Die Energieausnutzung liegt bei 95 Prozent: Die Fernwärme Offenburg hat am Freitag ihr größtes Blockheizkraftwerk im Ortsteil Albersbösch in Betrieb genommen. Es ermöglicht die Erschließung der Innenstadt mit Fernwärme. Die Leistung des Kraftwerksstandortes in Albersbösch erhöht sich von 1,5 auf 7,5 Megawatt (MW).
Die Anlage ist Teil eines innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsprojekts. Neben dem Blockheizkraftwerk gehören dazu ein Wärmepumpenkraftwerk im früheren Burda-Farbenlager und ein Elektrodenkessel. Die Anlagen arbeiten im Verbund miteinander. Mit dem Projekt steigert die Fernwärme Offenburg den Anteil an erneuerbaren Energien auf über 30 Prozent. Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040.
Kraft-Wärme-Kopplung für die Innenstadt
Das Blockheizkraftwerk in Albersbösch arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Entstehende Abstrahlungs- und Abgaswärme wird durch hochmoderne Technik genutzt und ins Fernwärmenetz eingespeist. Die Anlage in Albersbösch kann zukünftig auch mit Biogas oder Wasserstoff betrieben werden. Die Investitionssumme für dieses Blockheizkraftwerk beträgt rund 21,5 Millionen Euro.
"Das neue Blockheizkraftwerk ist das Herzstück der Fernwärmeversorgung in Offenburg. Damit sind wir gut gerüstet für das Energiesystem der Zukunft", ordnet Martin Wenz, Finanzvorstand beim E-Werk Mittelbaden und Kaufmännischer Geschäftsführer bei der Fernwärme Offenburg, ein. Die Anlage ermögliche es, die Preisschwankungen am Spotmarkt ideal auszutarieren. Das Blockheizkraftwerk läuft bei hohen Strompreisen. Bei niedrigen Strompreisen läuft die Wärmepumpe, bei negativen Strompreisen der Elektrodenkessel.
Gleichzeitig leistet die neue Anlage auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes. Dies ist umso wichtiger, als es im Versorgungsgebiet des Regionalversorgers einen Netzengpass im Hochspannungsnetz auf der 110-kV-Ebene gibt. Das Blockheizkraftwerk könne einspringen, falls der Strom im Netz knapp werde.
Wärmepumpen werden mit Erneuerbarenanlagen betrieben
Im Verbundnetz hat die Fernwärme Offenburg ein Gesamtpuffervolumen von 1500 m³ installiert. Durch die gut wärmegedämmten Pufferspeicher ist dafür gesorgt, dass die Wärme in den Speichertanks bleibt und dort zwischengelagert werden kann. Die Zwischenspeicherung der Wärme ermöglicht es, die Stromerzeugung zeitlich vom Wärmebedarf zu entkoppeln. Der Strom wird dann erzeugt, wenn er im Netz gebraucht wird. Dadurch steigt die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems.
Zusätzliche Wärme für Offenburgs Bürgerinnen und Bürger produzieren innovative Wärmepumpen, die mit regenerativ erzeugtem Strom aus der Region betrieben werden. In diesem Jahr wurde auf dem Dach der Messe eine Photovoltaikanlage mit über 900 kW elektrischer Leistung installiert. Der Strom dieser PV-Anlage wird zusammen mit dem Strom aus der Windenergieanlage auf der Hornisgrinde unmittelbar im Wärmepumpenkraftwerk genutzt.
Großprojekt im laufenden Betrieb
Die größten Herausforderungen bei dem Gesamtprojekt waren die Querung des Flusses Kinzig mit Fernwärmeleitungen im Vorfeld des Kraftwerksbaus, die Errichtung des deutlich größeren Blockheizkraftwerks im Bestand und während des Betriebs sowie der Umbau des ehemaligen Farbtanklagers der Burda-Druck zu einem Wärmepumpenkraftwerk. Die Wärmepumpen werden praktisch unterirdisch unter einem grasbewachsenen Erdhügel betrieben.
"Die Umsetzung eines iKWK-Projektes in maximal 36 Monaten ist eine sportliche Vorgabe; das war sicher nicht zu viel Zeit", sagt Wenz. Grundsätzlich seien iKWK-Projekte ein gutes Instrument, um die Strom- und Wärmewende miteinander zu verbinden. "Das ist für beide Sparten ein Win-win-Geschäft", so Wenz.
Fernwärmeausbau über Ankerkunden
Ziel der Fernwärme Offenburg ist es, die jährliche Wärmeabsatzmenge um rund zehn Prozent zu steigern. So soll irgendwann die komplette Innenstadt mit Fernwärme versorgt werden. Im eher dörflich geprägten Umland würden wohl primär Wärmepumpen zum Einsatz kommen, so Wenz weiter. Das Unternehmen setze beim weiteren Ausbau im ersten Schritt auf die Anbindung von Ankerkunden. Das sei auch beim neu geplanten Großklinikum in Offenburg der Fall. Auch dieses wird an das Fernwärmenetz angeschlossen. Gleichzeitig wird im neuen Klinikum ein Wärmepumpenkraftwerk entstehen.

Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist ein deutlicher Rückschritt. Es hat die Kunden verunsichert.
Martin Wenz,
Finanzvorstand E-Werk-Mittelbaden
Die aktuellen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Fernwärme und für Kraft-Wärme-Kopplung beurteilt Martin Wenz unterschiedlich. "Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist im Vergleich zum Gebäudeenergiegesetz ein deutlicher Rückschritt", bezieht er klar Stellung. Die jetzt propagierte Freiheit bei der Heizungswahl gebe es nicht wirklich; die Vorgaben des Vorgängergesetzes seien für die Kunden deutlich klarer gewesen.
"KWKG-Eckpunkte gehen in die richtige Richtung"
"Auch bei uns hat das Gebäudemodernisierungsgesetz die Kunden verunsichert. Viele Kunden fragen sich, ob eine neue Öl- oder Gasheizung tatsächlich Sinn macht", verdeutlicht er. Das Vorgängergesetz, das sogenannte Heizungsgesetz, habe die Nachfrage nach Fernwärmeanschlüssen deutlich erhöht. "Im Zuge der steigenden Öl- und Gaskosten verzeichnen wir aber wieder großes Interesse an der Fernwärme."
Mit dem aktuellen Eckpunktepapier zur Verlängerung der KWK-Förderung bis 2025 zeigt er sich hingegen "nicht unzufrieden". "Die Verlängerung des KWKG schafft Planungssicherheit, und die Stauchung der Förderung hilft bei der Refinanzierung der Investition", erklärt er. Die Förderdauer werde zwar kürzer; die Zuschläge sollen nach seiner Kenntnis aber gleichzeitig entsprechend erhöht werden.
Damit würde sich die Amortisationsdauer verkürzen, was wiederum die Zinsaufwendungen für die Investitionen reduzieren würde. "Aus unserer Sicht bleibt die Kraft-Wärme-Kopplung die effizienteste Form der Stromerzeugung aus Gasen (Erdgas und Wasserstoff) und ist im zukünftigen Energiesystem unverzichtbar", fasst Wenz zusammen. Wichtig wäre aber jetzt auch, dass das Gesetz zeitnah verabschiedet wird.