Wer an das Rheinische Revier denkt, denkt an Kohle. Die Region im Westen unseres Landes hat immer für die zuverlässige Versorgung mit günstiger Energie aus Braunkohle gestanden. Garzweiler, Hambach und Inden prägen das Bild des Reviers. Die drei Tagebaue haben über Jahrzehnte die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland mitgetragen und damit einen wichtigen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand geleistet.
In wenigen Jahren endet diese Ära, wenn im Rheinischen Revier keine Braunkohle mehr gewonnen und verstromt wird. Bis dahin müssen in ganz Deutschland die Voraussetzungen für eine klimafreundliche Energieversorgung geschaffen sein, die zugleich bezahlbar und zuverlässig ist. Im Rheinischen Revier geht es deshalb schon seit Jahren darum, wie die Region nach der Kohle wirtschaftlich stark bleiben kann. Und ein Blick vor Ort zeigt: Der Wandel ist längst in vollem Gang.
Unterstützung beim Wandel
Als Bund und Länder 2020 die Empfehlungen der sogenannten Kohlekommission aufgegriffen und den Kohleausstieg gesetzlich geregelt haben, war damit eine feste Zusage verbunden: Die betroffenen Regionen werden beim Wandel umfassend unterstützt. Für das Rheinische Revier stellen der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen dafür mehr als 14,8 Mrd. Euro an Strukturhilfen bereit.
Aber natürlich macht Geld allein noch keinen erfolgreichen Strukturwandel. Entscheidend ist, vorhandene Stärken zu nutzen, neue Ideen zu ermöglichen und vor allem die Menschen und Unternehmen vor Ort einzubinden.
Das Rheinische Revier bringt dafür viel mit: Energie gehört hier seit Jahrzehnten zur DNA der Region. Diese Stärke bleibt, nur die Energiequelle verändert sich. Mit dem Gigawattpakt haben Land, Kommunen und Energieunternehmen 2022 vereinbart, die erneuerbare Stromerzeugung im Revier bis 2028 auf mindestens fünf Gigawatt zu steigern. Inzwischen engagieren sich rund 60 Akteure für den Ausbau der erneuerbaren Energien, darunter viele kommunale Energieversorger.
Das Land unterstützt den Aufbau finanziell und sorgt für bessere Rahmenbedingungen, etwa durch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig sollen Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen am Ertrag neuer Windenergieanlagen beteiligt werden. Damit stärken wir die Teilhabe und die Akzeptanz vor Ort. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Schon heute sind im Rheinischen Revier 4,6 Gigawatt an erneuerbarer Stromerzeugung erreicht.
Mut und Pioniergeist
Das Rheinische Revier geht auch in anderen Bereichen voran und arbeitet mit viel Mut und Pioniergeist an der innovativen Wirtschaft von morgen: Die Modellfabrik Papier in Düren, ein Forschungs- und Innovationszentrum für klimaneutrale Papierindustrie, arbeitet an Lösungen für die Papierherstellung der Zukunft. Die Textilfabrik in Mönchengladbach verbindet nachhaltige Materialien mit innovativen Produktionstechnologien und Digitalisierung. Und an drei Standorten im Revier – in Aachen-Merzbrück, Aldenhoven und Mönchen-gladbach – entstehen Lösungen für die Luftfahrt von morgen. So können Unternehmen auf ihren bestehenden Stärken aufbauen und ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Eine ganz besondere Stärke der Region ist die starke Wissenschaft: Die RWTH Aachen und das Forschungszentrum Jülich stehen für eine Forschungslandschaft von internationaler Bedeutung. Tag für Tag arbeiten hier kluge Köpfe im engen Austausch mit der Wirtschaft daran, innovative Ideen in wirtschaftliche Anwendung zu bringen. So entstehen neue Produkte, Unternehmen und Arbeitsplätze. Ich bin überzeugt: Innovationen sind der zentrale Schlüssel für das wettbewerbsfähige Industrieland Nordrhein-Westfalen. Im Rheinischen Revier sehen wir, wie gut das funktioniert.
Strukturwandel bedeutet am Ende vor allem eines: Die Region muss für die Menschen ein attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten bleiben. Dafür werden im Rheinischen Revier ehemalige Bergbauflächen und Orte neu genutzt, Verkehrsverbindungen verbessert und Angebote für Freizeit, Kultur und gesellschaftliches Engagement gestärkt. Wirtschaftliche Stärke und gute Lebensbedingungen – beides geht Hand in Hand.
Regionalranking 2026
Und dass die Mischung aus vorhandenen Stärken, neuen Ideen und Investitionen trägt, zeigt auch eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Das Regionalranking 2026 nennt das Rheinische Revier als Vorbild für einen gelingenden Strukturwandel – das ist etwas, auf das die Menschen in der Region stolz sein können.
Vor dem Rheinischen Revier liegen noch Jahre intensiver Arbeit, aber wichtige Erfolge sind schon sichtbar. Rund 1.000 Projekte mit einem Fördervolumen von weit über drei Milliarden Euro sind inzwischen in der Umsetzung. Auch globale Unternehmen wie Microsoft setzen auf die Region und investieren Milliarden in die digitale Infrastruktur. So entstehen die Grundlagen für unseren Weg „von der Kohle zur KI“.
Dass das Rheinische Revier mit großer Zuversicht in die Zukunft schauen kann, verdanken wir vor allem den vielen Akteuren in der Region. Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft und die Menschen in der Region bringen ihre Erfahrung, ihre Ideen und ihr Engagement ein. Sie übernehmen Verantwortung für die Zukunft ihrer Heimat. Wer sich vor Ort davon überzeugen möchte, ist immer herzlich nach Nordrhein-Westfalen eingeladen.
Der Gastbeitrag von Hendrik Wüst ist zuerst im "NRW Spezial" der ZFK-Oktoberausgabe erschienen. Hier geht es zum E-Paper.