Der Ökoenergieanbieter Stromee möchte seine Kundschaft loswerden. Die SWK Energie schlägt zu und übernimmt im Rahmen eines Asset Deals einen Großteil der Energielieferverträge. Doch das Vorgehen von Stromee bei der Weitervermittlung sorgt für Kritik und ruft die Verbraucherzentralen auf den Plan.
Stromee ist eine Energiemarke vom Smart-Home-Lösungsanbieter Homee, die 2022 an den Start ging. Nach öffentlichen Unternehmensangaben hatte sie einmal ein Stromkundenportfolio von über 100.000 Kunden, zudem vertrieb sie zertifiziertes Ökogas. Die SWK sprach nun von der Übernahme einer Kundenzahl im "niedrigen fünfstelligem Bereich".
"Fragwürdig und untransparent"
Kritik kommt von Verbraucherschützern. "Die Kommunikation von Homee unter ihrer Marke Stromee halten wir für äußerst ungewöhnlich, fragwürdig und intransparent, auch im Zusammenspiel mit dem Vergleichsportal Check24", sagt Gregor Hermanni, Referent für Energierecht bei der Verbraucherzentrale NRW. Bei der Verbraucherzentrale seien bereits Beschwerden über Stromee eingegangen.
Ein Kunde, der die ZFK unabhängig von der Verbraucherzentrale kontaktierte, berichtet verärgert über die Kommunikation von Stromee. Vor einem halben Jahr schloss er Strom- und Gasvertrag jeweils mit einem Jahr Preisgarantie über Check24 ab. Ende September erhielt er dann eine E-Mail, in der Stromee eine Einstellung der Belieferung zum Ende Oktober in Aussicht stellte und ihm einen Wechsel zur SWK nahelegte.
Was ihm daran missfiel: Aus seiner Sicht setzte Stromee ihn unter Druck, das Angebot anzunehmen, indem eine Frist von fünf Tagen gesetzt wurde und mit der Grundversorgung "drohte". Für den Kunden besonders ärgerlich: Das neue Stromangebot der SWK war für seinen Verbrauch 23 Prozent teurer, das Gasangebot 46 Prozent. Eine eigene Kündigung sprach Homee nicht aus.
Bei den betroffenen Verbraucher:innen sorgt sie für erhebliche Verunsicherung.
Gregor Hermanni, Verbraucherzentrale NRW
Das sieht auch die Verbraucherzentrale NRW kritisch. "Bei den betroffenen Verbraucher:innen sorgt sie für erhebliche Verunsicherung", so Hermanni. Einerseits lege das Unternehmen seinen Kund:innen nahe, zu den Stadtwerken Krefeld zu wechseln, und schreibt, man müsse "in dieser Situation davon ausgehen, dass wir unsere Energieversorgung voraussichtlich nicht weiter gewährleisten können."
Andererseits vermeide Stromee auffällig, von einer Kündigung zu sprechen oder sich verbindlich dazu zu äußern, ob die Belieferung weiterläuft. "Check24 wiederum teilt mit, dass Stromee die Belieferung mit Strom und Gas zum 31. Oktober 2026 einstellt", berichtet Hermanni. "Die Kund:innen erhalten damit unterschiedliche und teils widersprüchliche Informationen."
Unaufgefordertes Schreiben
"Obwohl Verbraucherinnen und Verbraucher noch einen Vertrag haben und auch die Möglichkeit, nach Vertragsende frei am Markt zu wählen, wird ihnen unaufgefordert ein Schreiben mit einem Angebot eines anderen Versorgers zugeschickt, mit welchem sie zuvor häufig keinen Kontakt hatten und auch diesen nicht angeregt haben" kommentiert René Zietlow-Zahl, Referent Energierecht bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auch ihm liegen Beschwerden von Kundinnen und Kunden vor. Das Schreiben von Stromee an seine Kunden beinhalte mehrere missverständliche Formulierungen.
Beispielsweise, dass das Angebot die Möglichkeit gibt "deine Versorgung langfristig und ohne Aufwand zu sichern." Die Versorgung sei jedoch auch ohne das Angebot ausreichend abgesichert, weil der Grundversorger zu Not beliefert. Stromee stelle zudem die Behauptung auf, dass die Preise in der Grundversorgung häufig über dem marktüblichen Preis bei Sonderverträgen liegen. Das stimme zur Zeit schlicht nicht vollumfänglich und setzte ein falsches Signal.

Grund für Aufgabe: Probleme in der Beschaffung?
Zur Ursache des Lieferstopps kursieren derweil verschiedene Theorien. "Es wirkt also, als hätte der Versorger nicht ausreichend beschafft oder wolle beschaffte Mengen am Großhandelsmarkt zu den aktuell hohen Preisen weiter veräußern", sagt der Kunde, mit dem die ZFK sprach und der selbst in der Energiewirtschaft arbeitet. "Gleichzeitig will er die Kundenbeziehung anscheinend über eine Provision der SWK versilbern."
Um diese Vermutung zu überprüfen, habe er Stromee gefragt, ob er auch selbst kündigen könne, ohne das neue Angebot anzunehmen. Stromee habe dies nach seinen Angaben verneint. Das bestätige seine Vermutung, sagt der Kunde. Auch von anderen Quellen aus der Branche hieß es, der Anbieter habe sich verspekuliert.
Zwischenzeitlich habe ihn die SWK unter einer Krefelder Nummer angerufen, "um mich von dem Angebot zu überzeugen". Stromee habe seine Daten offenbar direkt an das Partnerunternehmen weitergegeben, erklärt der Kunde: "Das geschah ohne mein Wissen und Zutun."
Die SWK hingegen erklärt auf Anfrage: "Die Kundenkommunikation und das Angebot wurden durch Homee verantwortet." Ziel sei es, betroffenen Kundinnen und Kunden frühzeitig eine Alternative für die Fortführung ihrer Energieversorgung aufzuzeigen. Die Entscheidung über die Annahme eines Angebots läge grundsätzlich bei Kundinnen und Kunden.
Stark schwankende Beschaffungskosten
Gleichwohl nehme die SWK die geschilderte Wahrnehmung ernst. "Kundenkommunikation muss transparent, verständlich und eindeutig sein", erklärt das Unternehmen. "Dies gilt insbesondere für Entscheidungsfristen, mögliche Folgen einer Nichtannahme und die Rolle der beteiligten Unternehmen."
Die in diesem Fall vorgesehene kurze Annahmefrist sei aus Sicht der SWK auf die stark schwankenden Beschaffungskosten am Markt zurückzuführen. "Da sich die Marktpreise kurzfristig verändern können, können entsprechende Angebote nur für einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten werden."
Hintergrund der Übernahme durch die SWK ist die Einstellung des Energiebetriebs, die es für Homee notwendig machte, einen etablierten Partner für die Übernahme ihrer Energiekundenverträge zu suchen und damit die zuverlässige Belieferung ihrer Kunden zu sichern. Die betreffenden Verträge im Rahmen des Deals werden demnach zu gleichen Konditionen fortgeführt und die Kundinnen und Kunden über den Übergang informiert.
Stromee ist einer von zwei Anbietern, der aufgibt
Mit Stromee zieht sich nun zum Ende des Monats ein zweiter Ökoenergieanbieter aus dem Privatkundengeschäft zurück. Grüüün, eine Marke der Münch Energie, kündigte ihren Kundinnen und Kunden zum 31. Oktober, bis zu 200.000 Verträge könnten nach zuletzt veröffentlichen Zahlen betroffen sein. Wie viele genau betroffen sind, bleibt in beiden Fällen allerdings unklar, da beide Unternehmen auch auf Nachfrage keine Informationen herausgeben.
"Wesentlich und unterschiedlich ist, dass Grüüün das Geschäft aufgibt, Stromee lediglich ankündigt, dass es zu einer Geschäftsaufgabe kommen könnte", ordnet Ztietlow-Zahl ein. Grüüün weise in seiner Stellungnahme zudem explizit darauf hin, dass es einen freien Markt gibt, auf dem sich Verbraucherinnen und Verbraucher einen Tarif aussuchen können.
Auf eine Anfrage der ZFK zu den im Artikel geäußerten Vorwürfen antwortete Stromee nicht.