Für Unternehmen genügt es nicht, nur agile Methoden und Frameworks anzuwenden. Um langfristige Ziele zu erreichen, braucht es eine ganzheitliche und multidimensionale Betrachtung und Transformation. Dies will die Studie "Agile Pulse 2022" der Technologieberatung Bearingpoint herausgefunden haben.
Demnach wachse der Anteil der Organisationen, die agile Methoden einsetzen, industrieübergreifend konstant. Laut der Studie stufen 96 Prozent der Befragten die zukünftige Relevanz agiler Methoden als hoch ein. Die wichtigsten Gründe für die Einführung agiler Methoden waren verbesserte Reaktionsfähigkeit (82 Prozent), verbesserte Zusammenarbeit, verbesserte Produktqualität sowie verbesserte Geschwindigkeit (jeweils 72 Prozent).
Attraktivität als Arbeitgeber steigt
Vergleicht man die angestrebten Ziele der Einführung von Agilität mit den jeweils tatsächlich erreichten Verbesserungen, stellt sich heraus, dass acht von neun Zielen im Durchschnitt noch nicht erreicht wurden, heißt es. Grund dafür sei laut Studie, dass Agilität in vielen Organisationen methodisch eingeführt, jedoch noch nicht ganzheitlich etabliert ist.
Lediglich hinsichtlich der Attraktivität als Arbeitgeber sei ein gegensätzlicher Effekt zu beobachten. Während 48 Prozent der Befragten diese als klares Ziel der agilen Transformation formuliert haben, gaben 51 Prozent an, als Arbeitgeber attraktiver geworden zu sein.
30 Prozent setzen ausschließlich auf Agilität
Demnach verwenden bereits 75 Prozent der Organisationen agile Methoden – davon fast ein Drittel ausschließlich. Von den Befragten geben 45 Prozent an, einen Mix aus klassischen und agilen Methoden anzuwenden.
30 Prozent nutzen inzwischen ausschließlich agile Methoden. Dagegen setzen 25 Prozent weiterhin auf rein klassische Methoden in der Produktentwicklung und im Projektmanagement.
Kultureller Wandel gehört dazu
"Unsere Studie bestätigt eindeutig den Nutzen von Agilität und zeigt, welch enormes Potenzial diese bietet", sagt Julia von Sprechelsen, Partnerin und Head of Agile Advisory Deutschland, Bearing Point. "Sie zeigt aber auch, dass viele Organisationen ihre an die Einführung von Agilität geknüpften Ziele nicht erreichen."
Ein Grund dafür sei, dass diese Organisationen ihre agile Transformation bereits mit der Einführung einer agilen Methode oder eines Frameworks als abgeschlossen betrachteten. Zur agilen Transformation gehörten aber auch der Wandel von Unternehmenskultur, Strukturen und Prozessen bis hin zu Technologien und Produkten.
Entscheidend, ob sich Mitarbeitende verändern wollen
Vor allem den kulturellen Wandel gingen diese Organisationen nicht oder nicht konsequent genug an. Damit würde die ganzheitliche agile Transformation gestoppt, bevor sie richtig begonnen habe. Dies hindert die Organisationen daran, ihre gesteckten Ziele zu erreichen, heißt es weiter.
"Eine der größten Herausforderungen der agilen Transformation ist die Qualifizierung und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden", ergänzt Andreas Mitter, Partner und Head of Agile Advisory Österreich, Bearingpoint. "Dabei hat das Angebot agiler Lernmöglichkeiten und Karrierewege einen wesentlichen Einfluss auf die agile Reife."
Anwender von agilen Methoden sind zufrieden
Fast die Hälfte der Mitarbeitenden von Organisationen, die anhand unserer Studie als Non-Agile klassifiziert wurden, seien unzufrieden mit den agilen Lernmöglichkeiten und Karrierewegen. Gleichzeitig seien 96 Prozent der sogenannten Agile Practitioner – dies sind Mitarbeitenden, deren Arbeitsumfeld bereits agil geprägt ist – zufrieden mit den jeweiligen Angeboten.
Agile Practitioner würden ihre Ziele fast dreimal häufiger erreichen als Mitarbeitende von Non-Agile Organisationen, teilen die Studienautor*innen mit. Ganzheitliche Agilität erhöhe die Zufriedenheit und Identifikation der Mitarbeitenden und sorgt dafür, dass Ziele schneller erreicht würde und die Resilienz der Organisationen insgesamt gestärkt werde.
Im Durchschnitt seit über fünf Jahren im Einsatz
Im Durchschnitt aller Befragten werden einzelne oder mehrere agile Methoden seit über fünf Jahren angewendet. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gab an, dass mit dem Einsatz agiler Arbeitsweisen in den vergangenen drei Jahren begonnen wurde, knapp zwei Drittel (32 Prozent) nutzen diese seit vier bis sechs Jahren.
Die Studie soll daher auch zeigen, dass agile Methoden zunehmend auf höheren Organisationsebenen eingesetzt werden. Hier war ein Zuwachs von 15 Prozent im Vergleich zur Agile Pulse Studie 2020 zu verzeichnen.
Agile Organisationen kamen in Krise besser zurecht
Im Rahmen dieser Studie wurde zudem erhoben, wie gut die Befragten mit den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie zurechtgekommen sind. Auch in diesem Zusammenhang habe sich der Wert ganzheitlicher Agilität besätigt, erklären die Studienautor*innen.
Denn es habe sich hinsichtlich der Krisen-Resilienz gezeigt, dass Organisationen, Teams sowie Individuen, die sich in ganzheitlich agilen Umgebungen befinden, wesentlich besser mit den resultierenden Herausforderungen zurechtkamen als jene, deren agile Reife vergleichsweise gering war. (jk)
