Die Pläne liegen bereits drei Jahre zurück. Nun nimmt das Megaprojekt im nordrhein-westfälischen Waltrop Gestalt an. Gemeinsam mit Luxcara und BKW errichtet die Stadtwerke-Kooperation Trianel einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 900 Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von mindestens 1800 Megawattstunden (MWh).
Trianel plant, die Großkomponenten – darunter das Umspannwerk, die Transformatoren und die Batteriespeichersysteme – ab Juli 2027 anzuliefern. Nach der geplanten Fertigstellung im dritten Quartal 2028 soll die Anlage der zweitgrößte Batteriespeicher Europas und der größte Deutschlands sein. Die Investitionssumme soll Medienberichten zufolge bei rund 500 Millionen Euro liegen.

Umso wichtiger ist es, die Erneuerbaren durch flexible Anlagen zu flankieren
Sven Becker,
Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH
"Die erneuerbaren Energien wachsen in einem atemberaubenden Tempo", sagte Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung von Trianel, beim symbolischen Spatenstich. "Umso wichtiger ist es, die Erneuerbaren durch flexible Anlagen zu flankieren. Nur so können wir die volatile Einspeisung mit dem stetigen Verbrauch synchronisieren."
Das gemeinsame Projekt mit BKW und Luxcara steht aus Beckers Sicht für die zweite Phase der Energiewende. Große Speicher nähmen dabei "eine Schlüsselrolle für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und die Nutzung erneuerbarer Energien" ein.
Standortvorteile
Ein wesentlicher Vorteil des Batteriespeicherprojekts mit mehreren hundert Batteriecontainern und einem neuen Umspannwerk ist die bereits vorhandene Energie- und Netzinfrastruktur. Der Batteriepark liegt direkt neben dem Trianel-Kohlekraftwerk Lünen. Für die Anbindung an das Übertragungsnetz liegt nach Angaben der Projektpartner bereits eine Netzanschlusszusage des Übertragungsnetzbetreibers Amprion vor. Das geplante Umspannwerk soll die technische Schnittstelle zum Übertragungsnetz bilden.
Mit dem Batteriepark könnte der Standort auch nach der Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Lünen seine energiewirtschaftliche Bedeutung behalten. Die Kraftwerksgesellschaft geht nach aktuellem Stand von einer Stilllegung zum Ende des Jahres 2038 aus. Zugleich verwies sie zuletzt auf das Risiko, dass das Betriebsende bereits früher kommen könnte – insbesondere mit Blick auf die für 2030 und danach vorgesehenen Reduzierungen der Steinkohlekapazitäten.
Steigende Gaspreise könnten den Kohleausstieg aus Gründen der Versorgungssicherheit allerdings verzögern. Damit bleibt offen, wie lange das Kraftwerk tatsächlich am Netz bleiben wird.
Langer Anlauf
Bereits im März 2023 machte Trianel die Baupläne für den Großbatteriespeicher öffentlich. Den Baubeginn kündigte das Unternehmen damals für Anfang 2025 an. Seitdem hat sich der Zeitplan mehrfach verschoben.

Die Debatte ist für die Wirtschaftlichkeit des Projekts von zentraler Bedeutung. Trianel will den Batteriepark vollständig über Markterlöse finanzieren; eine EEG-Förderung ist nicht vorgesehen. Die Wirtschaftlichkeit hängt daher unter anderem davon ab, wie häufig der Speicher Strom kauft und verkauft, welche Erlöse an den Strommärkten erzielt werden und welche zusätzlichen Kosten künftig anfallen.
Netzentgelte und Wirtschaftlichkeit
Als wesentliche Gründe nannte Trianel das mehrstufige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie regulatorische Unsicherheiten. Besonders kontrovers war die Debatte um die künftigen Netzentgelte für Batteriespeicher. Die Aachener Stadtwerke-Kooperation sprach von einer "erheblichen Verunsicherung" und bezeichnete den unklaren regulatorischen Rahmen als Investitionsbremse.
In einem Orientierungspapier vom Januar 2026 stellte die Bundesnetzagentur zunächst infrage, ob die bisherige Befreiung von Netzentgelten künftig auch für bereits geplante, im Bau befindliche oder schon in Betrieb genommene Speicher gelten sollte. Die geplanten Regeln hätten damit auch Projekte treffen können, die ihre Investitionen auf Grundlage der bisherigen Befreiung kalkuliert hatten.

Nordrhein-Westfalen soll auch künftig ein starker Energiestandort in einem eng vernetzten europäischen Verbund sein.
Mona Neubaur,
Wirtschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen
Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hob die Bedeutung des Projekts für die Energiewende hervor: "Wir müssen Projekte wie den Batteriepark Waltrop nutzen, um Systemstabilität und Netzflexibilität zu stärken, und zugleich unsere Stromnetze modernisieren und digitalisieren.
Nordrhein-Westfalen soll auch künftig ein starker Energiestandort in einem eng vernetzten europäischen Verbund sein und erneuerbaren Strom zuverlässig bereitstellen können, wenn er gebraucht wird, so die Ministerin. Es sei angesichts geopolitischer Krisen und schwankender Energiepreise entscheidend, "um unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Energiesouveränität zu sichern."