Um im Beruf erfolgreich zu sein, müssen bei jedem Geschlecht die weniger stark rollenspezifisch ausgeprägten Eigenschaften individuell gestärkt werden.

Um im Beruf erfolgreich zu sein, müssen bei jedem Geschlecht die weniger stark rollenspezifisch ausgeprägten Eigenschaften individuell gestärkt werden.

Bild: © Deagreez/AdobeStock

Kinder müssen immer individuell gefördert werden – von den Eltern, im Kindergarten und später in der Schule. Aber auch Erwachsene benötigen im Laufe ihres Lebens weitere Förderung. Im Beruf muss man sich stets weiterentwickeln. Strebt man eine leitende Stelle an, ist dies meist nur mit ausreichenden Qualifikationen und Fortbildungen möglich. Mittlerweile ist bewiesen, dass Männer und Frauen jeweils spezifisch gefördert werden müssen, um deren geschlechtsspezifische Stärken individuell zu unterstützen.

Die körperlichen und charakterlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind evolutionsbedingt und begannen sich erst vor rund 5000 Jahren mit der Sesshaftwerdung weiter auszubilden. Davor waren die Menschen ständig auf Wanderschaft und jeder musste dasselbe leisten. Doch mit der Sesshaftwerdung wurden die Aufgaben verteilt, die Männer wurden die Jäger, die Frauen die Sammlerinnen. Die unterschiedlichen Anforderungen zogen auch Unterschiede in der Ernährung und den Rollen nach sich und bewirken die unterschiedlichen Entwicklungen. Auch heute leben wir noch die klassischen Rollenbilder, die nun seit Generationen verankert sind.

Die besonderen Stärken der Frauen

Aus der Erfahrung meiner Arbeit als Coach kann ich bestätigen, dass Managerinnen oft die „typisch weiblichen“ Eigenschaften haben: Sie sind meist deutlich empathischer als Männer, können sich eher in ihre Mitarbeiter hineinfühlen und auf deren Bedürfnisse eingehen. Feinfühlig kümmern sie sich darum, ihren Mitarbeitern ein gutes Gefühl zu geben und ihre Arbeit ausreichend zu schätzen. Teamarbeit liegt ihnen besonders und ist für sie grundlegende Voraussetzung. Auch ihre Kreativität und ihr Ideenreichtum sorgen für Vorteile im geschäftlichen Umfeld.

Männliche Führungskräfte handeln – zumindest wesentlich häufiger als Managerinnen – nach einem klaren Plan und verfolgen diesen strikt. Sie sind erfolgsorientiert und fokussiert. Ihre Karriere ist ihnen oft sehr wichtig, weshalb sie viel dafür tun, sich zu behaupten und erfolgreich zu sein oder zu werden. Vor Mitarbeitern und Geschäftspartnern treten Männer häufig mit einer bestimmten Stärke auf, nehmen ihren Platz klar ein und halten sich weniger zurück. Individuell auf die Mitarbeiter einzugehen, fällt vielen Männern schwer.

Unterschiede in Management-Trainings

In manchen Management-Trainings werden die Geschlechter strikt getrennt, um explizit auf die geschlechtsspezifischen Stärken und Schwächen eingehen zu können. Bei anderen hingegen sind die Trainings geschlechtsneutral aufgebaut und konzentrieren sich daher nicht auf die individuellen Stärken von Frauen und Männern.

Meiner Meinung nach sind unterschiedliche Gruppen für weibliche und männliche Führungskräfte in Management-Trainings sinnvoll. Denn es hat sich gezeigt, dass Frauen schneller in die Reflektion einsteigen können, aber Unterstützung brauchen, um sich ihrer Kraft bewusst zu werden und ihren Raum einzunehmen. Gleichzeitig sollen sie ihre Weiblichkeit behalten und Empathie gegenüber anderen zeigen, um authentisch und in ihrer eigenen Art Führungsstärke zu zeigen. Männer haben dagegen eher ein Problem mit Feinfühligkeit, Emotionalität, Gefühlen und Intuition. Es fällt ihnen oft schwer, für sich selbst und andere einen Zugang dazu zu finden und darüber ins Gespräch zu kommen. Sie müssen dahingehend geschult werden, mehr auf Mitarbeiter einzugehen und dennoch ihre vorteilhaften Eigenschaften zu wahren. Die Kombination macht es aus.

Die optimale Lösung

In jedem Geschlecht müssen also die weniger stark rollenspezifisch ausgeprägten Eigenschaften individuell gestärkt werden. In den Trainings "unter sich” ist dazu die optimale Möglichkeit gegeben. Frauen wie Männer können sich dort auf ihre Stärken berufen, erhalten aber zudem auch Tipps und Tricks von Gleichgesinnten an die Hand, wie sie sich am besten in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln können, ohne dass es "aufgesetzt" wirkt.

Denn es braucht beides: eine Kombination aus männlichen und weiblichen Eigenschaften. Dies muss trainiert und gefördert werden. Ein Führungsteam aus männlichen und weiblichen Führungskräften, bei dem jedes Teammitglied die eigenen, geschlechtsspezifischen Stärken authentisch einsetzen kann, wäre perfekt. So könnte das gesamte Unternehmen in vollem Umfang von den eveolutionsbedingten Unterschieden profitieren. (hp)

Über die Autorin
Katrin Seidel ist systemischer Coach für Mitarbeiter und Führungskräfte. Seit 22 Jahren ist sie Geschäftsführerin der europaweit agierenden Trainingscompany bfkm. Die Themen neue Führung, Wandel der Arbeitswelt, Agilität und persönliche Weiterentwicklung von Führungskräften liegen ihr besonders am Herzen.

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