Uniper-Chef appelliert an die Bundesregierung

Großbritannien und Schweden gehen neue Wege zur Absicherung der konventionellen Erzeugung. Deutschland solle sich daran ein Beispiel nehmen.

"Der Markt alleine kann nicht die notwendigen Preissignale für die Bereitstellung flexibel und bedarfsgerecht einsetzbarer Kraftwerke setzen", sagte Uniper-Chef Klaus Schäfer heute morgen bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen (siehe separate Meldung im Newsletter). Diese Erkenntnis habe sich in zwei der wichtigsten Märkte von Uniper bereits durchgesetzt. So habe die schwedische Regierung angekündigt, die Kernenergie-Steuer bis zum ersten Januar 2019 vollständig abzuschaffen und die Besteuerung von Wasserkraftwerken ab 2017 innerhalb von vier Jahren um rund 80 Prozent zu reduzieren. "Mit diesen Entscheidungen der schwedischen Regierung soll sichergestellt werden, dass die für die Versorgungssicherheit notwendigen Kapazitäten erhalten bleiben", so Schäfer.

Großbritannien hingegen werde zusätzliche Auktionen im Rahmen des dort etablierten Kapazitätsmarktes durchführen. Die entsprechenden Lieferungen sollen bereits im Winter 2017 beginnen. Der Uniper-Chef sieht gute Chancen, mit den Anlagen des eigenen Unternehmens auch für diese Periode erfolgreich an den Auktionen teilzunehmen. "Deutschland sollte sich – und ich bin überzeugt – wird sich daran ein Beispiel nehmen und ebenfalls eine Form von intelligenter Systemsicherung einführen", sagte Schäfer. Erst die Absicherung durch konventionelle Erzeugung mache die Energiewende möglich.

Aufmerksam verfolgt man bei Uniper zudem die aktuelle Diskussion in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich um mögliche Laufzeitverkürzungen und die Einführung zusätzlicher Abgaben auf die Stromproduktion aus Kohle (CO2-Mindestpreis oder -Steuern). Eon betreibt beispielsweise in Frankreich mehrere Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 1200 MW. Auf Basis der möglichen Eingriffsszenarien könne es sein, dass die Anlagen nicht bis zum Ende ihrer technischen Laufzeit in Betrieb bleiben könnten, heißt es in der Medienmitteilung von Uniper. (hoe)