Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) sind nach gut 30 Jahren nicht mehr Lieferant für die städtischen Liegenschaften.

Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) sind nach gut 30 Jahren nicht mehr Lieferant für die städtischen Liegenschaften.

Bild: © Adobestock

Ab 2027 soll Logo Energie die Liegenschaften der Stadt Frankfurt (Oder) mit Strom beliefern. Bei den Stadtwerken sorgt die Vergabe für Unverständnis. Nach mehr als 30 Jahren endet die Stromlieferung der Stadtwerke Frankfurt (Oder) für die städtischen Liegenschaften. Für den Zeitraum von 2027 bis 2030 hat der Haupt- und Ordnungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung Logo Energie als neuen Versorger bestätigt.

Nur dritter Platz bei der Ausschreibung für lokale Stadtwerke

Neben den Stadtwerken beteiligten sich zwei weitere Bieter an der Ausschreibung. In der Bewertung der Angebote landeten die Stadtwerke nach Angaben der Stadt mit deutlichem Abstand auf dem dritten Platz. Das wirtschaftlichste Angebot legte Logo Energie vor. Das Unternehmen erhielt deshalb den Zuschlag. Logo Energie mit Sitz in Euskirchen bei Köln ist ein seit 2010 bundesweit tätiger Strom- und Gasanbieter aus dem Umfeld des Regionalversorgers E-Regio.

Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) gehören zu 51 Prozent der Stadt. Für den Versorger bedeute der Verlust der Stadt als Referenzkunden einen Verlust an "Absatz, Ergebnis und Stabilität", teilten die Stadtwerke auf ZFK-Anfrage mit. Sie rechnen deshalb mit einem Ergebnisrückgang in Höhe der entfallenden Marge. Wie stark sich die Vergabe auf das Gesamtergebnis auswirkt, lasse sich derzeit noch nicht abschließend beziffern. Bei den Stadtwerken stößt die Entscheidung auf Unmut und Unverständnis. Das eigene Stromlieferangebot sei marktgerecht, transparent und an den Beschaffungskosten orientiert gewesen.

"Der absolute Preisabstand zum bezuschlagten Angebot wurde uns auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt", teilten die Stadtwerke mit. Zudem habe die Stadt weder Nachfragen gestellt noch eine Nachbesserung des Angebots verlangt. Die Stadtverwaltung weist diese Kritik zurück. Sie verweist auf ein ordnungsgemäßes, "sich streng am deutschen und europäischen Wettbewerbsrecht ausrichtendes Vergabeverfahren". Wegen der Sperrminorität der beiden anderen Gesellschafter konnte die Stadt kein vergabefreies Inhouse-Geschäft mit den Stadtwerken abschließen. Deshalb musste sie die Stromlieferung für ihre Liegenschaften europaweit ausschreiben.

Externe Prüfung

Um die Objektivität des Verfahrens zu gewährleisten, beauftragte die Stadt nach eigenen Angaben das externe Unternehmen "switch.on" mit der Durchführung der Ausschreibung. "Ausschlaggebend für den Zuschlag waren gemäß den gesetzlichen Vorgaben die Wirtschaftlichkeit des Angebots und die Eignung des Bieters", teilte die Stadt mit. Der parteilose Oberbürgermeister Axel Strasser verwies zugleich auf die Suche nach einer künftigen Lösung: "Die Frage, ob es nach dem Auslaufen der neuen, bis 2030 geltenden Stromverträge eine andere, rechtssichere Form der Energieversorgung der städtischen Liegenschaften geben kann, um unsere Stadtwerke stärker einzubinden, wird bereits geprüft.

"Eine solche Alternative liege bislang allerdings nicht vor, sagte Strasser. Deshalb habe die Stadt das Vergabeverfahren nach den geltenden gesetzlichen Regelungen durchführen und das wirtschaftlichste Angebot berücksichtigen müssen. "Dass dieses beim Strom diesmal nicht von unseren Stadtwerken kam, bedauere ich ausdrücklich. Beim Gas haben die Stadtwerke hingegen als einziger Anbieter den Zuschlag erhalten."

Einigkeit angesichts anstehender Aufgaben

Nach außen bemühen sich Stadt und Stadtwerke dennoch um eine konstruktive Zusammenarbeit. "Wir müssen festhalten, dass wir die derzeitige Situation und die damit verbundenen Prozesse im Bereich der Stromlieferverträge für städtische Liegenschaften von 2027 bis 2030 kritisch betrachten. Mit diesen Prozessen können beide Seiten nicht zufrieden sein", heißt es in einem gemeinsamen Statement.

Die Stadtverwaltung wolle das Vergabeverfahren deshalb noch einmal intern überprüfen. Zudem wollen die Partner ihre Kommunikation auf fachlicher Ebene vertiefen. Regelmäßige Arbeitstreffen sollen einen "reibungslosen und prozessorientierten Informationsaustausch" ermöglichen. Anknüpfen wollen Stadt und Stadtwerke an die Zusammenarbeit bei der Koordination gemeinsamer Bauvorhaben.

Darüber hinaus wollen sie "Fehler und Schwachstellen, die in der Vergangenheit aufgetreten sind, systematisch analysieren". Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, aus den Erfahrungen zu lernen und die Prozesse nachhaltig zu verbessern.

Die Zusammenarbeit soll auch die Herausforderungen des technologischen Wandels berücksichtigen – insbesondere im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien und der Digitalisierung. Stadt und Stadtwerke wollen damit eine Grundlage für eine nachhaltige und verlässliche Energieversorgung in Frankfurt (Oder) schaffen.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper