim, auf ihre Rendite für 2017 verzichten.

Der Ausfall der fest eingeplanten Dividende der Stadtwerke hatte massive Auswirkungen bis ins Pforzheimer Rathaus. Die für 2018 geplante Verabschiedung des kommunalen Doppelhaushalts für 2019 und 2020 musste auf den 26. März dieses Jahres verschoben werden. Diese Verwerfungen führten zur fristlosen Entlassung der beiden SWP-Geschäftsführer Roger Heidt und Thomas Engelhard im Januar 2019. Ihr Nachfolger wurde noch am selben Tag Herbert Marquard.

Marquard räumt auf

Wie die Pforzheimer Zeitung (PZ) nun „aus Aufsichtsratskreisen“ erfuhr, hat Marquard bis zu 50 Änderungskündigungen bei den SWP ausgesprochen. Dabei geht es wohl vor allem um Mitarbeiter, die von den bis zum Januar amtierenden Geschäftsführern mit „Stabsstellen“ versehen worden waren – ein Vorgang, der von den SWP nicht kommentiert wird. Stattdessen soll der Stromvertrieb effizienter werden. Hier besteht bei den SWP offenbar großer Nachholbedarf, denn hier waren auch die enormen Verluste entstanden.

Marquard möchte nach Angaben der PZ auch die Stelle des leitenden Risikomanagers neu besetzen. Ein neues Kundenportal ist demnach ebenfalls in Vorbereitung. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat derweil eine interne, vom Aufsichtsrat angestoßene Untersuchung des Gewinneinbruchs und der mutmaßlichen Vertuschung von Fehlern durch die ehemaligen Geschäftsführer durchgeführt. Der Aufsichtsrat der SWP wird sich in seiner nächsten Sitzung, die für den 29. April geplant ist, mit dem Thema beschäftigen. (sig)