Die Projektentwicklung im Bereich Photovoltaik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Segmente der Energiewirtschaft entwickelt. Kaum ein anderer Bereich hat eine vergleichbare Kombination aus Wachstum, wirtschaftlicher Attraktivität und Fachkräftemangel erlebt. Für viele Unternehmen, insbesondere Stadtwerke, wurde der Zugang zu qualifiziertem Personal damit zu einer der zentralen Herausforderungen der Energiewende.
 
Der Boom der Erneuerbaren hat dazu geführt, dass Projektentwickler zu einer der Schlüsselrollen der Energiewende geworden sind. Sie verbinden Flächensicherung, Genehmigungsmanagement, wirtschaftliche Bewertung und Projektsteuerung – und tragen damit maßgeblich zum Erfolg von Wind- und PV-Projekten bei.

Der steigende Bedarf an diesen Profilen hat den Wettbewerb um Talente in den vergangenen Jahren erheblich verschärft. Insbesondere wachstumsstarke Projektentwickler von Wind und PV und internationale Marktteilnehmer haben aggressive Vergütungsmodelle etabliert, um sich die besten Fachkräfte zu sichern. In vielen Fällen entschieden nicht mehr nur Kompetenz und Erfahrung, sondern zunehmend auch Geschwindigkeit und Netzwerk über den Projekterfolg.

Gehaltsentwicklung: Hohe Dynamik und große Spreizung

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Vergütungsstudie 2024 "Projektentwicklung Wind & Photovoltaik" der Callidus-Akademie: Der Median des Jahresgesamtgehalts liegt bei 73.500 Euro brutto, während die mittleren 50 Prozent der Projektentwickler zwischen rund 61.000 und 87.000 Euro jährlich verdienen.

Gleichzeitig weist der Markt eine außergewöhnlich hohe Spreizung auf. Insbesondere die Top Performer – auch als "Koryphäen" bezeichnet – erzielen Gehälter von über 300.000 Euro jährlich. Diese entstehen vor allem durch provisionsbasierte Vergütungsmodelle, die direkt an den Projekterfolg gekoppelt sind.

Diese Spannbreite ist Ausdruck eines Marktes, der über Jahre hinweg stark wachstumsgetrieben war und in dem Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte bereit waren, immer höhere Vergütungen zu zahlen.

Stadtwerke mit Wettbewerbsnachteil

Auch aus diesen Gründen begannen viele Stadtwerke und kommunale Unternehmen begonnen, eigene Kompetenzen in der Projektentwicklung aufzubauen, um stärker an der Wertschöpfung der Energiewende zu partizipieren.

In der Praxis stießen sie dabei jedoch häufig an strukturelle Grenzen: Die tariflich geprägten Gehaltsstrukturen, insbesondere im Rahmen des TV-V, konnten mit den dynamischen Marktgehältern privater Projektentwickler oft nicht mithalten.

Die Folge war, dass Schlüsselpositionen unbesetzt blieben, der Aufbau eigener Projektentwicklungseinheiten erschwert wurde, sich Projekte verzögerten und Ziele verfehlt wurden. Gerade in einer Phase, in der Geschwindigkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend ist, stellte dies einen erheblichen Wettbewerbsnachteil dar.

Der Markt dreht sich

Aktuell zeigt sich jedoch eine Veränderung im Markt. Nach Jahren starken Wachstums kommt es zunehmend zu einer Konsolidierung im Projektentwicklungssegment. Steigende Finanzierungskosten, regulatorische Unsicherheiten und sinkende Margen führen dazu, dass erste Unternehmen Personal abbauen.

Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt:
 Erfahrene Projektentwickler aus den Bereichen Wind und PV werden wieder verfügbar und zeigen eine deutlich höhere Wechselbereitschaft.

Bemerkenswert ist dabei, dass viele dieser Experten bereit sind, für ein geringeres Gehalt zu wechseln, sofern im Gegenzug andere Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit, langfristige Perspektiven und stabile Strukturen geboten werden. Sicherheit wird damit, nach Jahren der Gehaltsmaximierung, wieder zu einem zentralen Entscheidungskriterium.

Weiterbildung als strategischer Hebel

Gleichzeitig zeigt sich: Der Arbeitsmarkt allein wird den Bedarf an qualifizierten Projektentwicklern langfristig nicht decken können. Die Komplexität der Projektentwicklung, von Flächensicherung über Genehmigungsprozesse bis hin zu wirtschaftlichen Bewertungen, erfordert gezielte Kompetenzentwicklung.

Ein zentraler Hebel liegt daher in der systematischen Qualifizierung von Fachkräften. Insbesondere für Stadtwerke und kommunale Unternehmen eröffnet sich hier eine doppelte Chance: Neben dem Zugang zu erfahrenen Experten können sie gezielt eigene Mitarbeiter entwickeln oder Quereinsteiger strukturiert an die Projektentwicklung heranführen.

Entsprechende Programme spezialisierter Anbieter zeigen, dass sich relevante Kompetenzen in der Projektentwicklung systematisch aufbauen lassen. Gerade vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Arbeitsmarktes wird Weiterbildung damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor –  nicht nur für die Gewinnung, sondern vor allem für die nachhaltige Bindung von Fachkräften.
 

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