Wurmartige Cyber-Angriffe mit den Schadprogrammen "WannaCry" und "NotPetya" hatten im Jahr 2017 weltweit Millionenschäden verursacht und einzelne Unternehmen in Existenznöte gebracht, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein vergleichbares Szenario ist der Behörde zufolge mit der kritischen Windows-Schwachstelle Bluekeep möglich. Die Schwachstelle sei im Remote-Desktop-Protocol-Dienst (RDP) von Microsoft-Windows enthalten.
Schon im Mai hatte das BSI ebenso wie Microsoft gewarnt und zum Einspielen der bereits verfügbaren Sicherheitsupdates aufgerufen. Zwar sei eine aktive Ausnutzung der Schwachstelle bislang nicht bekannt, die Behörde beobachtet jedoch die Entwicklung sogenannter Exploits, die es ermöglichen könnten, die Schwachstelle auszunutzen und warnt daher erneut Unternehmen, Institutionen und Behörden.
Allein in Deutschland mindestens 14.000 verwundbare Rechner
Weltweit seien zuletzt noch mindestens rund eine Million direkt mit dem Internet verbundene Systeme für Bluekeep anfällig gewesen. In Deutschland schätzt das BSI die Zahl unmittelbar verwundbarer Computer aktuell auf mindestens 14.000. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich dahinter eine Vielzahl an gefährdeten Rechnern verbirgt, die nicht direkt an das Internet angeschlossen sind, etwa in Unternehmensnetzwerken. Diese werden bei einer wurmartigen Ausbreitung verwundbar, sobald ein einziger Server betroffen ist, der sowohl über das Internet als auch das interne Netzwerk erreichbar ist, so das BSI.
BSI warnt vor enormen Schadenspotenzial
"Wir haben es hier mit einer außergewöhnlichen Schwachstelle mit enormen Schadenspotenzial zu tun. Noch haben alle Unternehmen und Organisationen die Gelegenheit, sich wirksam vor einem Cyber-Angriff zu schützen und ein Krisenszenario zu vermeiden. Die Erfahrungen mit WannaCry und NotPetya haben gezeigt, dass es 2017 trotz verfügbarer Schutzmechanismen eine viel zu hohe Zahl verwundbarer Systeme gab, die innerhalb weniger Wochen angegriffen wurden. Deshalb weisen wir nun erneut und ausdrücklich auf diese Schwachstelle hin und rufen Windows-Anwender auf, die verfügbaren IT-Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen", so BSI-Präsident Arne Schönbohm.
Bluekeep ist nach Angaben der Behörde aus der Ferne und ohne Zutun des PC-Besitzers ausnutzbar und ermöglicht daher einen Angriff mit Schadsoftware, die sich wurmartig selbstständig weiterverbreitet. Betroffen sind die Windows-Versionen XP, 2003, 7, 2008 R2 und 2008.
Links für Sicherheitsupdates
Alle neueren Windows-Varianten sind laut Microsoft nicht anfällig für Bluekeep. Sicherheitsupdates für aktuelle Windows-Versionen stehen zur Verfügung. Auch für viele ältere Windows-Versionen, die eigentlich nicht mehr unterstützt werden. Das BSI rät Anwendern, den jeweiligen Patch möglichst umgehend einzuspielen. Nötige Kompatibilitätsprüfungen, etwa in Produktivnetzen, sollten mit Blick auf die Bedrohungslage möglichst beschleunigt durchgeführt werden. (sg)
