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Frankreich nimmt im Sommer neues Atomkraftwerk in Betrieb

Die Inbetriebnahme erfolgt zwölf Jahre später als ursprünglich geplant. Außerdem liefen die Kosten aus dem Ruder. Auch in der Schweiz ist Atomkraft gerade ein Thema.
28.03.2024

Anders als Deutschland setzt Frankreich für seine Energieversorgung und das Erreichen von Klimaschutzzielen weiter auf den Ausbau der Atomkraft.

Nach über 20 Jahren nimmt Frankreich in diesem Sommer erstmals wieder ein neues Atomkraftwerk in Betrieb. Wie der staatliche Energiekonzern EDF am Mittwochabend mitteilte, habe die Atomaufsicht die letzten vorbereitenden Schritte für den Start des neuen Atomreaktors in Flamanville am Ärmelkanal genehmigt. Eine erste Beladung des Kraftwerks mit Kernbrennstoff könne nun in den nächsten Wochen ins Auge gefasst werden. Der Anschluss des Druckwasserreaktors (EPR) an das nationale Stromnetz sei für den Sommer geplant.

Der Bau des umstrittenen Reaktors wurde 2007 begonnen, statt der ursprünglich veranschlagten 3,3 Milliarden Euro Kosten wird inzwischen mit mehr als zwölf Milliarden Euro kalkuliert. Die Inbetriebnahme erfolgt nun zwölf Jahre später als ursprünglich einmal geplant. Zuletzt hatten undichte Schweißnähte in der Stahlhülle zu Verzögerungen geführt.

Frankreich setzt auf Atomkraft

Anders als Deutschland setzt Frankreich für seine Energieversorgung und das Erreichen von Klimaschutzzielen weiter auf den Ausbau der Atomkraft. Zwar wurde Frankreichs ältestes AKW in Fessenheim im Elsass 2020 abgeschaltet. Grundsätzlich aber wird der Bau von 14 oder möglicherweise noch mehr neuer Kraftwerke in Erwägung gezogen. Außerdem soll die Laufzeit bestehender Kraftwerke von 40 auf 50 Jahre erhöht werden, wenn die Sicherheit dies zulässt. Bei 32 der 56 französischen AKW ist das geplant. Frankreich liegt hinter den USA immer noch auf Platz zwei der größten Produzenten von Atomstrom weltweit.

Parallel möchte Frankreich außerdem erneuerbare Energien ausbauen. Insbesondere geht es um Windkraftanlagen auf See.

Atomkraft auch für die Schweiz ein Thema

In der Schweiz wird derweil geprüft, ob zwei Atomreaktoren nahe der deutschen Grenze über das Jahr 2030 hinaus betrieben werden können. Es geht um Beznau I und II, die seit 1969 und 1971 am Netz sind und zu den ältesten noch betriebenen Atomkraftwerken der Welt gehören. Sie liegen an der Aare bei Döttingen, rund zehn Kilometer südwestlich der deutschen Gemeinde Waldshut-Tiengen in Baden-Württemberg.

«Um die Versorgungssicherheit weiter zu stärken hat Axpo beschlossen, die technische Machbarkeit eines Betriebs des Kernkraftwerks Beznau über 60 Jahre hinaus abzuklären», teilte der Stromkonzern Axpo am Donnerstag mit. 

Keine neuen Kraftwerke

Die Schweiz hatte nach dem Reaktorunfall von Fukushima in Japan 2011 zwar beschlossen, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen. Der Bau neuer Kernkraftwerke ist verboten, aber die bestehenden Kernkraftwerke dürfen in Betrieb bleiben, solange sie sicher sind. 

Nach Angaben von Axpo erfüllt das Kernkraftwerk Beznau höchste Sicherheitsanforderungen. Seit der Inbetriebnahme seien mehr als 2,5 Milliarden Franken (heute 2,6 Mrd Euro) in die Nachrüstung und Modernisierung der Anlagen investiert worden. Die laufende Machbarkeitsprüfung dauere etwa ein Jahr. (dpa/amo)