Die Füllstände der EU-Gasspeicher könnten in diesem Winter ein Rekordtief erreichen. Dies ist in erster Linie ein Problem der deutschen Gasspeicher. Die Gasspeicher sind hierzulande aktuell nur zu 59 Prozent gefüllt, 27 Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Im September stieg der Füllstand nur um magere sechs Prozentpunkte.
Im September wurden in Deutschland nur zwölf Terawattstunden (TWh) Erdgas eingespeichert, 3 TWh weniger als noch im Vorjahresmonat bei damals höherem Füllstand. Der September wurde also nicht genutzt, um die Speicher winterfest zu machen; die europäischen Nachbarn haben die Zeit besser genutzt.
Deutschland weist damit unter den EU-Ländern mit großem Winterspeicherbedarf das größte Defizit gegenüber den Vorjahren aus. Gegenüber dem Vorjahr fehlen den deutschen Gasspeichern rund 45 TWh.
Niederlande und Frankreich holen auf
In den Niederlanden sind die Gasspeicher ähnlich schlecht gefüllt, doch die Niederländer legten im September eine steile Entwicklung hin und verdoppelten mit knapp 17 TWh die Einspeicherung vom Vorjahresmonat. Der Füllstand stieg auf über 60 Prozent.
Frankreichs Speicherfüllstand stieg seit Anfang September von 70 auf zuletzt 86 Prozent. Italien hat mit derzeit rund 180 TWh Speichergas und einem Füllstand von 88 Prozent die vollsten Gasspeicher im EU-Vergleich.
Österreich konnte ebenfalls im September nur wenig zulegen. Der Füllstand wuchs im Verlauf des Monats nur um schwache zwei Prozentpunkte, liegt aber mit einem Füllstand von aktuell 69 Prozent zumindest im Fünf-Jahres-Korridor.
Norwegens Exporte auf 12-Monats-Tief
Die Gasexporte Norwegens fielen im September mit umgerechnet 91 TWh auf den tiefsten Stand seit September letzten Jahres. Grund waren die extensiven Wartungsarbeiten mit Ausfällen von bis zu 1 TWh pro Tag gegenüber dem Normalniveau.
Algeriens Exporte fielen ebenso aufgrund des Wartungsfensters im September auf den tiefsten Stand seit zwölf Monaten, insgesamt exportierte das Land im September rund 19 TWh in die EU.
LNG-Send-Outs auf 4-Monats-Hoch
Die Aussendungen der LNG-Terminals der EU-Länder lagen mit insgesamt knapp 110 TWh im September auf dem höchsten Stand seit Mai dieses Jahres. Im Vergleich zum Vorjahr jedoch seit April unter dem Vorjahresniveau, im September lag das Defizit bei sieben Prozent.
Die europäischen LNG-Importe hielten im September das Niveau vom Vormonat, insgesamt wurden 110 LNG-Ladungen importiert. 72 Lieferungen kamen aus den USA (Marktanteil 65 Prozent), 10 aus Algerien und 6 Ladungen jeweils aus Russland und Nigeria. Die meisten LNG-Ladungen gingen nach Frankreich (23) und die Niederlande (20). Dahinter folgt Spanien (17), Italien (16) und Deutschland mit acht Ladungen. Seit dem graduellen Wegfall der russischen Lieferungen ist das belgische Terminal Zeebrugge nur sehr gering ausgelastet. Im September lag die Auslastung lediglich bei 25 Prozent und nur fünf LNG-Lieferungen wurden importiert.