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16 Juni 2017 | 10:40

Gülle-Tourismus aus den Niederlanden eindämmen

Der BDEW startet zusammen mit neun Organisationen eine Petition gegen die Überdüngung der Böden und die Verschmutzung des Grundwassers.

Eine Koalition aus Wasserverbänden, Umweltorganisationen und einer Gewerkschaft hat am Mittwoch den Startschuss gegeben für eine Petition zur Verschärfung des deutschen Düngerechts. Das gemeinsame Ziel: Die Nitrat-Verschmutzung der Böden und Gewässer stoppen und eine gewässer- und umweltverträgliche Landwirtschaft einfordern. Federführend bei der Initiative "Stoppt die Gülle-Verschmutzung – Schützt unser Wasser!" ist der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

"Die massive Überdüngung der deutschen Felder durch die großindustrielle Agrarwirtschaft gefährdet zunehmend das Grundwasser", so der BDEW in einer Pressemitteilung. In einigen Regionen werden inzwischen alarmierende Nitratwerte gemessen. Das schade der Umwelt und koste die Verbraucherinnen und Verbraucher dreifach: Für die Wasserversorger wird es in vielen Regionen Deutschlands immer aufwendiger und kostenintensiver, die gesetzlichen Vorgaben der Trinkwasserverordnung einzuhalten. In einigen Regionen drohe ein Anstieg des Trinkwasserpreises um über 60 Prozent. Die Klage der Europäischen Kommission gegen Deutschland wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie könnte zudem zu hohen Strafzahlungen für Deutschland führen, die letztlich von den Steuerzahlern finanziert würden. Hinzu kämen die bestehenden Subventionen für die größtenteils industriell geprägte Landwirtschaft, so der BDEW.

Zwei Mio. Tonnen Gülle aus den Niederlanden

Das bisherige System der industriellen Landwirtschaft hat solche Blüten wie den Gülle-Tourismus hervorgebracht: Nach Angaben der Universität Wageningen wurden allein 2016 zwei Mio. Tonnen Wirtschaftsdünger aus den Niederlanden auf deutschen Äckern entsorgt. Das entspreche 66 600 LKW-Ladungen.

Die Verbände und Organisationen fordern: Es müsse zu einem sofortigen Dünge-Stopp in belasteten Gebieten kommen, wenn der Grenzwert (Schwellenwert/Umweltqualitätsziel) von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser überschritten werde. Zudem verlangen die Initiatoren eine verpflichtende Stoffstrombilanz ab 2018 für alle Agrarbetriebe. Der Gülle-Tourismus müsse eingedämmt werden: Gülle-Transporte sollten bundesweit überwacht werden und sollten nicht in nitratbelastete Gebiete gebracht werden. Die Initiatoren fordern zudem eine Agrarwende: Die Milliarden-Subventionen für die großindustrielle Agrarwirtschaft müssten sofort zugunsten einer gewässer- und umweltverträglichen Bewirtschaftung der Flächen umgeschichtet werden.

Organisationen aus vielen Bereichen

Der Initiative haben sich angeschlossen: Aktion Agrar, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Deutsche Umwelthilfe, Deutscher Naturschutzring, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, Germanwatch, Greenpeace, Grüne Liga und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft "ver.di". (al)

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Zahl des monats

165 000

Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.