Die Werbekampagne des hannoverischen Unternehmens Aha war erfolgreich.
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Traumjob Müllfrau – Werbekampagne von Abfallentsorger hat Erfolg

Hannover hat mit einer Kamapgne erreicht, dass auch Frauen in der Stadt Müllwagen fahren. Gesucht sind "Heldinnen in Orange", die nicht "aus Zuckerwatte" sind. Was reizt Frauen an der anstrengenden Arbeit?

Es ist eine der letzten Männerdomänen: Auf dem Trittbrett der Müllwagen in der Region Hannover steht bisher keine einzige Frau. Das soll sich ändern. Mit einer Werbekampagne unter dem Motto "Trittbrettfahrerinnen gesucht" will der kommunale Entsorger Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha) Bewerberinnen finden, die teamfähig und nicht "aus Zuckerwatte" sind. Zu einem Job-Speeddating kamen rund 40 Kandidatinnen. An Stationen konnten sie ausprobieren, wie es sich anfühlt, zehn Kilo schwere Papiersäcke in den Wagen zu werfen oder 240-Liter-Tonnen durch einen Parcours zu manövrieren.

Petra Vitrani strahlt und streckt den Daumen nach oben, als sie zum Abschluss eine Runde hinten auf dem Müllwagen über das Betriebsgelände fahren darf. Die 57-Jährige hat früher Elektronikteile montiert. "Ich arbeite gerne an der frischen Luft", begründet sie ihre Bewerbung. Frische Luft bringt man nicht unbedingt mit Abfall in Verbindung. "Wenn überhaupt, riechen nur die Biotonnen im Sommer, wenn es heiß ist", beteuert der Chef der Abfall- und Wertstoffabfuhr, Maik Renneberg.

Straffer Tagesplan

Zunächst sollen drei Stellen mit Frauen besetzt werden. Renneberg hofft, dass sich damit der Umgangston auf den Touren und das Arbeitsklima unter den etwa 750 Müllwerkern verbessern. "Es gibt sogar Auswertungen dazu, dass auch die Unfallquote langfristig sinkt", sagt er. Frauen seien oft vorsichtiger und gingen weniger Risiken ein.

Müllwerker müssen fit sein und früh aufstehen: Um 6.30 Uhr müssen sie in der Betriebsstätte sein, wo die Touren geplant werden. Zehn bis zwölf Kilometer legen sie an einem Vormittag zu Fuß zurück, 80 bis 100 Kilometer fährt der Müllwagen auf einer Tagestour und sammelt dabei rund 16.000 Kilogramm Abfälle.

Viele verschiedene Berufe sind vertreten

Das Einstiegsgehalt für Müllwerker bei dem Entsorger von Hannover und Umgebung liegt zurzeit bei 2488 Euro brutto im Monat, hinzu kommen Sonderzahlungen und ein finanzieller Ausgleich für Überstunden – eine gute Bezahlung für einen Job, der keinen bestimmten Schulabschluss und keine Ausbildung erfordert. Bei Bedarf können die Frauen nach der Einstellung auch den Lkw-Führerschein machen.

Die Kandidatinnen beim Speeddating sind zwischen 18 und 60 Jahre alt – darunter Paketzustellerinnen und Verkäuferinnen. Viele reizen der sichere Job und die verlässlichen Arbeitszeiten – einige möchten auch als Pionierin eine Männerdomäne erobern. Die Abiturientin Luise-Marie Trantow will nur in den Job hereinschnuppern, sie hat sich bei der Polizei beworben.

Andere Kampagnen waren bereits erfolgreich

Andernorts haben Kampagnen zur Werbung von Frauen für die Müllabfuhr bereits gefruchtet. In Berlin gibt es unter den etwa 1300 Müllwerkern und Kraftfahrern inzwischen 15 Kolleginnen (1,2 Prozent). Bei der Stadtreinigung Hamburg sind 10 der 753 Müllabfuhr-Mitarbeiter weiblich (1,3 Prozent). Bei den Straßenreinigern in Hamburg liegt der Frauenanteil bereits bei 6,9 Prozent. Auch bei Aha in Hannover sind Kolleginnen in der Kfz-Werkstatt, am Steuer von Container-Lastwagen sowie auf den Wertstoffhöfen tätig.

Nach der Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) steigt der Frauenanteil in typischen Männerberufen kontinuierlich. So liegt der Frauenanteil bei den Auszubildenden zum Tischler inzwischen bei 13 Prozent. Ähnlich männerlastig wie bei den Müllwerkern sieht es allerdings im Ausbildungsbereich noch bei den Maurern (1,1 Prozent) oder Straßenbauern (0,8 Prozent) aus. (dpa/bh)