Mit schönem Wetter und dem Sommerbeginn an diesem Wochenende nimmt auch die Badesaison Fahrt auf. Vermutlich viele, die baden wollen, sind unsicher, wie groß das Ansteckungsrisiko des Coronavirus im Wasser ist. «Im Wasser selbst gilt das Übertragungsrisiko nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als äußerst gering wegen der starken Verdünnung oder wegen der Chlorierung», sagt der Kieler Infektionsmediziner Prof. Helmut Fickenscher.
Dies sei aber nur ein Aspekt. «Von großer Bedeutung ist die Situation am Strand und die Dichte der Menschen im Wasser.» Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.
Abstand halten zu Wasser und zu Land
Das Umweltbundesamt (UBA) unterstreicht ebenfalls die zentrale Bedeutung, die Abstands- und Hygieneregeln auch am Strand, auf den Wiesen von Badeanstalten und natürlich auch im Wasser einzuhalten: «Da das Tragen von Mund/Nasenschutz beim Baden nicht praktikabel ist, kommt der Einhaltung der Sicherheitsabstände im Wasser und an Land eine maßgebliche Bedeutung für den Schutz von Infektionen zu.»
Eine Übertragung von SARS-CoV-2 über das Wasser beim Baden hält auch das UBA für äußerst unwahrscheinlich. «Bisher gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Hinweise darauf, dass dieses Virus über den Wasserweg übertragen wird. Grundsätzlich sollten aber Personen, die an einem akuten Infekt der Atemwege oder an einer Durchfallerkrankung leiden, nicht baden gehen, um andere Badende nicht zu gefährden.» Dies gelte unabhängig davon, um welche potenziellen Krankheitserreger es sich im Einzelnen handle.
„Behülltes“ Virus
«Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen», prognostizierte das UBA bereits im März. Fickenscher ergänzte, auch über Kläranlagen dürften kaum Coronaviren in Badegewässer gelangen. Denn Sars-CoV-2 könne als behülltes Virus nicht lange im Wasser überleben – im Gegensatz zu den im Abwasser existierenden unbehüllten Viren, vor allem den Noroviren.
«Je größer die Verdünnung ist, desto geringer sind Ansteckungsrisiken im Wasser», betont Fickenscher. Insofern sei bei vielen Badenden in einem sehr flachen Uferbereich auch das theoretische Risiko, sich im Wasser anzustecken etwas höher. Ob es Unterschiede bezüglich Seen oder Flüssen gebe, dazu lasse sich keine eindeutige Aussage machen. «Aber natürlich ist bei fließenden Gewässern davon auszugehen, dass die Verdünnung schneller passiert als in stillen Gewässern wie Seen oder Badeteichen – und damit das Ansteckungsrisiko im Wasser selbst geringer ist.» Dem Infektionsmediziner sind im Übirgen keine Studien bekannt, ob das Coronavirus im Süß- oder im Salzwasser länger überleben kann.
Potenzielles Risiko in Duschen
Grundsätzlich sei es weniger riskant, „im Freien zu schwimmen als in Hallen, da Aerosole als Übertragungswege im Freien praktisch keine Rolle spielen. Und das größte theoretische Ansteckungsrisiko lauert wegen der Feuchte und den Aerosolen dort, wo Duschen in Sanitärräumen zu eng nebeneinander stehen», sagt Fickenscher. (dpa/hp)


