Herr Hasler, was sind für Sie die Hauptkritikpunkte an der aktuellen Nationalen Wasserstoffstrategie?
Die wesentliche Schwachstelle der Nationalen Wasserstoffstrategie liegt meiner Ansicht nach in der weitgehenden Ausblendung des Wärmemarkts. Dabei kann grüner Wasserstoff sein Potenzial zur Sektorenkopplung und CO2-Reduktion nur dann voll entfalten, wenn er auch im Bereich Wärme ausreichend berücksichtigt wird.
Was sind Ihre zentralen Verbesserungsvorschläge?
Ich plädiere sehr dafür, beim Thema Wasserstoff auf bestehende Infrastrukturen zurückzugreifen: Wir verfügen in Deutschland über ein exzellentes, gut 500.000 Kilometer langes Gasnetz, über das grüner Wasserstoff relativ unproblematisch und kostengünstig beigemischt und transportiert werden kann. Das wäre ein sehr sozialverträglicher Weg, den Wärmemarkt zu dekarbonisieren und ein guter Beitrag zu einer systemübergreifenden Energiewende.
Was für eine Bedeutung hat das Gasnetz für N-Ergie künftig noch und planen Sie hier noch signifikante Investitionen?
Wir erleben in unserem Netzgebiet, das über 4.300 Kilometer Gasleitungen umfasst, aktuell eine sehr starke Nachfrage nach neuen Erdgas-Hausanschlüssen. Insofern investieren wir weiter in unser Gasnetz. Erdgas wird aber nur dann langfristig eine Zukunft haben und für die Kunden attraktiv bleiben, wenn es vergrünt wird. Sollten bei zunehmendem Anteil von Grüngas Investitionen in die Gasnetze erforderlich werden, erwarte ich von der Politik, dass sie frühzeitig die Rahmenbedingungen dafür schafft.
(Die Fragen stellte Klaus Hinkel)



