Strom- und Gasleitungen werden aus der Luft noch immer meist per Hubschrauber geprüft. Das französische Unternehmen Hylight will das ändern. Seine autonomen Luftschiffe fliegen elektrisch, der Strom stammt aus Wasserstoff.
Der Bedarf wächst. Klimawandel und strengere Vorschriften treffen auf mehr als 80 Millionen Kilometer lineare Infrastruktur weltweit. Doch Hubschrauber sind bislang das wichtigste Werkzeug, obwohl sie teuer, laut und knapp verfügbar sind. Pro Flugstunde stoßen sie bis zu eine Tonne CO2-Äquivalente aus. Drohnen fehlt die Reichweite, Satelliten sowie die Genauigkeit.
Fünf Betreiber setzen die Luftschiffe schon ein
Hylight gründete sich 2022 auf dem Flugstützpunkt Air Base 217 in Brétigny-sur-Orge. Das Unternehmen entwickelt, baut und betreibt seine Fluggeräte selbst. Kunden sind der Stromverteiler Enedis, die Gasnetzbetreiber Natran und Téréga, der Baukonzern Vinci und SNCF Réseau, die Schieneninfrastruktur der französischen Staatsbahn. Künftig peilt das Unternehmen auch den deutschen Markt an.
Enedis, der größte Stromverteilnetzbetreiber Europas, testete die Luftschiffe zunächst in einem Versuch im Norden Frankreichs. Ziel war, Stromleitungen zu kontrollieren und vorbeugend zu warten. Mehr als 750 Flugstunden haben die zwölf Meter langen Hylighter bereits absolviert. Sie finden Schäden etwa durch Blitzeinschläge an Stromleitungen oder spüren undichte Stellen im Gasnetz auf, aus denen Methan entweicht.
Die Luftschiffe fliegen bis zu zehn Stunden lang, das Ziel liegt bei 350 Kilometern Reichweite. Sie tragen bis zu zehn Kilogramm Sensoren, darunter Lidar, ein Vermessungsverfahren mit Laserlicht. Die französische Luftfahrtbehörde (DGAC) und die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) haben den Flug außerhalb der Sichtweite des Piloten genehmigt.
Aus Bildern werden Handlungsempfehlungen
Die eigentliche Neuerung liegt aber in der Auswertung. Die Software erkennt automatisch mehr als 50 Arten von Schäden und Gefahren durch Bewuchs und verortet sie genau. Statt Tausender Rohbilder erhalten Instandhaltungsteams so konkrete Hinweise. Mit jedem Flug wächst zudem ein digitaler Zwilling der Infrastruktur, der später auch für Versicherungen und die Landwirtschaft interessant sein könnte.
Ziel ist, 2027 bis zu 15 Hylighter gleichzeitig zu betreiben. Heute sind es vier. Dafür sollen 50 Stellen in Technik, Datenauswertung, Betrieb und Vertrieb entstehen. Vorrang haben Deutschland und die Niederlande. Das Geld kommt von Rubio Impact Ventures, DRW und Teampact Ventures, dazu kommen die bisherigen Investoren Y Combinator und Ring Capital.
Das Gründerteam um Martin Bocken, Josef Rokusek und Thomas Laporte, im Schnitt 27 Jahre alt, hält am integrierten Modell fest: Luftfahrttechnik, Software und Einsätze unter einem Dach. Bocken fasst das Ziel knapp zusammen. "Die meisten Stromleitungen werden noch immer per Hubschrauber kontrolliert, wie vor 50 Jahren. Unsere Hylighter erledigen dieselbe Aufgabe mit mehr Präzision und weniger Risiko. Die Finanzierung bringt uns von vier Luftschiffen zu einer Flotte."
Ob der Plan aufgeht, entscheidet sich in der Skalierung. Gelingt es, 50 Fachkräfte zu gewinnen und die Flotte bis 2027 zu vervierfachen, könnte Hylight auch in Deutschland ein ernstzunehmender Herausforderer für den Hubschrauber werden.
