Einmal im Jahr erhebt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) das Energiewende-Barometer: Und aktuell schneiden die Erneuerbaren im Vergleich zu den vergangenen Jahren ziemlich schlecht bei den deutschen Unternehmen ab. Der Großteil der insgesamt befragten 2167 Firmen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor bewerteten die Risiken des Energieumstiegs höher als die Chancen.
Mit einer Skala von Minus 100 (sehr schlecht) bis Plus 100 (sehr gut) konnten die Befragte die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wirtschaftsfähigkeit bewerten. Mit einem durchschnittlichen Wert von Minus 2,1 ist 2018 das drittschlechteste Jahr im Ranking seit 2014. Im vergangenen Jahr wurde der Umstieg auf Erneuerbare sogar noch mit Plus eins angegeben.
Kohleausstieg und schleppender Netzausbau verunsichern
Alle Branchen sind auf eine sichere Energie- und Stromversorgung angewiesen, durch den schleppenden Netzausbau ist vor allem der Süden Deutschlands verunsichert. Mit dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke entfällt bis 2022 gesicherte Leistung in erheblichem Maß, Importe von Wind- und Sonnenstrom aus dem Norden oder den Nachbarländern werden schwierig, denn die dafür notwendigen Stromtrassen werden frühestens 2025 vollständig fertiggestellt.
Noch schlechter als der Süden mit Minus 2,8 bewerteten West (Minus 4,4) und Ost (Minus 3,2) die Energiewende. Immerhin sind vor allem das Ruhrgebiet und die Lausitz von den Diskussionen um den Kohleausstieg betroffen. Noch steht nicht fest, wie der Strukturwandel für die Beschäftigten und die Kohleunternehmen ausgehen wird. Hinzukommen die Verzögerungen beim Smart-Meter-Rollout, die Kappung der EEG-Umlagenbefreiung für KWK-Anlagen zur Eigenversorgung und ein mangelhafter Rechtsrahmen für Speicher und E-Mobilität.
Teure Energiepreise haben negativen Einfluss
Besonders schlechte Bewertungen bekam die Energiewende aus dem industriellen Lager mit Minus 13,9. Der Handel positionierte sich mit Minus 3,6 und Dienstleister bewerteten ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Plus 3,4 weiterhin positiv, trotz Einbußen zum Vorjahreswert von Plus 8,2. In das harte Urteil der Industrie spielt auch die Preisexplosion für CO2-Zertifikate von mittlerweile über 20 Euro pro Tonne hinein. Dadurch sind sowohl Storm als auch Gas und Öl in den vergangenen Monaten auf Spitzenniveau geklettert.
Sehr unterschiedlich fällt die Bilanz aus, wenn man sich die Unternehmensgröße ansieht. Während kleine Unternehmen bis zu neun Mitarbeitern ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende sogar verbessert sehen, sind KMU gegenteiliger Meinung. Große Unternehmen (mehr als 500 Mittarbeiter) hingegen stufen ihre Wettbewerbschancen gegenüber dem Vorjahr höher ein, haben aber auch Kapazitäten, um mit Rechtsunsicherheiten und bürokratischen Aufwand in Folge des Energieswitches umzugehen.
Unternehmen investieren in Umstieg
Trotz des sehr gemischten Ergebnisses unternehmen bereits einige Firmen etwas in Sachen Erneuerbare. Immerhin 17 Prozent haben mindestens ein E-Auto in Betrieb, 37 Prozent messen der Energieeffizienz eine ausschlaggebende Bedeutung zu und wiederum vier von fünf Unternehmen investieren bereits in entsprechende Maßnahmen. Gefragt ist auch regionaler Ökostrom: 21 Prozent beziehen bereits Grünstrom. Auch der Trend zur Eigenversorgung trotz ungünstiger Rahmenbedingung, wie die Unsicherheiten im KWK-Gesetz zeichnet sich bei 43 Prozent der Befragten ab. (ls)


