Steuern die Wemag-Gruppe: die Vorstände Caspar Baumgart (li.) und Thomas Pätzold Bild: Stephan Rudolph-Kramer

Wemag setzt auf neue Geschäftsmodelle

Erneuerbare, Direktvermarktung und Speicher am Primärregelenergiemarkt sollen geringere Erlöse der traditionellen Sektoren ausgleichen.

Die Wemag-Gruppe hat das Geschäftsjahr 2014 mit einem Ergebnis vor Steuern von 20,4 Mio. € bzw. einem Ergebnis nach Steuern von 15 Mio. € abgeschlossen. Das angestrebte Jahresergebnis wurde damit nur leicht unterschritten (-0,2 Mio. €). Der Umsatz der Wemag-Gruppe lag bei 527 Mio. €. Die Anteilseigner erhielten im Jubiläumsjahr 2015 – die Wemag gibt es seit 25 Jahren – 0,94 € je Aktie.

Eine der größten Herausforderungen für die Wemag-Gruppe bestehe darin, die steigende Zahl an Erneuerbar-Energie-Anlagen an ihr Stromnetz anzuschließen, so der Wemag-Vorstand. Im vergangenen Jahr hat die Wemag Netz GmbH 28,1 Mio. € ins bestehende Netz investiert. Das Investitionsvolumen blieb damit auf dem sehr hohe Niveau der Vorjahre. Die installierte Leistung der EEG-Anlagen im Wemag-Netz betrug Ende vergangenen Jahres 1111 MW, wobei die höchste Last auf der Abgabeseite bei 455 MW lag. Die sog. EEG-Quote, der Anteil der Energie aus erneuerbaren Energieträgern am Energiemix, betrug unter Berücksichtigung der Strommengen, die an Stadtwerksgebiete geliefert wurde, 114 %, ohne Berücksichtigung der Stadtwerke bei 145 %. Der Stromverbrauch hat sich insbesondere im Haushalts- und Gewerbebereich deutlich verringert.

Auf der Vertriebsseite hat die Wemag trotz schwieriger Situation Positives zu vermelden, da sich das Unternehmen auf einzelne Kundensegmente fokussiert. "2014 trug der Vertrieb mit einem deutlich verbesserten wirtschaftlichen Ergebnis zur Gesamtleistung der Wemag-Gruppe bei", berichtet Caspar Baumgart, Kaufmännischer Vorstand. Im Geschäftsjahr 2014 versorgte der Wemag-Vertrieb 141 400 Verbrauchsstellen mit Strom sowie 26 300 Verbrauchsstellen mit Gas. Neue Kunden konnten vor allem durch den bundesweiten Direktvertrieb gewonnen werden. Auch Vertragsabschlüsse über die Internetseite wemio.de, das Service-Telefon, Preisvergleichsportale oder das Kunden-werben-Kunden-Programm sorgten dafür, dass viele Neukunden der Wemag mit ihren Öko-Produkten der Marke wemio das Vertrauen schenkten. Dennoch: Der Stromabsatz bröckelt: Im Jahr 2014 vertrieb die Wemag 1591 Mio. kWh, während es zwei Jahre vorher noch 2181 Mio. kWh waren.

"Sehr erfolgreich" wurde der Aufbau der Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen als neues Geschäftsfeld fortgesetzt. Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 240 MW, überwiegend Biogasanlagen, befinden sich in der Direktvermarktung.

Zum Jahresende 2014 hat das Unternehmen seine ersten beiden eigenen Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 6,1 MW installiert. Bis Ende 2015 werden weitere vier Anlagen hinzukommen. Damit wurde der Bereich der Stromerzeugung deutlich ausgebaut. Der Wemag-Vorstand hat angekündigt, das Engagement im Bereich Windenergie weiter deutlich zu erhöhen.

Zudem baut der Versorger auf neue Geschäftsmodelle: Im Jahr 2014 wurde der größte kommerzielle Batteriespeicher in Europa, ein 5-MW-Lithium-Ionen-Speicher, in Betrieb genommen. Seit September 2014 erwirtschaftet der Batteriespeicher durch die Beteiligung am Primärregelenergiemarkt Erlöse, die deutlich über den Erwartungen der Unternehmensführung liegen. (ad/al)