Ein erheblicher Anteil des Potenzials von Biogas und Biomethan wird noch nicht genutzt.

Ein erheblicher Anteil des Potenzials von Biogas und Biomethan wird noch nicht genutzt.

Bild: © Holger T.K./AdobeStock

Biomethan kann die Gasversorgung in Deutschland künftig klimaverträglicher machen. Eine Veranstaltung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) mit zehn Kooperationspartnern zeigte aber auch: Die Perspektive hängt nicht nur von den verfügbaren Mengen ab. Entscheidend sind regionale Gasnetze, eine passende Infrastruktur und verlässliche politische Regeln.

Michelle Ehrle vom Biogasrat+ bezifferte das mögliche Biomethanpotenzial bis 2045 auf bis zu 350 Terawattstunden. Rund zwei Drittel der verfügbaren Biomasse aus Reststoffen, Abfällen, Klärschlamm und Wirtschaftsdüngern würden bislang nicht genutzt. Gleichzeitig warnte sie vor Rechtsunsicherheit ab 2027. Ohne eine Anschlussregelung und eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes könnten wichtige Privilegien für Biomethan entfallen. Der Verband fordert deshalb einen rechtssicheren Gasnetzanschluss über 20 Jahre sowie eine verbindliche Berücksichtigung von Biomethan in der Gasverteilnetzplanung und in den Marktabfragen der Netzbetreiber.

Die Gasnetze werden nicht überall gleichzeitig verschwinden

Felix Sommer von den Stadtwerken Rostock stellte die Sicht eines Verteilnetzbetreibers in den Mittelpunkt. Sein Befund: Die Gasnetze stehen unter erheblichem Transformationsdruck, werden aber voraussichtlich nicht überall gleichzeitig verschwinden. "Vom Methan zum Biomethan" lautet deshalb der strategische Ansatz in Rostock. Sommer hält Biomethan für die wahrscheinlichste Möglichkeit, die bestehenden Gasnetze schrittweise zu dekarbonisieren.

Die Stadtwerke Rostock vergleichen dafür den künftigen Heizbedarf auf Gebäudeebene. In die Betrachtung der kommunalen Wärmeplanung fließen unter anderem Luft- und Erdwärmepumpen, Fernwärme, Pelletheizungen und Gasheizungen ein. Aus den Einzelobjekten entstehen Cluster und daraus Teilnetze. So lässt sich erkennen, wo langfristig noch ein Gasangebot gebraucht wird. Biomethan soll dort zum Einsatz kommen, wo es gegenüber anderen Lösungen wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist.

Sommer warnte zugleich: Biomethan werde ein knappes Gut bleiben. Zudem könnten die unteren Druckstufen der Verteilnetze größere Einspeisemengen oft nicht aufnehmen. Im Sommer sinkt der Gasverbrauch stark, die Produktion von Biomethan aber kaum. Fehlt eine Rückverdichtung in höhere Druckstufen, muss das eingespeiste Gas deshalb weitgehend vor Ort verbraucht werden. Als kurzfristige Lösung nannte Sommer eine abgesenkte Netzfahrweise. Größere Mengen ließen sich damit jedoch nicht integrieren. Nötig seien zusätzlich Netzverstärkungen, Rückverdichtung und flexible Einspeisekonzepte, die ihre Leistung im Sommer reduzieren und im Winter erhöhen.

Infrastruktur als Schlüsselfrage

Auch Frank Graf von der DVGW-Forschungsstelle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sieht die Infrastruktur als Schlüsselfrage. Biomethan werde sich nicht nur in kleinen Insellösungen nutzen lassen. Für den saisonalen Ausgleich brauche es größere Transportnetze und Speicher. Graf verwies zudem auf erhebliche Kostenvorteile durch die Bündelung benachbarter Biogasanlagen. Bei einem untersuchten Cluster mit 14 Anlagen ließen sich die Gesamtinvestitionen gegenüber Einzellösungen um bis zu 55 Prozent senken. Eine solche Bündelung könne die Aufbereitung und Einspeisung wirtschaftlicher machen.

Peter Kornatz vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) ordnete die geplante "Biotreppe" und die Grüngasquote ein. Für neue Gasheizungen soll der Anteil klimafreundlicher Brennstoffe demnach von zehn Prozent im Jahr 2029 schrittweise auf 60 Prozent im Jahr 2040 steigen. Ob die Biomethanmengen dafür ausreichen, hängt stark von der endgültigen Ausgestaltung und von alternativen Erfüllungsoptionen ab. Derzeit werden jährlich etwa zehn bis elf Terawattstunden Biomethan ins Gasnetz eingespeist. Durch die Umrüstung bestehender Anlagen könnten laut Kornatz 25 bis 30 Terawattstunden erreichbar sein. Zusammen mit Rest- und Abfallstoffen sieht er ein zusätzliches Potenzial von rund 37 Terawattstunden. Logistik, Wirtschaftlichkeit und Nutzungskonkurrenzen begrenzen jedoch die tatsächlich erschließbare Menge.

Die Beiträge führten zu einem gemeinsamen Bild: Biomethan kann Erdgas nicht vollständig ersetzen. Es kann aber in ausgewählten Regionen, in Kraft-Wärme-Kopplung, für Industrieprozesse und als flexible Reserve einen Beitrag zur Energiewende leisten. Dafür müssen Netzbetreiber, Erzeuger und Kommunen ihre Planungen frühzeitig aufeinander abstimmen. Sommer fasste den Ansatz der Stadtwerke Rostock so zusammen: Es werde Biomethanregionen geben, aber nicht überall. Auch dort könnten Teilnetze stillgelegt werden. Planungssicherheit sei deshalb wichtig – für die Branche und für eine realistische regionale Netzstrategie.

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