Ob ERP-Transformation, Smart-Meter-Rollout, KI-Einsatz oder Plattformstrategien – der Digitalisierungs-Ticker der ZFK bündelt kompakt die relevanten Digitalisierungsentwicklungen in der Energiebranche. Wir berichten hier über neue Projekte, technische Meilensteine, Partnerschaften und regulatorische Weichenstellungen. Der Fokus liegt auf praxisnahen Lösungen, die zeigen, wie Stadtwerke, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber die digitale Transformation konkret umsetzen können.
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30. Juli 2026
Kartellamt stellt SAP-Vorermittlungen ein
Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP abgeschlossen und wird derzeit kein Missbrauchsverfahren einleiten. Anlass der Prüfung waren Beschwerden mehrerer Softwareunternehmen, darunter Celonis. Sie hatten dem Softwarekonzern vorgeworfen, den Zugang zu Daten aus seinen ERP-Systemen für Kunden und Drittanbieter zu erschweren und dadurch eigene Lösungen, insbesondere die Process-Mining-Software Signavio, zu begünstigen. Nach Angaben der Behörde haben sich diese Vorwürfe bislang nicht erhärtet.
Die Ermittlungen haben laut Bundeskartellamt ergeben, dass die Extraktion großer Datenmengen aus SAP-Systemen technisch anspruchsvoll sei, derzeit jedoch verschiedene zulässige und praktikable Möglichkeiten dafür bestehen. Auch die im Frühjahr veröffentlichte SAP-API-Policy führe nach dem aktuellen Erkenntnisstand nicht dazu, dass bislang zulässige Formen der Datenextraktion entfallen. Hinweise darauf, dass SAP Signavio kostenlos oder faktisch ohne zusätzliche Kosten anbietet, um Wettbewerber zu verdrängen, fand das Bundeskartellamt ebenfalls nicht.
Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte zugleich, Unternehmen müssten ihre eigenen Daten grundsätzlich auch in Anwendungen anderer Anbieter nutzen können. Die Behörde werde die Entwicklung des Marktes für Unternehmenssoftware und den Datenzugang deshalb weiterhin beobachten und mögliche Wettbewerbsprobleme bei Bedarf erneut kartellrechtlich prüfen.
28. Juli 2026
Teag bricht mit dem klassischen SAP-Projektmodel
Die Thüringer Energie AG (Teag) startet die Einführung von SAP S/4HANA Utilities für Verteilnetzbetreiber und grundzuständige Messstellenbetreiber (VNB/gMSB) – und wählt dabei einen Ansatz, der von klassischen IT-Transformationsprojekten abweicht. Statt auf einer leeren Systemlandschaft zu beginnen, soll dem Fachbereich bereits zum Projektstart eine vorkonfigurierte SAP-Umgebung zur Verfügung stehen.
Eingebunden sind dabei die MaCo Cloud für die Marktkommunikation sowie eine Messkonzeptverwaltung (MKV). So soll der Fachbereich vom ersten Tag an in einer realitätsnahen Umgebung arbeiten und Prozesse schrittweise anpassen können.
Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit Cerebricks, einem IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Muldestausee (Sachsen-Anhalt). "Anders als bei klassischen Transformationsprojekten beginnt die fachliche Arbeit nicht auf einer leeren Systemlandschaft", sagt Philipp Lübke, CIO und Geschäftsbereichsleiter der Teag. Die Ausweitung der Zusammenarbeit sei für den Versorger "ein konsequenter nächster Schritt".
Für kommunale Netzbetreiber und Messstellenbetreiber, die selbst vor einer S/4HANA-Migration stehen, könnte der Ansatz als Referenz interessant sein: Vorkonfigurierte Systeme auf Basis von Branchenstandards sollen Projektlaufzeiten verkürzen und den Fachbereichen früher handlungsfähige Umgebungen liefern.
27. Juli 2026
Rhenag öffnet KI-Sprachagenten für Stadtwerke
Rund 100.000 Mal im Jahr melden Kunden der Rhenag ihren Zählerstand – per Telefon. Das soll künftig ein Sprachroboter übernehmen. Die Rhenag (Rheinische Energie AG), ein Kölner Energie- und Dienstleistungsunternehmen, führt im Kundenservice einen Voice-KI-Agenten ein. Das sprachgesteuerte System soll am Pilotstandort Siegburg zunächst Standardanliegen wie Zählerstandsmeldungen oder Abschlagsänderungen automatisch bearbeiten.
Für 2026 rechnet Rhenag Energie, die Vertriebssparte der Rhenag, mit rund 400.000 Bearbeitungsvorgängen und etwa 200.000 Telefonaten. "Unsere gut ausgebildeten Experten möchten bei individuellen Fragen helfen, verbringen aber zu viel Zeit mit Standardanliegen", sagt Melanie Florenz, Leiterin Kundenservice bei Rhenag Energie. Die KI soll das ändern.
Als Technologiepartner setzt Rhenag auf Parloa und Logen AI – deren Lösung läuft bei den Netztöchtern Rhein-Sieg-Netz und Westerwald-Netz bereits im Betrieb. Erkennt der Agent, dass ein Anliegen über den Standard hinausgeht, verbindet er automatisch mit einem Mitarbeitenden. Störmeldungen leitet er direkt an die Leitstelle weiter.
Besonders relevant für die Branche: Rhenag entwickelt die Lösung explizit zur Weitergabe an Stadtwerke-Partner. "Wir sehen uns als Modellstadtwerk", sagt Norman Petersson, Leiter Energiegeschäft bei Rhenag Energie. Interessierte Stadtwerke profitieren von einer Einkaufsgemeinschaft und können auf bereits erprobte Anwendungen zurückgreifen.
24. Juli 2026
Kommunen fordern offene Dateninfrastrukturen für die Verwaltungsdigitalisierung
Kommunen und öffentliche Unternehmen fordern stärkere Berücksichtigung offener Datenplattformen bei der Verwaltungsdigitalisierung. Der Münsteraner Verein Civitas Connect, der kommunale IT-Lösungen entwickelt und betreibt, hat gemeinsam mit ersten Kommunen und IT-Dienstleistern einen offenen Brief an die Bundesregierung, den IT-Planungsrat und die zuständigen Digitalministerien veröffentlicht.
Darin sprechen sich die Unterzeichnenden dafür aus, bestehende offene Daten- und Integrationsplattformen stärker in föderale Digitalstrukturen einzubinden. Hintergrund: In vielen Digitalisierungsprojekten würden Schnittstellen heute individuell entwickelt und Datenmodelle projektbezogen aufgebaut – mit hohen Folgekosten und Abhängigkeiten von proprietären Anbietern.
"Digitale Souveränität entsteht nicht allein durch Open Source oder einzelne Anwendungen. Entscheidend sind offene, dauerhaft tragfähige Dateninfrastrukturen, die gemeinsam von der öffentlichen Hand gestaltet werden", erklärt Ralf Leufkes, Geschäftsführer von Civitas Connect. Der Brief greift aktuelle Vorhaben wie den Deutschland-Stack und die Registermodernisierung auf. Weitere Kommunen, Landkreise und öffentliche Unternehmen können die Erklärung noch bis September unterzeichnen; anschließend sollen die Positionen gebündelt an den IT-Planungsrat und das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung übermittelt werden.
13. Juli 2026
Schleupen gewinnt weitere SAP-IS-U-Ablösungen
Die Stadtwerke Rosenheim haben sich für die Softwareplattform Schleupen.CS entschieden und lösen damit ihre bisherigen SAP-IS-U-Systeme ab. Zuvor hatten die Stadtwerke Lemgo ebenfalls den Wechsel bekannt gegeben. Beide Aufträge vergab die Unternehmen nach Ausschreibungsverfahren an die Schleupen SE.
Die Stadtwerke Rosenheim wollen Schleupen.CS künftig als Software-as-a-Service in der Schleupen.Cloud nutzen. Das Projekt umfasst die Marktrollen Lieferant, Verteilnetzbetreiber und Messstellenbetreiber. Nach Angaben des Unternehmens werden rund 90.000 Verträge abgerechnet. Die Umstellung soll im ersten Quartal 2028 abgeschlossen sein.
Auch die Stadtwerke Lemgo setzen künftig auf Schleupen.CS im SaaS-Modell. Dort wird zunächst die Marktrolle Lieferant auf die neue Plattform umgestellt. Das System soll rund 65.000 Verträge abrechnen und ist in das bestehende SAP-Hauptbuch integriert.
Beide Stadtwerke begründen ihre Entscheidung unter anderem mit dem Funktionsumfang der Plattform sowie der Ablösung des auslaufenden SAP IS-U. Für Schleupen setzt sich damit der Trend fort, Versorgungsunternehmen bei der Migration auf neue Meter-to-Cash-Plattformen zu gewinnen.
13. Juli 2026
RKU IT nimmt Hsag-KI-Plattform ins Portfolio auf
RKU IT erweitert seinen NextGen Market um die Hsag AI Suite. Die KI-Plattform soll Energieversorger dabei unterstützen, Anfragen im Kundenservice über Chat, Telefon und E-Mail automatisiert zu bearbeiten.
Die Lösung steht künftig sowohl Bestands- als auch Neukunden von RKU IT zur Verfügung. Dabei spielt es nach Unternehmensangaben keine Rolle, ob die IT-Systeme beim Herner Dienstleister betrieben werden oder in einer eigenen Infrastruktur laufen. Bereitgestellt wird die Plattform als Software-as-a-Service.
Die Hsag AI Suite bündelt Chat-, Voice- und E-Mail-Agenten auf einer gemeinsamen technischen Basis. Energieversorger können Inhalte und Antworten an ihre eigenen Prozesse anpassen. Ziel ist es, wiederkehrende Kundenanliegen kanalübergreifend zu bearbeiten und Mitarbeitende im Service zu entlasten.
Der NextGen Market bündelt Anwendungen verschiedener Anbieter, die Energieversorger über Rku.it beziehen und in bestehende Systemlandschaften integrieren können.
2. Juli 2026
50 Organisationen fordern Energiedatenräume
Rund 50 Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen aus der Energie- und Digitalwirtschaft sprechen sich für den Aufbau von Data Spaces im Energiesektor aus. In einem von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) veröffentlichten Impulspapier fordern sie, Datenräume als digitale Infrastruktur für die Energiewende zu etablieren.
Data Spaces sollen einen standardisierten und sicheren Datenaustausch zwischen Unternehmen ermöglichen. Nach Einschätzung der Unterzeichner könnten dadurch Integrationskosten sinken, Prozesse automatisiert und Anwendungen wie die netzdienliche Steuerung von Wärmepumpen, Speichern oder Ladeinfrastruktur sowie variable Netzentgelte leichter umgesetzt werden.
Das Papier nennt vier Handlungsempfehlungen. Dazu gehören die stärkere politische und regulatorische Unterstützung von Data Spaces, der Übergang erfolgreicher Pilotprojekte in den Regelbetrieb bis 2032 sowie der Ausbau von Datenkompetenz und Anreizen für den Datenaustausch. "Data Spaces schaffen die Voraussetzungen für einen sicheren, souveränen und standardisierten Datenaustausch", erklärte Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dena.
1. Juli 2026
Stadtwerke Neustadt führen CLS-Management ein
Die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße haben Voltaris mit der Einführung des CLS-Managements beauftragt. Zum Einsatz kommt das Modul aEMT-Basis, das die technischen Voraussetzungen schaffen soll, steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG über intelligente Messsysteme anzusteuern.
Das Modul übernimmt die Rolle des aktiven externen Marktteilnehmers (aEMT) und ist mit der Gateway-Administration sowie den Prozessen des passiven externen Marktteilnehmers (pEMT) verbunden. Dadurch sollen Steuerbefehle über eine durchgängige Prozesskette abgewickelt werden.
Die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße arbeiten bereits beim grundzuständigen Messstellenbetrieb mit Voltaris zusammen. Das Unternehmen übernimmt dabei unter anderem die Gateway-Administration, die Gerätebeschaffung sowie die Anbindung an das ERP-System. Im Stromnetz versorgen die Stadtwerke nach eigenen Angaben rund 34.000 Zählpunkte in der Niederspannung.
Mit dem Projekt bereiten die Stadtwerke die Umsetzung der Steuerungsprozesse im intelligenten Messwesen vor, die mit dem weiteren Smart-Meter-Rollout und den Anforderungen aus § 14a EnWG an Bedeutung gewinnen.
1. Juli 2026
Metrify installiert 10.000 steuerbare iMSys
Metrify hat mit Heinz Lackmann, Advalju und Theben Smart Energy bundesweit 10.000 intelligente Messsysteme mit integrierter Steuerungslösung installiert. Der wettbewerbliche Messstellenbetreiber gehört zur Enpal-Gruppe.
Zum Einsatz kommt ein Smart-Meter-Gateway von Theben Smart Energy mit integriertem CLS-Modul. Die Lösung soll es ermöglichen, steuerbare Verbrauchseinrichtungen und Anlagen über das intelligente Messsystem anzubinden. Dazu zählen etwa Ladeeinrichtungen, Speicher, Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen.
Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich um eine One-Box-Lösung, bei der Smart-Meter-Gateway und Steuerungsmodul in einem Gerät kombiniert werden. Die Steuerung erfolgt über den EEBUS-Standard. Die Lösung ist nach Angaben von Theben Smart Energy vom BSI zertifiziert und kann durch Softwareupdates erweitert werden.
Metrify verantwortet als Messstellenbetreiber Rollout und Betrieb der intelligenten Messsysteme. Heinz Lackmann unterstützt unter anderem Backendbetrieb, Logistik und Umsetzung. Advalju liefert Backend-, Integrations- und Steuerungslösungen. Theben Smart Energy stellt die Smart-Meter-Gateways mit Mehrwertmodul bereit.
In diesem Jahr wollen die beteiligten Unternehmen 70.000 Smart-Meter-Gateways mit integrierter Steuerungsfunktion zu Kunden bringen. In den kommenden Jahren sollen weitere intelligente Messsysteme installiert und zusätzliche Steuerungsanwendungen angebunden werden.
1. Juli 2026
Energy Metering setzt auf PPC-Steuerung
Energy Metering, Tochter von Octopus Energy Deutschland, hat mit Power Plus Communications (PPC) einen Vertrag über die Nutzung der Steuerungslösung SMGWplus geschlossen. Nach Unternehmensangaben ist der wettbewerbliche Messstellenbetreiber der erste Anbieter, der die neue Software für die Steuerung direkt aus dem Smart-Meter-Gateway einsetzt.
Das SMGWplus erweitert die Funktion intelligenter Messsysteme über die reine Messwertübertragung hinaus. Das Software-Update ermöglicht es, steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen, Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen über das Smart-Meter-Gateway anzusteuern. Die Kommunikation erfolgt standardisiert über EEBUS. Die Lösung soll unter anderem Anforderungen aus § 14a EnWG und § 9 EEG unterstützen.
Energy Metering will die Software nutzen, um den Rollout intelligenter Messsysteme weiter zu skalieren und neue Geschäftsmodelle für steuerbare Verbrauchseinrichtungen zu erschließen. Nach Unternehmensangaben sollen in den kommenden Jahren mehr als eine Million Messstellen digitalisiert werden.
Bereits im Februar hatten Energy Metering, Weidmüller und PPC ihre Zusammenarbeit beim Steuerungsrollout angekündigt. Mit der Vertragsunterzeichnung folgt nun ein weiterer Schritt zur Einführung der Steuerung direkt aus dem Smart-Meter-Gateway.
10. Juni 2026
Horizon Energy Deutschland und Peermetering kooperieren bei Mehrfamilienhäusern
Die auf Smart-Meter-Finanzierung und Rollout-Modelle spezialisierte Horizon Energy Deutschland (HED) und der Metering-Dienstleister Peermetering arbeiten künftig beim Smart-Meter-Rollout in Mehrfamilienhäusern zusammen. Im Mittelpunkt steht eine 1:n-Kommunikationslösung, bei der mehrere moderne Messeinrichtungen über ein gemeinsames Smart-Meter-Gateway angebunden werden.
Die Lösung soll vor allem in Gebäuden mit mehreren Zählpunkten eingesetzt werden. Dort gelten Einbau und Betrieb intelligenter Messsysteme häufig als aufwendig, weil technische Infrastruktur, Installationsprozesse und Kosten stärker ins Gewicht fallen als im Einfamilienhaus.
Horizon Energy Deutschland will die Kommunikationsadapter von Peermetering seinen Kunden aus Messstellenbetrieb und Wohnungswirtschaft bereitstellen. Ziel ist es, die Anbindung intelligenter Messsysteme in Mehrparteiengebäuden wirtschaftlicher zu gestalten und den Rollout dort besser skalieren zu können.
"Gerade im Gebäudebestand braucht es Lösungen, die sich wirtschaftlich umsetzen und in bestehende Prozesse integrieren lassen", sagt HED-Geschäftsführer Emil Bruusgaard. Peermetering-Geschäftsführer Jan-Frederic Graen sieht in der Kooperation einen Ansatz, Mehrfamilienhäuser stärker in den Rollout einzubeziehen.
Die Zusammenarbeit adressiert damit einen Bereich, der für den weiteren Smart-Meter-Ausbau zunehmend relevant wird: größere Gebäude mit vielen Messpunkten, bei denen klassische Einbaukonzepte oft an wirtschaftliche Grenzen stoßen.
9. Juni 2026
Enni setzt bei S/4HANA-Migration auf Arvato Systems
Die Enni Energie & Umwelt Niederrhein hat Arvato Systems mit der Transformation ihrer Abrechnungslandschaft beauftragt. Nach einer europaweiten Ausschreibung entschied sich der Versorger für die Plattform AEP.EnerS4 auf Basis von SAP S/4HANA Utilities. Sie soll SAP IS-U ablösen.
Der Umstieg ist bis Oktober 2027 geplant. Arvato Systems setzt dabei auf ein standardisiertes Mastersystem, das zentrale energiewirtschaftliche Prozesse wie Abrechnung, Marktkommunikation und Formularwesen integriert. Ergänzt wird die Plattform durch modulare Services für Betrieb, Prozessunterstützung, Weiterentwicklung und Dienstleistungsleistungen.
"Für Enni ist das Projekt ein zentraler Baustein unserer Digitalisierungsstrategie", sagt IT-Leiter Christian Feltgen. Ausschlaggebend seien der Plattformansatz, die langjährige Zusammenarbeit und die energiewirtschaftliche Expertise von Arvato Systems gewesen.
Mit AEP.EnerS4 will Arvato Systems ein skalierbares Modell für Energieversorger anbieten, die wegen des auslaufenden Supports für SAP IS-U unter Transformationsdruck stehen. Das System folgt dem Clean-Core-Prinzip. Individuelle Anpassungen werden außerhalb des Systemkerns umgesetzt, während regulatorische Anforderungen zentral weiterentwickelt werden.
9. Juni 2026
Stadtwerke Heidelberg steigen bei RKU IT ein
Die Stadtwerke Heidelberg beteiligen sich an RKU IT und werden damit Teil des Gesellschafterkreises des IT- und Infrastrukturdienstleisters für die Energie- und Versorgungswirtschaft. Beide Unternehmen wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen und die Entwicklung digitaler Lösungen für kommunale Versorger vorantreiben.
Nach Angaben von RKU IT stärkt der Beitritt das kommunale Gesellschaftermodell des Unternehmens. "Mit dem erfahrenen Partner aus Heidelberg erweitern wir unsere Expertise und legen gemeinsam die Grundlage für zukunftsfähige Lösungen", sagt RKU-IT-CEO Dirk Stieler.
Auch die Stadtwerke Heidelberg sehen Vorteile in der Beteiligung. "Mit unserem Einstieg bei RKU IT stärken wir den Einfluss und sichern uns eine enge Einbindung in zentrale strategische Entscheidungen", erklärt Geschäftsführer Rudolf Irmscher. Zudem ermögliche der Austausch mit den anderen Gesellschaftern neue Perspektiven und fördere die gemeinsame Weiterentwicklung.
Der Dienstleister unterstützt Stadtwerke und Versorgungsunternehmen bei IT-Betrieb, Digitalisierung und Prozessmanagement. Mit dem Einstieg der Stadtwerke Heidelberg wollen beide Seiten Synergien ausbauen, Innovationen vorantreiben und die Zusammenarbeit innerhalb des kommunalen Netzwerks stärken.
3. Juni 2026
EU will digitale Souveränität stärken
Die EU-Kommission hat ein Paket zur technologischen Souveränität vorgelegt. Es umfasst nach Angaben der Kommission zwei Gesetzesvorschläge, den Chips Act 2.0 und den Cloud and AI Development Act, kurz CADA, außerdem eine europäische Open-Source-Strategie und eine strategische Roadmap für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Energiesektor. Ziel ist es, Europas digitale Handlungsfähigkeit zu stärken und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern bei Schlüsseltechnologien, Daten und Infrastrukturen zu verringern.
Für die Energiewirtschaft ist vor allem der Cloud and AI Development Act relevant. Mit CADA will die Kommission die Rechenzentrumskapazität in der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren mindestens verdreifachen. Bis 2035 sollen die Anforderungen europäischer Unternehmen und öffentlicher Verwaltungen vollständig gedeckt werden. Dafür sollen geeignete Standorte für Rechenzentren identifiziert und Genehmigungen für Projekte mit Nachhaltigkeits- und Innovationskriterien vereinfacht werden. Gleichzeitig soll der steigende Energiebedarf adressiert werden, etwa durch mehr Energieeffizienz, innovative Kühl- und Stromversorgungskonzepte sowie eine bessere Einbindung von Rechenzentren in das Energiesystem.
Die parallel veröffentlichte Energie-Roadmap setzt genau an dieser Schnittstelle an. Sie soll digitale Lösungen und europäische souveräne KI-Anwendungen für Stromnetzoptimierung, Energieeffizienz in Gebäuden und Industrie sowie Flexibilität auf Verbraucherseite beschleunigen. Zudem geht es um die nachhaltige Integration von Rechenzentren in das Energiesystem und um Risiken beim breiten Einsatz von KI in kritischer Infrastruktur. Nach Angaben der Kommission wurden dazu auch zwei Leitinitiativen gestartet: "AI for grids“ und eine Initiative zur nachhaltigen Einbindung von Rechenzentren.
1. Juni 2026
Energienetze Mittelrhein mit klarem Plan für Smart-Meter-Rollout
Die Energienetze Mittelrhein (ENM) zählen beim Smart-Meter-Rollout nach eigenen Angaben zu den am weitesten fortgeschrittenen Messstellenbetreibern in Deutschland. Die Netztochter der Energieversorgung Mittelrhein hat die gesetzlich vorgegebene 20-Prozent-Quote bereits 2025 erreicht.
Im aktuellen Monitoring der Bundesnetzagentur gehört das Unternehmen damit zu den zehn Prozent der erfassten Messstellenbetreiber mit dem höchsten Umsetzungsstand. Bis 2032 sollen im Netzgebiet der Energienetze Mittelrhein rund 100.000 bis 120.000 Stromzähler auf intelligente Messsysteme umgestellt werden. Das entspricht etwa einem Drittel aller Zähler.
"Der Rollout ist komplex, aber wir setzen ihn zuverlässig, sicher und mit klarem Plan um", sagt Geschäftsführer Hendrik Majewski. Die Energienetze Mittelrhein haben dafür ihre IT-Systeme im digitalen Messwesen erneuert, zusätzliches Fachpersonal aufgebaut und Dienstleisterkapazitäten erweitert.
Der Einbau erfolgt nach einem strukturierten Rollout-Plan. Haushalte mit gesetzlichen Pflichteinbaufällen, etwa wegen Solaranlagen, höherem Verbrauch oder steuerbaren Geräten wie Wärmepumpen, werden automatisch informiert. Ziel ist es, Einbauten planbarer zu machen und die Voraussetzungen für mehr Transparenz und Steuerbarkeit im Verteilnetz zu schaffen.
1. Juni 2026
Bundesnetzagentur übernimmt Aufsicht für Data Act
Die Bundesnetzagentur ist seit Inkrafttreten des Datenverordnung-Anwendungs-und-Durchsetzungs-Gesetzes die zuständige deutsche Behörde für die Umsetzung des europäischen Data Act. Sie wird damit zentrale Anlaufstelle für Fragen zum Datenaustausch und überwacht die Einhaltung der neuen Regeln.
Der Data Act soll Unternehmen und Verbrauchern mehr Kontrolle über Daten aus vernetzten Geräten geben. Dazu zählen etwa smarte Haushaltsgeräte, Fahrzeuge oder Industriemaschinen. Ziel ist ein fairerer Zugang zu Daten und die Entwicklung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle. Zugleich sollen sensible Informationen wie Geschäftsgeheimnisse geschützt bleiben.
"Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Möglichkeiten des Datenaustauschs stärker genutzt werden", sagt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller. Davon könnten insbesondere Start-ups und mittelständische Unternehmen profitieren.
Zu den neuen Aufgaben der Behörde gehören die Zusammenarbeit mit Datenschutzaufsicht, EU-Kommission und Europäischem Dateninnovationsrat, die Zulassung von Streitbeilegungsstellen und die Beobachtung der Datenwirtschaft. Zudem überwacht die Bundesnetzagentur künftig Vorschriften, die den Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern sollen.
Für Unternehmen der Energiewirtschaft ist der Data Act relevant, weil Datenzugang, Cloud-Wechsel und Interoperabilität zunehmend zentrale Fragen digitaler Geschäftsmodelle werden. Die Bundesnetzagentur bietet dazu Informationen und Online-Veranstaltungen an. Die erste findet am 15. Juli 2026 statt.
01. Juni 2026
Stadtwerke Tübingen testen digitales Energiemanagement mit Zählerfreunde und Trianel
Die Stadtwerke Tübingen starten gemeinsam mit Zählerfreunde und dem Trianel Digital Lab ein Pilotprojekt für intelligentes Energiemanagement. Ziel ist es, zu untersuchen, wie Stadtwerke Haushalte bei Photovoltaik, Wärmepumpen, E-Mobilität und dynamischen Stromtarifen besser unterstützen können.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie digitale Angebote gestaltet sein müssen, damit Kundinnen und Kunden sie im Alltag nutzen. Dabei geht es nicht nur um technische Machbarkeit, sondern auch um Bedienbarkeit, finanzielle Anreize, Automatisierung und Akzeptanz.
"Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich nicht allein beim Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch daran, wie intelligent wir Verbrauch und Erzeugung miteinander verbinden", sagt Arbnor Maliqi von den Stadtwerken Tübingen. Mit den Zählerfreunden wolle man mehr Transparenz und eine bessere Nutzung von Flexibilitäten ermöglichen.
Die Stadtwerke Tübingen planen unterschiedliche Energiedienstleistungen stärker vernetzen, etwa Photovoltaik, Wärmepumpen, E-Mobilität und Stromtarife. Die Zählerfreunde bringen digitale Energiemanagement-Lösungen ein, das Trianel Digital Lab unterstützt bei Kundenperspektive, Umsetzung und wirtschaftlicher Bewertung. Erkenntnisse sollen im Trianel-Netzwerk geteilt und für weitere Stadtwerke nutzbar gemacht werden.