Viele Deutsche können oder wollen dieses Jahr nicht in Urlaub fahren. Können sie wenigstens in die Freibäder?
Bild: © Angelika Klauser

Freibäder – diese Saison wird anders

Die Stadtwerke haben die Freibäder ausgewintert und machen sich Gedanken über neue Nutzungskonzepte. Die Entscheidung über die Öffnung liegt aber bei der Politik. Ein Stimmungsbild bei den Betreibern.

Lange Warteschlangen vor dem Freibad und Handtuch neben Handtuch an den Stränden der Badeseen. Dazu: Dichtes Tummeln im Wasser und Drängen am Sprungturm. Solche Bilder gehören eigentlich zu jedem Sommer dazu. Doch was wird in diesem Jahr, zu Zeiten von Corona, aus der Badesaison?

In der Regel sind die Freibäder in Hessen im Mai startklar, so auch in Wiesbaden. «Natürlich würden wir gerne planmäßig die Freibadsaison eröffnen. Aber in dieser außergewöhnlichen Situation geht es nicht darum, was wünschenswert ist», heißt es beim Betreiber der städtischen Bäder. Die Gesundheit der Bevölkerung genieße völlig zu Recht höchste Priorität.

Öffnung unter veränderten Bedigungen

Auch in Kassel ist eine Öffnung der Schwimmbäder zunächst nicht geplant. «Das ist davon abhängig, was von der Politik entschieden wird», sagt ein Sprecher der Städtischen Werke. Selbst wenn es grünes Licht gebe, brauche man mindestens drei Wochen Vorlauf, um den Badebetrieb aufzunehmen. Auch am Diemelsee und Edersee war noch unklar, ob beispielsweise Strandbäder im Mai geöffnet werden.

«Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr noch unsere Freibäder öffnen können», sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, Boris Zielinski. «Wenn auch verspätet und unter anderen Bedingungen, als man sie normal kennt.» Derzeit gebe es verschiedene Ideen: eine Begrenzung der Besucherzahl, Öffnungszeiten nur für Senioren, um diese Risikogruppe zu schützen. Oder eine andere Gestaltung des Eingangsbereichs, um Warteschlangen zu umgehen.

Bäder sind "Daseinsvorsorge"

Die Bäderbetriebe beschäftigen rund 260 Mitarbeiter, von denen nun die meisten in Kurzarbeit gehen. Es sei wichtig und wünschenswert, dass die Schwimmbäder öffnen können, sagte Zielinski. «Die Bäder gehören zur Daseinsvorsorge.» Und gerade in diesem Sommer, wo viele Menschen nicht in den Urlaub fahren können, sei es ein wichtiges Angebot.

„Wir unterstützen die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung und bitten unsere Bade- und Saunagäste um Verständnis dafür, dass die Bäder weiterhin geschlossen bleiben müssen“, sagt Christine Kugler, Bäder-Chefin der Stadtwerke München (SWM). „Allerdings haben wir die Zeit genutzt: Die Auswinterung der Sommerbäder ist so gut wie abgeschlossen.“ Über den Zeitpunkt der Öffnung entscheide aber die Landespolitik.

Badewasser ist Corona-clean

Da ein konkreter Termin bislang nicht abzusehen ist, haben auch die SWM einen Teil der 200 Bäder-Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt. Das sei der einzige Bereich, in dem derzeit bei der SWM diese Maßnahme angewandt wird, stellt SWM-Geschäftsführer Personal Werner Albrecht fest.

Vielen Schwimmbadbetreibern fehlt eine gewisse Planungssicherheit. «Das Hochfahren der technischen Anlagen und die Beprobung zur Sicherstellung der Hygiene von Badewasser und Trinkwasser benötigt bei Freibädern bis zu zwei Wochen», sagte kürzlich der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), Christian Ochsenbauer. Durch das Badewasser selbst könnten nach derzeitigem Wissensstand keine Coronaviren übertragen werden, hieß es von der DGfdB. Das Chlor inaktiviere Bakterien und Viren verlässlich. (dpa/hp)