Verfahren gegen VAG-Mitarbeiter eingestellt

Dem Mitarbeiter der Nürnberger Verkehrs AG wurde unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Trotz Verfahrenseinstellung gab es einen Tadel.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg hat gestern das Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen einen Mitarbeiter der Nürnberger Verkehrs Aktiengesellschaft (VAG) eingestellt. Gemäß Staatsanwaltschaft soll der Mann im vergangenen November nach Dienstschluss in Dienstkleidung am U-Bahnhof Aufseßplatz auf den Zug gewartet haben. Eine junge Frau soll ihn dann auf einen bewusstlosen jungen Mann hingewiesen und um Hilfe gebeten haben.

Der VAG-Mitarbeiter soll laut Aussage der Frau geantwortet haben, dass er bereits Feierabend habe und deshalb erst sein Handy herausholen müsse. Anschließend soll die Frau weggegangen sein, später hatte sie Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet. Nach der Presseberichterstattung über den Vorfall hatte sich der Mitarbeiter selber bei der Polizei gemeldet, um das Ganze zu klären.

Ermittlungen der Polizei zeigen anderes Bild der Vorgänge

Laut einem Bericht der "Nürnberger Zeitung" ergaben die Ermittlungen der Polizei ein etwas anderes Bild über die Vorgänge an besagtem Abend am U-Bahnhof Aufseßplatz. Demnach soll die junge Frau dem VAG-Mitarbeiter gesagt haben, dass sie bereits einen Krankenwagen gerufen habe.

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bestätigte, sei diese Aussage für die strafrechtliche Bewertung des Falles entscheidend gewesen. Nach der gängigen Rechtsauslegung entfalle die Hilfspflicht immer dann, wenn schon Hilfe von Dritten geleistet wurde. Da die Ermittlungen nicht genügend Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage boten, wurde das Verfahren eingestellt. An ethischen Kategorien gemessen aber sei das Verhalten des Mannes "tadelnswert" gewesen, heißt es ergänzend in der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft.


VAG-Personalvorstand: "Ein extrem zuverlässiger Mitarbeiter"

Bei der VAG zeigte man sich erleichtert über die Einstellung des Verfahrens. "Wir freuen uns vor allem im Interesse unseres Mitarbeiters über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft", schreibt VAG-Personalvorstand Karl-Heinz Pöverlein in einer Medienmitteilung. Man sei froh, dass sich der Angestellte direkt nach Bekannt- werden des Vorfalls durch die Presse selbst bei der Polizei gemeldet habe, um den Vorfall zu klären. "Dies entspricht auch seinem generellen Verhalten – er ist ein extrem zuverlässiger Mitarbeiter", so Pöverlein. (hoe)