Das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde in der brandenburgischen Lausitz gehört noch bis spätestens August 2016 Vattenfall, danach einem tschechischen Konsortium aus EPH und PPF Investments.
Bild: J.H. Janßen/Wikipedia

Tinte trocken: Lausitzer Revier geht an Tschechen

Vattenfall hat gestern bestätigt: Der Konzern verkauft seine Braunkohle an ein tschechisches Konsortium aus EHP und PPF Investments. Mit Merkwürdigkeiten.

Gestern haben die Spitzen des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall auf der einen Seite, und des tschechischen Energieversorgers EPH sowie von dessen tschechischem Finanzpartner PPF Investments auf der anderen Seite, den Kaufvertrag über alle Braunkohlekraftwerke und -tagebaue der Schweden in Deutschland – kurz: das Lausitzer Revier – unterzeichnet. Damit bestätigt sich eine Meldung des Rundfunks Berlin-Brandenburg und anderer Medien von vor einer Woche, dass das Konsortium EPH/PPF das Rennen gemacht hat.

Vattenfall-Finanzvorstand Ingrid Bonde weigerte sich auch auf Journalistennachfrage, den Verkaufspreis (equity value und transaction value) zu nennen. Dies wäre aufgrund der Komplexität des Braunkohlegeschäfts "irreführend", meinte sie. Der Verkauf schlage sich im zweiten Quartal negativ in der Vattenfall-Bilanz nieder, mit umgerechnet 2,4 bis 2,9 Mrd. Euro. In den von Vattenfall verkauften Aktiva stecken gemäß der Pressemitteilung 1,6 Mrd. Euro Barmittel. Die veräußerten Verbindlichkeiten und Rückstellungen unter anderem für die Rekultivierung der Tagebaue umfassen zwei Mrd. Euro. Vattenfall behält Terminprodukte aus dem Großhandel zur Absicherung des Braunkohlestroms im Wert von einer Mrd. Euro bei sich.

Der Deal umfasst Klauseln, wonach die neuen Eigentümer in den ersten drei Jahren keine Dividende aus dem Revier ziehen oder Rückstellungen und Ähnliches auflösen dürfen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt einer Genehmigung der schwedischen Regierung als Eigentümer von Vattenfall AB sowie weiterer Behörden. Es gibt auch eine Rückkaufklausel im Falle wesentlich steigender Großhandels-Strompreise. Den Abschluss erwartet Vattenfall-Chef Magnus Hall bis Ende August. Mit dem Revier wechseln 7500 Mitarbeiter zu EPH/PPF. EPH hatte 2011 bereits das Mitteldeutsche Braunkohlerevier bei Leipzig übernommen.

Magnus Hall verteidigte den Verkauf als die betriebswirtschaftlich bessere Alternative und auch als ökologisch sinnvoll. Der "klimafreundliche" Anteil von Vattenfalls Stromerzeugung (also inklusive Kernkraft) werde damit von 50 auf mehr als 75 Prozent steigen.

Er bekannte sich zum übrigen Vattenfall-Engagement in Deutschland in den Sparten Windkraft, Energieverteilung, Endkundengeschäft mit drei Millionen Verbrauchern und Großhandelsgeschäft. Vattenfall wolle an der "Energiewende" partizipieren, wobei Magnus Hall das Wort nicht übersetzte. Berlin bleibe deutscher Hauptsitz.

Auf die Frage, wie Vattenfall damit umgehe, dass mindestens einer der Käufer in den Panama Papers aufgetaucht sei, der Enthüllung über Briefkastenfirmen in Panama, antworteten Hall und Ingrid Bonde, die Due Diligence sowie eigene Ermittlungen hätten ergeben, dass dieser Käufer über Briefkastenfirmen lediglich (legal) Immobilien und Yachten halte. Hinter EPH steht der Prager Investor Daniel Kretinsky.

Verkauft werden im Einzelnen die Kraftwerke Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und der 50-Prozent-Anteil am Kraftwerk Lippendorf, das Leipzig mit Fernwärme versorgt, sowie die Tagebaue Jänschwalde, Nochten, Welzow Süd, Reichwalde und Cottbus Nord. Letzterer wurde kürzlich ausgekohlt. (geo)