"Wir haben uns gut behauptet"

EWE legt solide Bilanz in einer schwierigen Marktphase vor. Riffgat produziert gut.

Der Energiekonzern EWE hat im Geschäftsjahr 2015 Einbußen beim Umsatz hinnehmen und Wertabschreibungen vornehmen müssen. Die Umsatzerlöse gingen vor allem infolge sinkender Stromabsatzmengen und fallender Strombörsenpreise um etwa vier Prozent auf 7,82 Mrd. Euro (8,13 Mrd. Euro) zurück. Das Operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) liegt bei 428,1 Mio. Euro (Vorjahr: 427,5 Mio. Euro) und damit innerhalb der Prognoseerwartung. Auf das Konzernperiodenergebnis in Höhe von -9,4 Mio. Euro (146,3 Mio. Euro) drückten hauptsächlich Wertminderungen im Bereich der konventionellen Erzeugung und Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen. Dies stellt ein Minus von 106 Prozent dar. 

„Wir haben uns in einer Phase massiver Umbrüche in der Energiewirtschaft unter großen Anstrengungen gut behauptet und ein stabiles operatives Ergebnis erwirtschaftet“, erläutert Matthias Brückmann, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, „und das, obwohl wir im zurückliegenden Geschäftsjahr ein negatives Beteiligungsergebnis von VNG verkraften mussten.“ Zur Stabilisierung hätten unter anderem konsequente Effizienzmaßnahmen, das erste fast vollständige Betriebsjahr des Offshore-Windparks Riffgat sowie ein im Vergleich zum Vorjahr leicht positiver Witterungseffekt mit höheren Netzdurchleitungsmengen und verbessertem Erdgasabsatz beigetragen.

Dennoch führten Sondereffekte dazu, dass EWE das Geschäftsjahr 2015 mit einem Minus abschloss. Unter anderem musste EWE Wertminderungen auf den konventionellen SWB-Kraftwerkspark, auf Fernwärmekonzessionen und wegen des schwachen Branchenumfelds auch auf Geschäfts- oder Firmenwerte hinnehmen. Zudem wurden Rückstellungen für die laufende Restrukturierung des Konzerns gebildet, die auch eine Stellenreduzierung beinhaltet. Hinzu kamen höhere Ertragsteuern im Vergleich zum Vorjahr.
 
Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im Konzern sank im Vergleich zum Vorjahr um 299 auf 8855 Mitarbeiter (9154). Der wesentliche Grund für diesen Rückgang liegt in der Veräußerung von Beteiligungen im IT-Bereich zum Ende des Geschäftsjahres 2014.

Das Segment Erneuerbare, Netze und Gasspeicher erreichte einen Umsatz von 1951,8 Mio. Euro (1823,2 Mio. Euro). Das Operative EBIT des Segments stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 314,4 Mio. Euro (312,1 Mio. Euro). Das Segment leistet somit den größten Beitrag zum Operativen Ergebnis des Konzerns.

Das Segment Vertrieb, Dienstleistungen und Handel hat unter dem mengenbedingten Rückgang der Stromumsatzerlöse im Vertrieb und geringerer Stromhandelserlöse zu leiden. Der Umsatz sank um fast 273 Mio. Euro auf 4053,4 Mio. Euro (4326,3 Mio. Euro). Das Operative EBIT verbesserte sich im Vergleich zum stark belasteten Vorjahresergebnis (18,7 Mio. Euro) auf 80,4 Mio. Euro. Der Anstieg geht auf verschiedene Einzeleffekte zurück. So konnte nicht nur das Ergebnis im Strom- und Telekommunikationsvertrieb, sondern durch die geringere stichtagsbedingte Abwertung von Gasspeichervorräten auch das im Energiehandel verbessert werden.

Das Auslandsgeschäft von EWE in der Türkei und in Polen hat im Geschäftsjahr 2015 einen konzernexternen Umsatz in Höhe von 759,4 Mio. Euro (773,0 Mio. Euro) generiert. Das Operative EBIT des Segments konnte hingegen deutlich um rund 38 Prozent auf 25,3 Mio. Euro gesteigert werden (18,4 Mio. Euro). 

Die SWB-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2015 vor allem infolge geringerer Stromvermarktungserlöse aus konventionellen Kraftwerken einen Umsatzrückgang um über 156 Mio. Euro auf 1052,1 Mio. Euro (1208,3 Mio. Euro) hinnehmen müssen. Das Operative EBIT konnte hingegen durch Großkundenverträge im Erzeugungsgeschäft und Ergebnisverbesserungen im Erdgas- und Trinkwasservertrieb gegenüber einem vergleichsweise niedrigen Vorjahresergebnis auf 90,3 Mio. Euro verbessert werden (40,2 Mio. Euro). Die SWB-Gruppe investierte mit 90,2 Mio. Euro rund 6 Mio. Euro mehr als im Vorjahr (83,8 Mio. Euro). 

EWE erwartet für das Geschäftsjahr 2016 insbesondere im Bereich der konventionellen Erzeugung weiterhin eine schwierige Marktsituation und darüber hinaus einen unverändert dynamischen Wettbewerb beim Vertrieb von Energie und Telekommunikation. Allerdings zeige sich, dass neue Geschäftsaktivitäten bereits erste solide Ergebnisbeiträge liefern. Sofern negative Witterungseffekte und andere nicht vorhersehbare Entwicklungen ausbleiben, rechnet EWE für das laufende Geschäftsjahr mit einem operativen Ergebnis mindestens auf dem Niveau von 2015. (al)