Zeag leidet an Kernkraft und hat größten Windpark

Der Heilbronner Energieversorger Zeag hat 2015 mit wesentlich höheren Kosten sechs Prozent mehr Strom verkauft.

Wertberichtigungen, Kernbrennstoffsteuer und zusätzliche Rückstellungen für die 2,78 Prozent am Kernkraftwerk Neckarwestheim haben 2015 den Vorsteuerkonzerngewinn der Heilbronner Zeag Energie von zwölf auf neun Mio. Euro reduziert. Auch andere Finanzkennzahlen verschlechterten sich. Die Bauarbeiten bis zur Inbetriebnahme des größten Windparks Baden-Württembergs, "Harthäuser Wald" nordöstlich der nordwürttembergischen Großstadt mit 42 MW, ließen zwar die Investitionen vergangenes Jahr um das Dreieinhalbfache auf 95 Mio. Euro schnellen, der Anlagenpark wirft aber erst in diesem Jahr nennenswert Ertrag ab.

Das Ergebnis pro Aktie schrumpfte von 2,27 auf 1,89 Euro. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 13. Mai vor, diesmal nur noch einen Euro auszuschütten. Vom 2014er-Ergebnis hatten sich die Aktionäre mit 2,90 Euro im 125. Jahr des Bestehens einen Schluck aus der Pulle weit über dem Jahresergebnis und damit von der Substanz des Unternehmens genehmigt. Die Aktien der Zeag Energie AG gehören zu 98,5 Prozent zwei EnBW-Gesellschaften und zu 1,5 Prozent privaten Kleinaktionären. Im Januar wurde das Wertpapier von der Börse genommen, um den aufsichtsrechtlichen Aufwand zu reduzieren.

Im Stromvertrieb führte die Zeag ihre absatz- und marktanteilsorientierte Strategie, an der auch Alleinvorstand Eckard Veil gemessen wird, mit höheren Kosten weiter: Sie verkaufte mit 1,1 TWh 6,4 Prozent mehr Elektrizität, verdiente damit aber nur 0,6 Prozent mehr, nämlich 180 Mio. Euro. Zwar kostete die größere Strommenge mit 121 Mio. Euro genauso viel wie 2014, doch die Vertriebsoffensive ist teuer erkauft: sieben Mio. Euro mehr Netzentgelte, ein um 0,9 auf 15,6 Mio. Euro aufgestockter Personalaufwand und um 0,7 auf 9,5 Mio. Euro erhöhte "sonstige Aufwendungen", die "insbesondere in den ausgeweiteten vertrieblichen Aktivitäten zur Absatzsteigerung begründet" seien, so der Geschäftsbericht.

2015 wurden per Saldo sieben Mio. Euro aus den Gewinnrücklagen entnommen und vor allem durch Wertpapierverkäufe ein auf 4,5 Mio. Euro mehr als verdoppeltes Finanzergebnis erreicht.

Für dieses Jahr rechnet die Zeag damit, dass sie den Verlust industrieller Großkunden und ein sich auf nahe Null reduzierendes Finanzergebnis nicht komplett ausgleicht. Windkraft bleibt der neue Investitionsschwerpunkt: Zeag Energie will 60 Mio. Euro in neun weitere Anlagen in Baden-Württemberg stecken, bei Gesamtinvestitionen von 78 Mio. Euro. Erstmals soll sich der Windpark Hartheimer Wald positiv im Ergebnis niederschlagen, und von Neckarwestheim werden keine weiteren Sonderabschreibungen erwartet. (geo)