Europas Gasspeicher könnten in diesem Winter auf historische Tiefstände fallen. Die zusätzliche Einspeicherung durch Sefe dürfte nicht reichen, denn der Auftrag an Sefe greift zu kurz.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat den staatseigenen Energiekonzern angewiesen, bis Mitte Dezember zusätzlich 8 Terawatstunden (TWh) Gas einzuspeichern. Folgt die Nachfrage dem vergangenen Winter, reicht das nicht.
Damals wurden in Deutschland rund 155 TWh ausgespeichert, derzeit lagern nur knapp 145 TWh in den Speichern. Die eigentliche Lücke ist aber weit größer als diese 10 TWh. Im Vorjahresszenario fehlen über den Winter rund 26 TWh: je rund 8 TWh im Januar und Februar, je rund 4 TWh im Dezember und März. Ursache sind die ungleich gefüllten Speicher und die Kennlinien der verschiedenen Speichertypen.
Der Durchschnitt täuscht
Grundlage unserer Prognose ist ein kennlinienbasiertes Speichermodell, das die aktuellen Wartungspläne berücksichtigt. Wir rechnen Szenarien auf Basis der Speicherbewegungen des Vorjahres und des Fünfjahresdurchschnitts.
Aggregiert wirkt die Lage unkritisch: Verliefe die Ausspeicherung wie im Vorjahr, bliebe der EU-weite Füllstand bis Winterende über 20 Prozent. Auf Länderebene sieht es anders aus. Belgiens einziger Speicher, Loenhout, wäre schon Ende Januar leer. Bis Ende Februar fiele der Füllstand in Deutschland auf 12 Prozent, in den Niederlanden auf unter 14 und in der Slowakei auf 10 Prozent.
Entscheidend ist jedoch die einzelne Anlage. Je leerer ein Speicher, desto geringer seine Ausspeicherleistung. Wie stark sie sinkt, beschreibt die Kennlinie des jeweiligen Speichertyps. Viele Speicher sind deutlich schwächer gefüllt als vor einem Jahr und können an einzelnen Tagen nicht mehr die Vorjahresmengen liefern. Diese Lücke bezeichnen wir als Fehlmenge.
EU-weit wurden im vergangenen Winter 734 TWh ausgespeichert. Bei gleichem Bedarf könnten die Speicher diesmal nur 90 Prozent davon decken. Die übrigen 73 TWh müssten anderweitig beschafft werden.
In Deutschland fehlen 26 TWh
Im Vorjahresszenario wären sechs deutsche Speicher schon zum 31. Dezember nicht mehr ausspeicherfähig: Rehden, Breitbrunn, Stockstadt, Hähnlein, Etzel ESE (MET) und Wolfersberg. Uelsen, Jemgun, Schmidthausen und Kiel-Rönne folgten zum 31. Januar 2027.
Beispiel Rehden: Im vergangenen Winter wurden dort 12 TWh ausgespeichert. Unter Berücksichtigung von Kennlinie und Wartungsplan wären bei gleichem Verlauf nur knapp 5 TWh möglich, denn Rehden ist bis 10. Oktober vollständig in Wartung. Allein dort fehlen damit rund 7 TWh, im süddeutschen Breitbrunn knapp 5 TWh.
Noch gravierender sind die täglichen Fehlmengen im Hochwinter. Im Januar und Februar fehlen in Rehden bis zu 160 GWh pro Tag, in Breitbrunn bis zu rund 80 GWh.
Um die Lücke in Rehden zu schließen, könnte Sefe wegen der laufenden Wartung erst ab dem 10. Oktober einspeichern. Die 8 TWh könnten das Problem in Rehden lösen, nicht aber das der anderen leeren Speicher insbesondere in Süddeutschland wie Breitbrunn und Wolfersberg. Deutschlandweit könnten insgesamt rund 26 TWh fehlen. Sie müssten vorab zusätzlich eingespeichert oder im Winter als zusätzliches LNG beschafft werden.