Die Geschäftsführer von Hamburg Wasser, Ingo Hannemann und Nathalie Leroy, rufen zum besseren Schutz des Trinkwassers auf. Bild: © Hamburg Wasser

Hamburg Wasser fordert schärferen Trinkwasserschutz

Noch sei Hamburgs Trinkwasser in Top-Zustand, sagt der Versorger. Aber er ist durch steigende Schadstoffeinträge alarmiert. Um die Bürger auch in Zukunft möglichst mit unbelastetem Trinkwasser versorgen zu können, fordert Hamburg Wasser zum Umdenken auf.

Der Versorger Hamburg Wasser hat ein Verbot von Mikroplastikpartikeln etwa in Duschgels und von speziellen Süßstoffen verlangt. Solche Spurenstoffe landeten in den Kläranlagen, könnten dort nicht vollständig herausgefiltert werden, und belasteten letztlich den weiteren Wasserkreislauf bis hin zum Trinkwasser, sagte die Chefin von Hamburg Wasser, Nathalie Leroy, am Montag in der Hansestadt. Gleichzeitig gab sie für Hamburg Entwarnung: «Das Trinkwasser hier ist nach wie vor von einwandfreier Qualität.»

Verursacher von Schadstoffen im Grundwasser wie Landwirtschaft und Industrie müssten stärker in die Pflicht genommen und Verbraucher besser aufgeklärt werden. «Wasserwerke und Kläranlagen sind kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliches und wirtschaftliches Fehlverhalten», machte Leroy deutlich.

Medikamente gehören in die Mülltonne

Der Süßstoff Acesulfam-K in Getränken könne durch andere abbaubare Mittel wie Stevia ersetzt werden. Außerdem sei es ein Leichtes, Medikamente in der Mülltonne zu entsorgen und nicht über die Toilette, wodurch Rückstände in den Wasserkreislauf gelangten. Als ein Vorbild nannte die Managerin Schweden, wo vom 1. Juli an der Verkauf von Kosmetika mit Mikroplastik verboten sei. 

Um beim Hamburger Verbraucher mehr Bewusstsein für die Inhaltsstoffe im Trinkwasser zu schaffen, hat der Versorger seinen Internetauftritt um Messdaten zur Trinkwasserqualität angereichert. Die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung würden in Hamburg deutlich unterschritten, erläuterte Leroy. Aber Schadstoffkonzentrationen dürften aus ihrer Sicht weiter zunehmen, zumal sich in jüngster Vergangenheit eine leicht steigende Tendenz abgezeichnet habe. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine Laboranalyse intensiviert und die Zahl der untersuchten Parameter von einst 600 000 auf 850 000 hochgefahren. 

Viel Regen – viel Abwasser

Hamburg Wasser versorgte 2017 rund 2,13 Mio. Menschen mit etwa 114 Mio. Kubikmetern Trinkwasser. Das regnerische Jahr 2017 ließ die zu reinigende Abwassermenge um acht Prozent auf 170 Mio. Kubikmeter steigen. Der Jahresgewinn von rund 29 Millionen Euro wird an die Stadt abgeführt.

Das Schwesterunternehmen Hamburg Energie versorgte 132 000 Privat- und Gewerbekunden und steigerte den Jahresüberschuss um 30 Prozent auf 1,3 Mio. Euro, was reinvestiert wird. Die Quote seiner eigenen Energieerzeugung lag Ende Mai 2018 bei 67 Prozent (2017: 45 Prozent). Das Unternehmen liefert Strom aus regenerativer Energie. 

Geringerer Überschuss

Der Gesamtkonzern erzielte 2017 einen Überschuss von 81 (Vorjahr: 105) Mio. Euro sowie 791 Mio. Euro Umsatz (2016: 806 Mio). Er beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter. Der Schuldenstand von 1,6 Mrd. Euro 2011 sei auf 1,3 Mrd. Euro zurückgeführt worden, berichtete das Management. (dpa/al)