"Ein zentrales Etappenziel aus dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist durch die Zertifizierung endlich erreicht worden", kommentierte Anke Hüneburg, Bereichsleiterin Energie im ZVEI, das dritte offiziell zertifizierte Gateway. "Es wird der Energie- und Verkehrswende den dringend benötigten Schwung verleihen."
Auch einige Messstellenbetreiber äußerten sich bereits gegenüber der ZfK zu Ihren Rolloutplänen: "Zunächst sagen wir laut 'Endlich', weil wir ja schon seit Jahren rollout-ready in den Startlöchern stehen", freute sich Arkadius Jarek, Leiter Messstellenbetrieb bei EnBW. Die gut 100 freiwilligen Einbauten bisher hätten aber auch gezeigt, dass der Umgang mit den BSI-zertifizierten intelligenten Messsystemen neue Herausforderungen gegenüber den Erfahrungen mit den über 1000 Vorläufermodellen aus den Feldtests gebracht haben. Hinzu kämen die Anforderungen wie die Sichere Lieferkette (SiLKe). Jarek rechnet damit, dass sich das in den nächsten Monaten sicherlich einspielen werde und rechnet mit einer dann schnell ansteigenden Hochlaufkurve.
Doppelter Startschuss
In der MVV-Gruppe fällt mit der bevorstehenden Markterklärung der Startschuss – und zwar in doppelter Hinsicht, so Gerald Hornfeck, Geschäftsführer der Tochter Soluvia Energy Services. Zum einen für den Rollout intelligenter Messsysteme in den eigenen Netzgebieten, zum anderen als Dienstleister für die Gateway-Administration, für – aktueller Stand – 100 Stadtwerke. "Nach den intensiven Vorbereitungen der vergangenen Jahre können wir jetzt unsere Erfahrungen in die Praxis umsetzen und weitere Schritte in Richtung Digitalisierung und Mehrwertdienste unternehmen", blickt Hornfeck in die Zukunft.
Auch Innogy bereitet sich seit Jahren auf den Start der Geräte vor. Nach erfolgter Markterklärung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik wird Westnetz als grundzuständiger Messstellenbetreiber zeitnah mit dem Einbau der intelligenten Messsysteme beginnen, sagte ein Pressesprecher der ZfK. Innogy Metering habe als wettbewerblicher Messstellenbetreiber bereits mit der Installation der ersten Geräte begonnen. Eingebaut wurden die Geräte im Gebiet von Westnetz, unter anderem in Essen.
Stabilisierungsphase gefordert
Fritz Wengeler, Geschäftsführer von Smartoptimo, freut sich ebenfalls, dass die lange und komplexe Vorbereitung der vergangenen Monate und Jahre jetzt endlich in die Tat umgesetzt werden. Er warnt aber auch: "Da nicht nur die Hardware, sondern auch die Software im Gateway, die Software für die Gateway-Administration, die Anbindung an die Abrechnungssoftware und viele Prozesse neu sind, stellt dies eine große Herausforderung für die Energiewirtschaft dar." Denn üblicherweise werde zeitgleich an nur einer dieser Stellschrauben gedreht und nicht wie jetzt sich alle Schrauben gleichzeitig drehen, konkretisiert Wengeler. Daher sei zunächst eine Stabilisierungsphase erforderlich, bevor dann die Stückzahlen kontinuierlich gesteigert würden.
Der Verband VKU hatte schon zuvor gemahnt, dass die Geräte der ersten Generation zeigen müssten, dass sie die angekündigten Mehrwerte bieten. "Sie müssen zudem beweisen, dass sie praxistauglich sind, sich nahtlos in unterschiedliche Systeme integrieren lassen, quasi per „plug-n-play“ funktionieren und zukunftsfähig per Update sind", sagte Michael Wübbels, stv. VKU-Hauptgeschäftsführer.
Für Verbraucher gibt es noch Verbesserungspotenzial
Die Verbraucherzentrale NRW begrüßt grundsätzlich den Schritt hin zu vernetzten Zählern und ihren Chancen. Etwa, wenn elektrische Geräte automatisch einzuschalten, wenn besonders günstiger Strom verfügbar ist. Kritig gab es allerdings auch: „Haushalte mit geringen Stromverbräuchen und Betreiber kleiner Erzeugungsanlagen, etwa für Solarstrom, müssen beim Smart-Meter-Rollout raus aus der Rolle der unfreiwilligen Vorreiter", fordert Udo Sieverding, Leiter des Bereichs Energie. Dem geltenden Zeitplan nach könnten ausnahmslos alle Haushalte ab spätestens 2020 ohne Mitentscheidungsrecht intelligente Messsysteme erhalten. Dies gelte zwar nicht für alle gesetzliche Einbaupflichten, die Entscheidung liegt aber letztlich bei den Messstellenbetreibern, nicht bei den Haushalten, obwohl für diese die Zählerkosten teils erheblich steigen können, führt Sieverding aus.
Kritisch sieht er auch, dass private Solarstormanlagenbetreiber vor allem für die Entwicklung und Eprobung der Technologie zahlen sollen. Für einen neuen Zähler für eine Anlage mit sieben bis zehn Kilowatt Nennleistung wären dann bis zu 100 Euro im Jahr fällig. Weiteren Handlungsbedarf gebe es bei Privathaushalten, bei denen der unfreiwillige Zählereinbau Anpassungen am Zählerschrank erfordert. Die Rechnungen für Zählerschrankumbauten können im vierstelligen Bereich liegen, das müssen betroffene Eigentümer derzeit ganz allein stemmen, beklagt Sieverding. "Das ist nicht hinnehmbar – zumal Umbauten nicht nur in Ausnahmefällen nötig sind, sondern in schätzungsweise einem Viertel der Fälle. Wir fordern, dass Haushalte, bei denen digitale Zähler nicht ohne weiteres installiert werden können, zunächst vom Rollout verschont bleiben. Mittelfristig muss entschieden werden, ob es eine finanzielle Förderung für Härtefälle geben sollte." (sg)
