Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die das eichrechtlich konforme Messen der modernen Zähler und die sicheren Abwicklung der Abrechnung im Smart-Meter-Gateway verantwortet, erklärte beim Vertriebs- und Netzforum von Smartoptimo in Münster, dass es auch kurz vor Jahresende beim Metering nicht langweilig werde.
So hätten zwei Gateway-Hersteller bekanntlich die Zertifizierung für Modul B + Modul D bei der eichrechtlichen Zulassung sowie die Common-Criteria-Zertifizierung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erreicht, nämlich PPC und Sagemcom Dr. Neuhaus, aber ein weiterer Hersteller habe inzwischen ebenfalls die Zulassung für beide Module erreicht, so dass nur noch die CC-Zertifizierung ausstehe.
Zertifizierung des dritten Gateways steht kurz bevor
Ein anderer Hersteller habe Modul B zugelassen bekommen, ein weiterer durchläuft das eichrechtliche Verfahren dazu und außerdem stehe einer kurz vor dem Abschluss des Zertifizierungsverfahrens von Modul D.
Bei Modul B handelt es sich um die Baumusterprüfbescheinigung, die feststellt, dass das Baumuster konform ist. Modul D stellt sicher, dass bei der Serienproduktion nur richtlinienkonforme Messgeräte zur Auslieferung kommen.
Bei Sagemcom Dr. Neuhaus herrschte bei der Veranstaltung von Smartoptimo große Zuversicht, dass ihr Gateway in den nächsten zwei Wochen zugelassen wird. Bei Theben hingegen hat man sich inzwischen darauf eingestellt, dass die Gesamt-Zertifizierung wohl erst im Januar oder Februar kommen wird. Dort gab man sich allerdings gelassen: Ob die Zertifizierung jetzt ein paar Wochen früher oder später komme, sei nicht mehr wirklich wichtig, Hauptsache sie erfolge demnächst, war zu hören.
Submetering als Chance für Stadtwerke
Mit den Geräten lässt sich künftig auch das moderne Submetering verwirklichen, ein lukratives Geschäft für Stadtwerke, hieß es in dem Vortrag von Christian Biermann von Haus und Grund Osnabrück sowie Holger Mengedodt von den Stadtwerken Bielefeld.
Denn vom 1. Januar 2021 an kann der Anschlussnehmer, also die Wohnungswirtschaft, den Messstellenbetreiber für alle Strom-Zählpunkte seiner Liegenschaft auswählen und nicht mehr wie bisher der Mieter für seine Wohnung selbst.
Wohnungswirtschaft mit aktueller Lage unzufrieden
Bislang ist der Heizkosten-Ablesemarkt unter fünf großen Messdienstleistern (Techem, Ista, Brunata, Minol, Kalorimeta) aufgeteilt. Sie halten bislang 84 Prozent des Markts.
In der Wohnungswirtschaft sei die Unzufriedenheit bei der Heizkostenabrechnung daher groß: Es gebe mehrere Ansprechpartner an unterschiedlichen Orten bundesweit, die Preise für Messgeräte und Abrechnung seien zu teuer, die Ablesung der Messgeräte erfolge nicht termingerecht, die Heizkostenabrechnung werde nicht pünktlich und oftmals fehlerhaft gefertigt. Zudem sei der Zugang zu den eigenen Daten der Wohnungen oft nicht gegeben, bzw. erfolge nur auf Anfrage.
Um ein wenig mehr Wettbewerb in den Markt zu bringen, hat der Gesetzgeber daher den Markt ab dem 1. Januar 2021 geöffnet. Für Stadtwerke eine echte Chance, hier mitzumischen.
Voraussetzungen
Allerdings müssen sie neben der Sparte Strom mindestens einen zusätzlichen Messstellenbetrieb in den Sparten Gas, Fernwärme oder Heizwärme über das Gateway anbieten. Zudem dürfen für keinen Anschlussnutzer Mehrkosten in der Summe entstehen.
Für Stadtwerke bieten sich hier mehrere Chancen: etwa langfristige Kundenbindungen, da die Submetering-Verträge oft über zehn Jahre gehen, und ein neues Geschäftsfeld mit attraktiven Margen, so Biermann. Zudem winken Synergien durch die Bündelung der verschiedenen Energieträger im Rahmen der Heizkostenabrechnung.
Messdienstleister als Gefahr für Stadtwerke
Die Messdienstleister wollen jedoch selbst wettbewerblicher Messstellenbetreiber werden und greifen damit auch das etablierte Geschäft der Versorger an. Erste Messdienstleister sind hier schon tätig.
Allerdings würden Stadtwerke einen Vertrauensvorschuss genießen und als verlässlich gelten. Sie können den Kundenbedarf aus einer Hand bieten, indem sie einen Ansprechpartner für mehrere Sparten haben.
Was technisch nötig ist
Dazu müssen aber die IT-Systeme fit gemacht werden. Nötig ist auch ein hoher Automatisierungsgrad bei den Massenprozessen und dass eine kritische Masse an Liegenschaften und Wohneinheiten erreicht wird. Ebenfalls ist Know-how beim Messen und Abrechnen erforderlich.
Stadtwerke sollten daher überprüfen, ob sie die Aufgabe des wettbewerblichen Messstellenbetreibers übernehmen können, um über die Heizkostenabrechnung die digitale Schnittstelle zum Kunden nicht zu verlieren. (sg)
