Durch den Einbau von Zusatzgeräten im Zählerschrank konnten Wärmestrom-Kunden am Modellversuch der EnBW teilnehmen. Bild: EnBW

Wärmestrom: Chance auch für Stadtwerke

Der Modellversuch „Flexibler Wärmestrom“ der EnBW hat sich bewährt und wird verlängert.

„Die Ergebnisse bestätigen den Nutzen für die Energiewende“. Dieses Zwischenfazit zieht Wolfgang Stark, Sprecher der EnBW aus dem Modellversuch „Flexibler Wärmestrom“. Auch für Stadtwerke böten sich hier interessante neue Geschäftsmodelle. Etwa als Aggregatoren, die flexible Lasten für virtuelle Kraftwerke in verschiedenen Netzgebieten sammeln, unterstrich Stark. In dem Modellversuch hat die EnBW in den vergangenen zwei Jahren untersucht, inwieweit man überschüssigen Ökostrom sinnvoll nutzen kann oder während einer Flaute Verbrauch verschieben kann. Im Fokus standen dabei Wärmepumpen und Speicherheizungen. Rund 150 Testkunden in Boxberg (Main-Tauber-Kreis), Königsbach (Enzkreis), Pfinztal (Kreis Karlsruhe) und Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) beteiligten sich. Bei ihnen wurden zusätzliche Steuergeräte in den Zählerschrank eingebaut, die es ermöglichten, die Anlage bei Bedarf anzusteuern und zu regeln. Zugleich wurden im örtlichen Stromnetz neue Techniken wie intelligente Ortsnetzstationen eingesetzt. In diesem Rahmen sollten Wärmestrom-Anlagen dann geladen werden, wenn viel Strom zur Verfügung stand. Oder wenn zu viel erneuerbarer Strom in die Netze drängt, um so die zwangsweise Abschaltung von Windkraft- oder Photovoltaikanlagen zu vermeiden.

„Daraus kann man interessante Tarifmodelle bauen“, unterstrich EnBW-Projektleiter Jan Gratenau. Die Akzeptanz bei den Kunden sei offenbar kein Problem. „Die Stabilität der Netze war während der Optimierungsmaßnahmen jederzeit gewährleistet“, betonte Willie Schweinfort, Projektleiter von Netze BW. „Das zeigt, dass wir hier tatsächlich eine Möglichkeit schaffen können, um Stromverbrauch in Zeiten mit hoher Solar- und Windeinspeisung zu verschieben. Es wäre also denkbar, die neu gewonnenen Freiheitsgrade in neutraler Form allen Akteuren auf dem Markt zur Verfügung zu stellen“, so Schweinfort.

Nun geht der Modellversuch in die Verlängerung. In weiteren 12 Monaten sollen zusammen mit den Testkunden weitere Erfahrungen gesammelt werden, so Stark. Dazu gehöre auch die Frage, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern müssen. Beispielsweise die großflächige Einführung von intelligenten Stromzählern mit entsprechenden Bilanzierungsverfahren oder eine neue neuartige Systematik bei den Netzentgelten, um flexibles, netzdienliches Verbraucherverhalten belohnen zu können. (hcn)