Eine ganze Reihe LNG-Tanker wurde in den vergangenen Wochen von Asien nach Europa umgeleitet.

Eine ganze Reihe LNG-Tanker wurde in den vergangenen Wochen von Asien nach Europa umgeleitet.

Bild: © vladsv/Adobe Stock

Die extrem hohen Preise am europäischen Gasmarkt haben Wirkung gezeigt. Reihenweise wurden in den vergangenen Wochen LNG-Tanker von Asien nach Europa umgeleitet. Nach Angaben des Berliner Analysehauses Energy Brainpool erreichten allein in den ersten drei Januarwochen mehr LNG-Importe Europas Küsten, als das ganze vergangene Jahr. Allein in der Kalenderwoche waren es mehr als 35 TWh.

Frisch veröffentlichte Daten der Beratungsfirma Team Consult stützen die These, dass Europa in den vergangenen Wochen einen wahren LNG-Boom erlebte. Demnach stieg im vierten Quartal 2021 die mittlere Auslastung europäischer Flüssigerdgasterminals deutlich und lag im Quartalsdurchschnitt bei 39 Prozent. Auch die Ausspeiseraten im Januar lagen über denen der beiden Vorjahreszeiträume.

LNG-Lieferungen aus Katar

Europa habe im Wettbewerb mit Asien im vierten Quartal mehr Mengen erwerben können, heißt es im Team-Consult-Report. Dabei seien LNG-Lieferungen aus Katar, das traditionell zu den Top-Lieferanten zählt, bis Oktober hinter denen der Vorjahre zurückgeblieben. In Nordeuropa habe sich die Ausspeiserate gegenüber dem Vorquartal sogar verdoppelt und sei damit auf dem Jahresdurchschnittsniveau 2020 gelegen.

Mehr Flüssigerdgas aus Übersee half jedenfalls, die Gaspreise trotz geringer russischer Gasflüsse, sinkender Füllstände in Europas Gasspeicher und anhaltender Ukraine-Krise auf stabilem Niveau zu halten. Am Dienstagabend schloss der Spotpreis am Handelspunkt TTF bei 75 Euro pro MWh.

Milliardenschweres US-Terminal

Doch wie geht es jetzt weiter? Eine interessante Entwicklung scheint sich bei den Exportländern abzuzeichnen. Der lange Zeit führende LNG-Lieferant Katar sei in punkto Kapazität von Australien und zuletzt auch von den USA überholt worden, schreibt Team Consult. Zudem sei bis 2025 lediglich in den Vereinigten Staaten mit einem weiteren Zubau zu rechnen.

Von 2024/2025 an sollen demnach über das milliardenschewere texanische Terminal Golden Pass 15,6 Mio. Tonnen LNG pro Jahr exportiert werden. Bis 2027 könnten weitere Projekte realisiert werden, deren Planungen bereits fortgeschritten seien, für die aber noch keine Investitionsentscheidung vorliege, schreibt Team Consult.

Abhängigkeit vom Weltmarkt

Auch beim Bau neuer LNG-Tanker tut sich einiges. Die entsprechenden Schiffswerften seien bis 2025 mit Aufträgen ausgebucht, berichtet Energy Brainpool.

Das Analysehaus geht davon aus, dass Flüssigerdgas Europa zwar unabhängiger von Pipelines mache, der Kontinent aber zugleich stärker dem Wohl und Wehe weltweiter Angebots- und Nachfragesituationen ausgesetzt sei.

Alternative für russisches Gas?

Zudem rechnet Energy Brainpool damit, dass das LNG-Importvolumen nach Europa bis März hoch bleiben werde, sofern der europäisch-asiatische Preisspread anhält.

Doch kann LNG im Notfall sogar russisches Gas schon bald ersetzen? Das halten Experten für nahezu ausgeschlossen. Zumal das auch eine Preisfrage wäre, wie Eon-Chef Leonhard Birnbaum erläuterte.

Preisfrage

Grundsätzlich sei Pipelinegas günstiger als verflüssigtes Erdgas (LNG), sagte der Manager am Montagabend auf einer Branchenveranstaltung. "Wenn wir auf LNG angewiesen sind, werden die Gaspreise in Europa deutlich höher sein als in der Vergangenheit. Wenn die Preise sinken sollen, dann muss dazu mehr Pipelinegas nach Europa kommen. Das erfordert auch natürlich Importe aus Russland, ganz klar." (aba)

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