Bezieht man die Intraday-Schwankungen mit ein, haben sich die Gaspreise am Hub THE in den vergangenen zehn Tagen in einem Korridor von 70 bis 85 Euro je Megawattstunde bewegt, das entspricht einer Volatilität von fast 20 Prozent. Ein Fest für Spekulanten, eine große Herausforderung für Versorger.

Die jüngste Preisentwicklung zeigt einmal mehr, wie stark der Handel aktuell von Schlagzeilen getrieben wird. US-Präsident Trump droht – nicht zum ersten Mal – dem Iran mit Vernichtung, sollte keine Einigung erzielt werden. Der Iran stellt Bedingungen, etwa die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie ein Ende des militärischen Drucks und der Blockade iranischer Häfen durch die USA. Auch das ist nichts Neues.

Die Fronten erscheinen genauso verhärtet wie beim letzten Treffen der beiden Konfliktparteien im Juni in der Schweiz. Die gegenseitigen Positionen sind weit von einer Einigung entfernt. Es kann also sehr schnell wieder mit den Preisen nach oben gehen, sollten die Gespräche ohne Einigung oder nennenswerten Fortschritt enden.

Engpass besteht weiterhin

Medienberichten zufolge hat der Iran den USA angeboten, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder aufzunehmen, wenn die Bedingungen des Iran akzeptiert werden. Die Schachfiguren sind also aufgestellt, mehr nicht – denn an den Fundamentaldaten in der Meerenge hat sich bisher nichts geändert.

Katar hatte im August zehn LNG-Lieferungen exportiert, neun davon nach Kuwait. Nur eine Lieferung ging durch die Straße von Hormus und erreichte am 10. August Pakistan. Hauptempfänger von katarischem LNG war auch in den vergangenen Monaten Kuwait mit sieben bis neun Lieferungen pro Monat. Aufgrund des Konflikts ist Kuwait auf höhere LNG-Importe angewiesen.

Im September lässt sich bislang ein im Vergleich zu August leicht gestiegener Transitverkehr durch die Meerenge beobachten. Beispielsweise machten sich zwei LNG-Tanker von Ras Laffan auf den Weg nach Indien und China. Zum Vergleich: Vor Beginn des Konflikts exportierte Katar durchschnittlich 60 bis 80 LNG-Lieferungen pro Monat.

Mildes Wetter und Ende der Wartungen in Norwegen

Neben der Geopolitik gibt es in dieser Woche auch fundamentale Gründe, die den Preisrückgang leicht unterstützt haben könnten: Die Einspeicherungen haben zuletzt wieder leicht zugelegt. Die EU-Gasspeicher sind nun zu 70 Prozent gefüllt und haben damit eine wichtige Hürde genommen. Dennoch liegt der Füllstand aktuell knapp 12 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert und mehr als 15 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresmittel.

Preismildernd wirken auch die milden Wetterprognosen. So sollen die Tagesdurchschnittstemperaturen in Deutschland bis Ende des Monats auf bis zu 20 Grad Celsius steigen. Damit lägen sie bis zu 7 Grad über der saisonalen Norm.

Zudem enden in Kürze die großen Wartungen in Norwegen. Am Mittwoch fehlten dort wartungsbedingt rund 145 Millionen Kubikmeter Gas. Die Gasflüsse fielen daher auf umgerechnet rund 2,5 Terawattstunden pro Tag – den niedrigsten Stand seit Mai dieses Jahres. Bis zum Wochenende sollen die Wartungen im Trollfeld laut Wartungsplan des Betreibers Gassco abgeschlossen sein. Dadurch dürften wieder rund 100 Millionen Kubikmeter pro Tag bereitgestellt werden.

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