Tim Hartmann, Vorstandsvorsitzender Envia M (erster von links) und Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende Stadtwerke Hannover (dritte von links), diskutierten bei der Handelsblatt-Tagung über den Kulturwandel in der Energiebranche. Bild: Hans-Christoph Neidlein

Versorger haben Nachholbedarf bei Digitalisierung

Die deutschen Energieversorger sind bei der Digitalisierung schwach aufgestellt. Besonders am Anfang und Ende der Wertschöpfungskette.

Die deutschen Energieversorger nutzen die Potenziale der Digitalisierung bisher nur sehr begrenzt. Dies zeigt ein aktuell erhobener Digitalisierungsindex, den die Unternehmensberatung Oliver Wyman gestern auf einem Workshop der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin vorstellte. Auf einer Skala von null (nicht vorhanden) bis 100 (sehr gut) stehen die deutschen Energieversorger bei nur 31 Punkten. Befragt wurden laut Dr. Thomas Fritz, Partner bei Oliver Wyman, im Dezember 2016 acht größere Energieversorger, darunter auch Stadtwerke.

Vertrieb am schlechtesten aufgestellt


Am besten schneidet im Vergleich der Bereich Netze mit 41 Digitalisierungspunkten ab, gefolgt vom Handel mit 39 Punkten. Besonders großer Nachholbedarf herrscht jedoch am Anfang und am Ende der Wertschöpfungskette. So kommt der Bereich Vertrieb auf nur 23 Digitalisierungspunkte, die Erzeugung lediglich auf 30. "Wenn diese wichtigen Bereiche der Wertschöpfungskette nicht richtig aufgegleist sind, kann auch das Potenzial aus Digitalisierung nur bedingt gehoben werden", unterstrich Jörg Stäglich, Partner bei Oliver Wyman.

Herausforderung Mitarbeiter mitzunehmen


Eine zentrale Herausforderung ist es, die Mitarbeiter mitzunehmen und eine Innovationskultur im Unternehmen aufzubauen, machte der Workshop deutlich. "Es ist wichtig, dass man sich ausreichend Zeit nimmt, um das Thema im Unternehmen zu verankern", unterstrich Tim Hartmann, Vorstandsvorsitzender von Envia Mitteldeutsche Energie AG (Envia M).

"Wir setzen auf einen Transformationsprozess", unterstrich auch Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Hannover. Hierbei wolle man möglichst viel Mitarbeiter mitnehmen, auch um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Doch sei dies ein "schwieriger Balanceakt", um trotzdem am Markt erfolgreich zu sein und nicht links von neuen Spielern überholt zu werden, räumte Zapreva ein. (hcn)