Seit 2014 speist der Offshore-Windpark DanTysk Strom ins deutsche Netz ein, die Stadtwerke München sind an dem Projekt mit 49 Prozent beteiligt.
Bild: Paul Langrock/SWM

SW München: Rekord-Ebit dank Erneuerbaren-Ausbau

Die langjährigie Energiewende-Strategie des größten deutschen Stadtwerks zahlt sich immer mehr aus. Das klassische Kerngeschäft aber ist weiterhin rückläufig.

Der Stadtwerke München Konzern (SWM) hat im Geschäftsjahr 2017 das operative Ergebnis (Ebit) um 19 Prozent auf 615 Mio. Euro gesteigert. Das ist das höchste Ebit in der Geschichte der SWM. Aufsichtsrat und Gesellschafter müssen dem Jahresabschluss noch zustimmen. Zu diesem Ergebniszuwachs haben vor allem die erneuerbaren Energien beigetragen. Auf dieses Segment entfällt mittlerweile rund ein Viertel des operativen Ergebnisses, teilte die SWM-Pressestelle auf Anfrage mit. 2016 lag der Ergebnisbeitrag noch bei rund zehn Prozent. Die Erneuerbaren entwickelten sich immer mehr zu einer großen Stütze des operativen Gewinns. Im vergangenen Jahr wurde der Offshore-Windpark Sandbank offiziell in Betrieb genommen, an dem die SWM mit 49 Prozent beteiligt sind. Auch beim Umsatz verzeichneten die SWM deutlich Zuwächse von 6,3 Mrd. Euro im Jahr 2016 auf 7,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Grund hierfür sind höhere Umsätze im Gasbereich, die aus der Beteiligung an Bayerngas resultieren. An die Landeshauptstadt München werden vom Mutterunternehmen Stadtwerke München GmbH wie vertraglich vereinbart 100 Mio. Euro ausgeschüttet. Rechnet man Gewerbesteuer und Konzessionsabgaben hinzu fließen rund 320 Mio. Euro von den SWM an die Stadt München.

SWM-Chef: "Früher Einstieg in Erneuerbare zahlt sich voll aus"

SWM-Geschäftsführer Florian Bieberbach wertet das sehr gute operative Ergebnis als Bestätigung des langjährigen Erneuerbaren-Kurses. "Wir haben die Energiewende von Anfang an nicht nur politisch unterstützt, sondern auch als große geschäftliche Chance begriffen. Dieser frühe und entschlossene Einstieg in die Erneuerbaren zahlt sich voll aus", erklärte Bieberbach. Dies sorge für den entsprechenden Motivationsschub, um auch weiterhin stark in Zukunftsthemen rund um Dekarbonisierung, Digitalisierung, neue Mobilitätslösungen und Lebensqualität für München zu investieren. "Diese Investitionen werden die künftigen Gewinne sicherstellen", so Bieberbach.

Ergebnisverbesserungs-Programm wird weitergeführt

Trotz dieser sehr postiven Gesamtentwicklung, das angestammte Kerngeschäft der SWM, sprich die Versorgungsnetze, die konventionelle Erzeugung, der Energievertrieb, die Mobilität und die öffentlichen Bäder, bleiben weiter unter Druck. Dort sei das Ergebnis zwar auf einem befriedigenden Niveau, aber weiter rückläufig. Um diesem Trend entgegenzuwirken werde das Ergebnisverbesserungsprogramm "SWM22" auch im laufenden Jahr konsequent fortgesetzt, heißt es. Der Konzerngewinn nach Steuern kletterte aufgrund außergewöhnlich hoher Einmaleffekte auf 875 Mio. Euro, zu den Sondereffekten gehörten vor allem die Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuer in Höhe von rund 150 Mio. Euro und stark positive Wertberichtigungen bei der Erdgasexploration und -produktion von rund 450 Mio. Euro. Das Unternehmen hat diesen Geschäftsbereich im vergangenen Jahr zusammen mit dem britischen Versorger Centrica/British Gas in ein Joint Venture mit dem Namen "Spirit Energy" eingebracht. 2016 hatte bei den SWM aufgrund Sonderbelastungen aus dem Kernenergieausstieg noch ein Konzernverlust nach Steuern von 164 Mio. Euro in den Büchern gestanden.

Auch in diesem Jahr werden 800 Mio. Euro investiert

Rund 800 Mio. Euro haben die Stadtwerke München im vergangenen Jahr  in die Zukunft der Stadt investiert. Die Aufwendungen betrafen alle Unternehmensbereiche von den erneuerbaren Energien über die Energie- und Wassernetze bis hin zur Mobilität (unter anderem U-Bahn und Tramzüge, Busse, Verkehrsinfrastruktur und Elektromobilität), Telekommunikation (Glasfasernetz) und Bäder. Die SWM verfügten Ende 2017 über eine Eigenkapitalausstattung von 5,5 Mrd. Euro, die Eigenkapitalquote stieg auf gute 51,6 Prozent (Vorjahr: 44,5 Prozent). Auch im laufenden Jahr will der 100 Prozent kommunale Energieversorger das hohe Investitionsniveau von rund 800 Mio. Euro beibehalten. Insbesondere im Mobililitätsbereich stünden hohe Investitionen für den Ausbau, die Modernisierung der Infrastruktur sowie der Fahrzeugflotte an. Zudem sind im Rahmen der "Ausbauoffensive Erneuerbare Energien" neue Projekte im Strom- und Wärmebereich geplant, unter anderem die Geothermieanlage am Heizkraftwerk Süd. Außerdem wird in der Innenstadt die Fernkälteversorgung erweitert und in weiteren Stadtteilen flächendeckend Glasfaser ausgerollt.

Das kommunale Unternehmen wird sich nach eigener Einschätzung auch künftig in einem Spannungsfeld von rückläufigem Ergebnis im klassischen Kerngeschäft und einem hohen Kapitalbedarf für Zukunftsinvestitionen bewegen. Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung und strategischen Weiterentwicklung würden deshalb konsequent umgesetzt, heißt es. Aus heutiger Sicht gehe man auch in den kommenden Jahren von einem weiterhin stabilen Ebit aus. Ebenso werden auch künftig positive Konzernergebnisse nach Steuern erwartet, aber nicht auf dem von Sondereffekten geprägten, außergewöhnlich hohen Niveau von 2017. (hoe)