Ob Aussetzung des Dezember-Abschlags und Abrechnung mit dem Bund, Gas- oder Strompreisbremse – an einer Realisierung der technischen Umsetzung arbeiten alle etablierten Softwarehersteller. „Viele Einzelheiten auch mit hoher Tragweite können aber erst auf Basis der BDEW-Anwendungshilfe konkretisiert werden“, heißt es auf Anfrage bei Wilken. Bis zu dieser Veröffentlichung seien demzufolge viele Umsetzungsinhalte unklar.
„Die erforderlichen gesetzlichen Regelungen liegen erst sehr spät in diesem Jahr vor. Eine Umsetzung zum 1. Januar 2023 ist damit völlig unrealistisch“, heißt es bei der Rhenag, deren Software Lima bei Dutzenden Energieversorgern verwendet wird. Eine Entlastung der Haushalte in Form eines Zwölftels des Vorjahreswerts der Abrechnung respektive des Januar-Abschlags wäre hingegen machbar.
Generell würden viele Details gerade erst konkretisiert, die für die praktische Umsetzung aber eine enorme Bedeutung hätten. „Auch unsere Kunden sind hochgradig verwirrt und haben jede Menge Klärungsbedarf“, so die Rhenag.
SIV: "Entwicklungwzyklus von 3,5 Monaten realistisch"
Ähnlich ist der Tenor bei SIV. Eine Umsetzung der Strom- und Gaspreisbremse zu einem früheren Zeitpunkt als dem ersten März sehe man kritisch, da die konkreten Regelungen noch nicht verabschiedet seien. Dies wird für den 18. November erwartet. Von da an sei ein Entwicklungszyklus von circa 3,5 Monaten realistisch.
„Ein Aussetzen der Abschläge sehen wir unkritisch, da die hier zum Tragen kommenden Algorithmen zu einem hohen Prozentsatz identisch sind zu den notwendigen Verfahren im Dezember", schreibt SIV weiter. Eine rückwirkende Erstattung würde man aber nicht bevorzugen, weil es sich hierbei wiederum um ein neues Verfahren handle.
„Eine Umsetzung der Regelungen, die erst so kurzfristig bekannt geworden sind, in ihrer konkreten Ausprägung ist eine Herausforderung. Grundsätzlich sehen wir uns gut aufgestellt und haben nach ersten Pressemitteilungen gleich in die richtige Richtung konzipiert“, teilt hingegen Powercloud mit. Nach aktuellem Stand erscheine die Definition ausreichend konkret zu sein, so dass eine Umsetzung jetzt kurzfristig angegangen werde.
Wilken: "Risiko großer Unschärfen bei Jahresverbrauchsprognose"
„Die software-seitige Umsetzung ist auf Basis der bisherigen Informationen nicht realistisch, insbesondere im Rahmen der Kontingentabrechnung“, ergänzt der Hersteller Wilken. Eine große Herausforderung sehe man zudem im laufenden Geschäftsbetrieb. Beispielsweise sei die Jahresverbrauchsprognose von Neukunden (Neueinzug auch bei Lieferantenwechsel) für Versorger eine gewisse Herausforderung, da dieser Wert auf dem Verbrauchsverhalten des vorigen Verbrauchers beruhe und nicht auf dem desjenigen, der die Wohnung/das Haus beziehe. „Dadurch ergeben sich gegebenenfalls sehr große Unschärfen“.
Die Entwicklung einer möglichst einheitlichen Lösung für die Energiebranche, nach Vorgaben des Bundes, halten alle befragten Hersteller für unrealistisch – unter anderem wegen der erforderlichen, zu langen Abstimmungszeiten.
Powercloud: "Es wird unterschiedliche Lösungen geben"
„Wir sehen bei einigen Fragen heute schon unterschiedliche Kundenwünsche und müssen aufgrund der Kurzfristigkeit eine Lösung festlegen“, teilt Powercloud mit. Es werde unterschiedliche Lösungen geben. Dazu seien zu viele Interpretationsmöglichkeiten vorhanden und es erfolge eine viel zu geringe Definitionstiefe von Seiten des Gesetzgebers, obwohl das Unternehmen mit seinen Kunden zusammen an dem Feedbackprozess beteiligt gewesen sei. „Hier wäre eine schnellere und direktere Einbindung der IT-Anbieter sinnvoll, um einheitliche Lösungen zu etablieren“, schreibt Powercloud. (hoe)
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